War die Stadt Tall el-Hammam aus der Bronzezeit das biblische Sodom und wurde sie durch einen Meteoriten zerstört?

Joos de Momper II (1564 -1635): „Lot und seine Töchter fliehen aus Sodom und Gomorrah

Wissenschaftler unter anderem von der East Carolina University analysierten im Jordantal eine 1,5 Meter dicke Schicht aus Kohlenstoff und Asche

Ein Forscherteam, dem auch Dr. Sid Mitra, Professor für geologische Wissenschaften an der East Carolina University, angehört, hat Beweise dafür vorgelegt, dass eine Stadt aus der mittleren Bronzezeit namens Tall el-Hammam im Jordantal nordöstlich des Toten Meeres durch einen Explosion in der Luft zerstört wurde. Es könnte sich dabei um das biblische Sodom gehandelt haben – vor etwa zehn Jahren hatten britische Wissenschaftler bereits spekuliert, dass eine Meteoritenexplosion die Ursache für die in der Bibel beschriebene und auch im Koran erwähnte Katastrophe gewesen sei.

Die archäologische Ausgrabung der Stätte begann 2005, so Mitra, und die Forscher interessierten sich besonders für eine stadtweite 1,5 m dicke Zerstörungsschicht. Die Schicht, die auf etwa 1650 v. Chr. datiert wird, enthält Schockquarz, geschmolzene Keramik und Lehmziegel, diamantähnlichen Kohlenstoff, Ruß, Reste von geschmolzenem Gips und geschmolzene Mineralien wie Platin, Iridium, Nickel, Gold, Silber, Zirkon, Chromit und Quarz.

„Sie fanden all diese Beweise für Verbrennung bei Extremtemperaturen auf dem gesamten Gelände“, so Mitra. „Aber in der Mittleren Bronzezeit gab es noch nicht die Technologien, um Feuer mit einer derartigen Temperatur zu erzeugen.“

Die Stätte umfasst einen massiven Palastkomplex mit dicken Mauern und einem monumentalen Tor, von dem ein Großteil zerstört wurde.

Die Forscher stellten die Hypothese auf, dass es sich um einen Meteoriteneinschlag oder einen Boliden – einen Meteor, der in der Atmosphäre explodiert – gehandelt hat. Sie verglichen den Lufteinschlag mit der Explosion von 1908 über Tunguska, Russland, wo ein 50 m breiter Bolide detonierte, der 1.000 Mal mehr Energie erzeugte als die Atombombe von Hiroshima.

Forscher aus verschiedenen Bereichen wurden aufgefordert, die Beweise von der Stätte zu analysieren, darunter auch Mitra, dessen Labor sich auf die Analyse von Ruß konzentriert.
„Wir analysierten den Ruß an diesem Ort und stellten fest, dass ein großer Teil des organischen Kohlenstoffs aus Ruß besteht, wie es ihn nur bei sehr hohen Temperaturen gibt“, so Mitra.

Weitere Untersuchungen, die die Hypothese stützten, waren das Vorhandensein von diamantartigem Kohlenstoff sowie geschmolzene Keramik, Lehmziegel und Dachziegel, außerdem die Richtungsabhängigkeit der Trümmer und menschliche Knochen in der Trümmerschicht.

Diese weist eine hohe Salzkonzentration auf, die die Landwirtschaft in dem Gebiet ruiniert haben könnte, was die bekannte Tatsache erklären würde, dass in den Jahrhunderten nach dem Ereignis mehr als ein Dutzend Dörfer und Städte im unteren Jordantal verlassen wurden. In der biblischen Geschichte erstarrt Lots Frau zu einer Salzsäule, als sie sich umdreht.

Die Forscher zogen andere mögliche Prozesse in Betracht, die die Zerstörung erklären könnten, darunter Vulkane oder Erdbeben, Waldbrände, Kriegsführung und Blitzschlag, und verwarfen sie wieder. Keine konnte die verschiedenen Beweise so gut erklären wie ein kosmischer Einschlag oder eine Explosion.

Die in Nature veröffentlichte Arbeit mit dem Titel „A Tunguska sized airburst destroyed Tall el-Hammam a Middle Bronze Age city in the Jordan Valley near the Dead Sea“ mutmaßt auch, dass „eine diese bemerkenswerte Katastrophe eine zunächst mündliche Überlieferung hervorgebracht haben könnte, die, nachdem sie über viele Generationen weitergegeben worden war, als Geschichte des biblischen Sodom in der Genesis niedergeschrieben wurde.”

In Genesis 19:24 wird beschrieben, dass Schwefel vom Himmel regnet und die Städte und alle darin lebenden Menschen sowie die Vegetation des Landes zerstört werden.

Nature

Quelle: East Carolina Universität

See also:

(12.10.2021)