Auf der Messe Rocalia im französischen Lyon zeigten die Könner und Künstler für Trockenmauern einmal mehr, was sich mit Steinen ganz ohne Mörtel machen lässt

Projekt „De Rebus Naturae“ auf der Messe Rocalia 2021: Kunst mit Trockenmauern. Foto: Françoise Naudet, <a href="http://www.savoir-french.com/"target="_blank">Savoir French</a>

Das Kunstwerk „De Rebus Naturae“ spielt mit der Geometrie, mit Bezügen auf das Alte Ägypten und mit den antiken Philosophen Epikur und Lukrez

Die Vereinigung der französischen Spezialisten für Trockenmauern (Fédération Française des Professionels de la Pierre Sèche, FFPPS) zeigt sich jedesmal auf der Natursteinmesse Rocalia mit einer besonderen Arbeit, die Live vor Ort ausgeführt wird. 2019 war der Azteken-Gott Quetzalcoatl als Schlange aus Stein geformt und auf dem Boden der Halle für Métiers et Compétences (Berufe und Können) ausgelegt worden. 2021 war die Arbeit nicht weniger anspruchsvoll, aber geheimnisvoller: es handelte sich um ein Portal mit einer Höhe von 2,47 m, einer Breite von 4 m und einer Dicke von 0,5 m in der Form eines gleichschenkligen Trapezes – natürlich fühlten sich die Besucher gleich an die Zugänge zu Tempelanlagen im Alten Ägypten erinnert.

Tatsächlich steckte ein Geheimnis in dem Mauerwerk ganz ohne Mörtel: von dem Kreis in der Mitte gingen strahlenförmig Linien aus, die einzelne Segmente abgrenzten. Schnell fanden die Besucher heraus, dass die Strahlen die Drehung der einzelnen Segmente um das Zentrum anzeigten.

Projekt „De Rebus Naturae“ auf der Messe Rocalia 2021: Kunst mit Trockenmauern. Foto: FFPPS

Das war großartig, und stellte einmal mehr die Kreativität und das Können der französischen Spezialisten für das Trockenmauern unter Beweis – mit solch klug geschichteten Steinbrocken kann man weit mehr machen als nur Hänge in Weinbergen sichern.

Nicht zuletzt, das wollen wir nicht verschweigen, sind solche Mauerungen auch im Gegensatz zu Betonwänden ökologisch wertvoll: sie bieten Lebensräume für Tiere und Pflanzen und überstehen Unwetter insofern, als, etwa bei einem Hangrutsch, das Material nicht kaputtgeht, sondern für die Wiederherstellung der Mauer an Ort und Stelle liegenbleibt.

Auf die ökologische Stärke von Trockenmauern hatten die Initiatoren mit mahnendem Zeigefinder auf einem Plakat hingewiesen: „…vorausgesetzt dass der Stein nicht von der anderen Seite unseres Planeten kommt!“ nannten sie als Grundbedingung für Klimabelange.

Mit dem Titel für ihre Arbeit hatten die Könner und Künstler hoch gegriffen: „De Rebus Naturae“ (Von einer natürlichen Sache) hatten sie das Projekt getauft, mit Bezug auf den römischen Philosophen Lukrez, der seinerseits in dem Werk „De Rerum Naturam“ dem Griechen Epikur ein Denkmal gesetzt hatte.

Projekt „De Rebus Naturae“ auf der Messe Rocalia 2021: Kunst mit Trockenmauern. Foto: FFPPS

Neben der Fédérarion war Laetitia Carlotti vom Colectiv Arterra an der Arbeit beteiligt. Die Künstlergruppe von der Insel Korsika widmet sich den vielfältigen Formen der Pflege der Landschaft und Natur sowie der Land Art.

„De Rebus Naturae“ stand zum Ende der Messe zum Verkauf. Das zeigt: Abbau, Transport und Wiederaufbau ist bei Trockenmauern ebenfalls leicht zu bewerkstelligen.

Die nächste Rocalia findet zusammen mit Gartenbaumesse Paysalia vom 05. bis 07. Dezember 2023 wieder auf dem Messegelände in Lyon statt.

Fédération Française des Professionels de la Pierre Sèche, FFPPS (französisch)

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(10.02.2022)