„Living Stone“ von Nicolas Bertoux

Nicolas Bertoux: „Living Stone“.Nicolas Bertoux: „Living Stone“.

Der Künstler aus der Nähe von Carrara hat einen Findling in Wellen zerschnitten und diese beweglich gemacht

Findlinge haben meist eine rundliche Form, denn sie wurden vom Eis der Gletscher oder vom Wasser der Bäche abgeschliffen. Der Künstler Nicolas Bertoux hat einem Exemplar nun die Anmutung einer Riesenmuschel gegeben und die Einzelteile beweglich gemacht.

Bertoux hat in jungen Jahren als Architekt gearbeitet und erst später zur Bildhauerei gefunden.

Vielleicht rührt von daher seine Nähe zu modernen Techniken, die er auch bei dem Findling mit dem Titel „Living Stone“ angewendet hat: das massive Stück aus Schiefer mit mehr als 100 kg Gewicht wurde von einer CNC-Maschine mit Diamantseil in wellenförmige Scheiben zerschnitten.

Solche Formen kennt man von den Riesenmuscheln, und so war uns auch „Living Stone“ zunächst nicht ganz geheuer.

Denn: die einzelnen Wellen sind beweglich – sie können nach vorne beziehungsweise hinten geschoben werden, dies unabhängig voneinander.

„Der Stein fängt an zu atmen“, heißt in einer Beschreibung.

Nicolas Bertoux hat uns verraten, wie er diese neue Beweglichkeit des Steins möglich gemacht hat: die Wellen laufen auf Führungsschienen, ähnlich solchen, auf denen sich ein großer 3D-Drucker bewegt.

Nicolas Bertoux: „Living Stone“.

Auf einem Video sieht man, wie der Künstler ganz vorsichtig sein Werk dreht und auseinanderzieht – die Sache hat zwar eingebaute Stopper, aber die sind noch nicht perfekt entwickelt.

Bertoux will demnächst eine Serie beweglicher Steine erstellen, „Exemplare mit unterschiedlichen Formen und Schnitten“, wie er sagt. Was ihn an dem Thema fasziniert, sei das Zusammenspiel von Material, Technologie und einer Idee, aus der hier etwas ganz Neues entsteht.

Nicolas Bertoux: „Black Hole“.Nicolas Bertoux: „Black Hole“.

Einen Vorläufer gibt es auch, nämlich die Skulptur „Black Hole“ (Schwarzes Loch): hier ist das Oberteil des schwarzen Nero-Marquina-Marmors drehbar – was uns als Betrachter sofort an die unvorstellbaren Kräfte denken lässt, mit denen solch ein surreales kosmisches Gebilde seine Umgebung verschlingt.

Nicolas Bertoux hat zusammen mit seinen Partnerin Cynthia Sah zahlreiche monumentale Skulpturen meist aus Carrara-Marmor erstellt, die vor allem in Asien aufgestellt sind. In einer ehemaligen Steinschleiferei in Seravezza unweit von Carrara haben die beiden die Fondazione Arkad ins Leben gerufen, die dort Seminare für Bildhauer veranstaltet und sich auch um den Erhalt der historischen Anlagen bemüht.

Video „Living Stone“

Nicolas Bertoux

Materially Speaking: „Living Stone“

Fondazione Arkad

Fotos: Nicolas Bertoux

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(24.09.2021)