Beim Stecksystem „Claustra“ werden aus Platten aus Naturstein Wände mit Durchblick und Luftzirkulation

Giuseppe Fallacara: „Claustra“.

Die Entwicklung von Professor Giuseppe Fallacara von der Polytechnischen Hochschule in Bari (Poliba) wurde auf der Messe Rocalia in Frankreich erstmals der Öffentlichkeit präsentiert

Platten aus Naturstein werden in der Architektur vielfach dafür verwendet, um Fassaden von Gebäuden zu verkleiden und die Wärmedämmung zu verbergen. Eine ganz neue Idee hat der Professor Giuseppe Fallacara auf der Messe Rocalia in Lyon (3. November – 02. Dezember 2021) vorgestellt: es handelt sich um ein selbsttragendes Stecksystem, das vielfältige „Schutzschilder“ vor oder in Gebäuden möglich macht.

„Claustra“ (Kreuzgang) ist der Name, den der Professor von Polytechnischen Hochschule in Bari (Poliba) zuammen mit seinem Team der Entwicklung gegeben hat. Das spielt an auf eine Besonderheit der Konstruktion: solche Wände und Räume sind offen, so dass Licht und Luft zirkulieren können, während aber gleichzeitig der Blick hindurch oder hinaus nur eingeschränkt möglich ist.

Außerdem: die Konstruktion wirkt von außen und innen lebendig, und durch die Verwendung unterschiedlicher Steinsorten können farbliche Muster an die Wand gebracht werden.

Giuseppe Fallacara: „Claustra“.

Der Prototyp von „Claustra“ überraschte die Besucher auf der Natursteinmesse in Lyon. Denn die Konstruktion war zweifellos stabil, obgleich die Einzelteile nur zusammengesteckt waren.

Giuseppe Fallacara: „Claustra“.

Wichtig ist dabei ein Detail: wo die Platten ineinander gesteckt werden, werden kleine Manschetten eingesetzt. Die sorgen dafür, dass nicht Stein auf Stein trifft. Beim Prototyp bestanden sie aus recyceltem Plastik und waren von einem 3D-Drucker hergestellt worden.

Die unterste Reihe muss in einer Art Fundament verankert werden, die oberste in einer Art Dach. Das kann wieder durch Einstecken erfolgen oder zum Beispiel mit Metallwinkeln.

Giuseppe Fallacara: „Claustra“.

Als Maximalgröße der Platten nennt Fallacara 1 m Höhe und 5 cm Dicke, weil bei größeren Dimensionen die Installation selbst mit einem Kran schwierig wird. In Lyon waren die Elemente so bemessen, dass 4 bis 5 Reihen übereinander eine Geschosshöhe (2,7 bis 3 m) ergaben. Die Dicke der Elemente betrug 2 cm. „Alles konnte problemlos von Hand und maximal schnell zusammengebaut und wieder abgebaut werden“, nennt Fallacara eine weitere Stärke der Konstruktion.

Der nächste Schritt wird sein, die offizielle Zulassung für die Konstruktion zu bekommen.

Doch nicht nur gerade oder geschwenkte Wände sind mit dem Stecksystem möglich. Zusammen mit der französischen Firma SNBR arbeitet Fallacara an einem Tonnengewölbe nach demselben Prinzip.

Fallacara ist Professor für Architekturentwurf (Architectural Design) am Poliba. Er hat dort Studenten und Mitarbeiter um sich geschart, die aus alten Ideen wie zum Beispiel der Stereotomie moderne Konstruktionen ableiten. Fallacara ist auch Mitglied der New Fundamentals Research Group.

Professor Giuseppe Fallacara, Poliba (Mail)

Politecnico di Bari (1, 2)

New Fundamentals Research Group

Giuseppe Fallacara: „Claustra“.

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(21.02.2022)