Der zentrale Platz in der schwedischen Stadt Eslöv wurde zu einem „Raum der Möglichkeiten“ für die Bürger umgestaltet

Der neugestaltete Stora torg in Eslöv. Foto: Eslöv

Unterschiedliche Materialien, darunter Naturstein, und verschiedene Niveaus kennzeichnen Zonen für bestimmte Nutzungen

Der Stora torg, der zentrale Platz in der schwedischen Kleinstadt Eslöv, ist ein Musterbeispiel dafür, wie das Zentrum einer Ortschaft mit verschiedenen Materialien und einigen Architekturtricks attraktiv gestaltet werden kann. Denn der Platz mit einer Fläche (115×65 m) von ungefähr einem Fußballfeld hatte zwar schon immer eine geschlossene Randbebauung drumherum, wie man sie von den vielfach bewunderten Plätzen in Paris oder in Italien kennt. Dennoch war er zuletzt nicht mehr attraktiv für die Bürger.

In einer Ausschreibung suchte die Stadtverwaltung nach Verbesserungen. Zum einen ging es darum, den Bürgern wieder das Gefühl zu geben, mit dem Stora torg einen zentralen Anlaufpunkt außerhalb der eigenen Wohnung zu haben. Zum andern sollte der Platz auch über die Grenzen von Eslöv bekannt werden. Denn die Stadt mit rund 30.000 Einwohnern sieht sich im Schatten der nahe gelegenen Zentren Helsingborg und Malmö.

60 Millionen Schwedische Kronen wurden in die Neugestaltung des Stora torg investiert, das sind umgerechnet etwa 6,6 Millionen US-$. Die Ausschreibung hatten die Landschaftsarchitekten von Sydväst gewonnen, namentlich Niklas Bosrup und Tobias Starck. Das Projekt war für einen der schwedischen Natursteinpreise 2021 nominiert.

In der ungewöhnlichen Größe des Platzes und seiner Einfassung quasi wie ein Zimmer sahen die Architekten große Chancen für die Umgestaltung. Grundgedanke ihres Konzepts war, innerhalb der Fläche einzelne Bereiche für bestimmte Nutzungen zu definieren – dies jedoch ohne sie dadurch voneinander abzugrenzen.

Die Leitlinie war: das Ensemble nach außen als Einheit erkennbar machen, aber gleichzeitig nach innen Vielfalt zu fördern.

Dafür benutzten sie Höhenunterschiede, verschiedene Bodenbeläge sowie Bäume und Pflanzen.

Die bestimmende Farbe auf dem Stora torg ist gelb. Sie kommt von dem Pflaster aus Backsteinen. Durch die Art der Pflasterung wurden Zonen abgeteilt: das Fischgrät-Muster, das es in den angrenzen Straßen gibt, wird an den Rändern des Stora torg fortgeführt.

Dass die Architekten gelb als Farbe für den Bodenbelag gewählt haben, hängt mit dem Ort zusammen: Eslöv hatte ehemals eine bedeutende Ziegelei, und auf den Äckern rundherum wurde viel Raps angebaut, der während der Blüte bekanntlich die Landschaft mit weiten Flächen in Gelb überzieht.

Weitere Gestaltungsideen wollen wir anhand der folgenden Grafik erläutern:

Der neugestaltete Stora torg in Eslöv. Rendering: Sydväst

* von oben nach unten beträgt das Gefälle von Natur aus etwa 1,5 m. Das haben die Architekten für eine Ruhezone am oberen Rand genutzt: dort kann man sich auf Bänken niederlassen und das Treiben im tiefer gelegenen Teil beobachten. Quasi als Zuschauerloge ist der Kejsarlunden rechts oben gedacht: dort sitzt man bequem wie auf einem Balkon. Etwas unterhalb schließt sich ein Holzboden an, wo junge Leute sitzen und liegen können;
Der neugestaltete Stora torg in Eslöv. Foto: Werner NystrandDer neugestaltete Stora torg in Eslöv. Foto: Werner Nystrand
* markant sind die geschwungenen Stufen, die nach unten führen. Der Granit Tossene Grå Bohus ist das Material dafür. Schmale Streifen aus schwarzem Diabas sind als Warnung vor Sturzgefahr in den Granit eingelegt;
Der neugestaltete Stora torg in Eslöv. Foto: Werner Nystrand
* der Wasserlauf belebt die Szenerie. Hier sind Diabas-Brocken eingefügt, so als gäbe es Stromschnellen;
* weitere Bereiche auf und rund um den Platz sind zum Beispiel für Marktstände, Foodtrucks und Imbisstände vorgesehen. Eine Zone erweckt den Eindruck einer Bühne – sie kann sich zu einem Speakers Corner oder einer Gelegenheit für andere Selbstdarstellungen entwickeln.

Der neugestaltete Stora torg in Eslöv. Foto: Christoffer Borg Mattission

Wichtig dabei war, dass der größte Teil der Fläche offen bleibt. Die Architekten wollen damit den Platz zu einem „Raum der Möglichkeiten“ machen, wie es in einer Beschreibung heißt.

Viele Details waren Teil der Umgestaltung: so wurde eine besondere Straßenleuchte, die „Eslöv-Laterne“ entwickelt, die ein heimeliges Licht wirft. Die Stadtmöbel, die eingekauft wurden, zum Beispiel die Bänke, bekamen anstatt der originalen Stahlfüße solche aus Granit, um sie damit wiederum optisch an die steinernen Bereiche des Platzes und auch an die Gebäude drumherum anzubinden.

Die Lieferanten des Natursteins waren Hallindens Granit und Sjöströms. Zaar Stone verlegte die Steine.

Eslöv (schwedisch)

Sydväst (schwedisch)

Hallindens Granit

Sjöströms (schwedisch)

Zaar Stone (schwedisch)

See also:

(04.03.2022)