Zu den steigenden Energiekosten kommt für Italiens Keramikindustrie nun auch nach eine Knappheit an Ton-Rohmaterial hinzu

Moderne Keramiken sind zum Beispiel Großfliesen, die andere Materialien perfekt imitieren.

In einem Memorandum des Verbands Confindustria Ceramica wird umrissen, dass sich die Branche große Sorgen um den Verlust von Kunden an andere Materialien macht

Die Lage für die Keramikindustrie ist dramatisch, denn es kommen einige fatale Faktoren zusammen: zum einen sind die Energiekosten seit letztem Jahr in stetem Anstieg begriffen, und nun wurde diese Tendenz auch noch durch den Krieg in der Ukraine verstärkt. Mehr noch: die italienischen Fliesenhersteller beziehen einen Großteil der Rohtonmasse von dort. Deshalb hat der Verband Confindustria Ceramica am 11. April 2022 ein „Memorandum“ verfasst und an die Presse verteilt. Im Kern will man damit erreichen, dass die Branche nicht Kunden an andere Materialien verliert. Wir geben die Veröffentlichung in Auszügen wieder und haben sie unten verlinkt.

Betont wird in dem Memorandum eingangs, dass Italiens Keramikhersteller keineswegs ihre Produktion eingestellt haben, anders als man aus Presseberichten folgern konnte: „In fast allen Fällen waren die Stopps in der Produktion auf die wenigen Tage Mitte März mit extrem hohen Gaspreisen beschränkt und zogen keinerlei Einschränkungen in der Versorgung mit Keramiken nach sich.“

Dafür habe man zum einen die Produktion auch unterhalb der Profitabilität aufrecht erhalten, heißt es im Memorandum weiter. Außerdem habe man die „große heimische und internationale Nachfrage“ aus Lagerbeständen bedient.

Nun aber ist zusätzlich zu den Energiekosten auch noch die Verfügbarkeit der Rohstoffe in Frage gestellt: „Der (russische) Einmarsch in die Ukraine hat die Versorgung mit Ton von dort unterbrochen. Das betrifft 25 % aller von der italienischen Keramikindustrie verwendeten Rohstoffe. Die letzten Schiffe, die vor dem Ausbruch des Konflikts im Hafen von Ravenna anlegten, gaben der Branche (nur) für die nächsten Wochen ausreichend Rohstoff.“

Ausführlich wird im Memorandum erörtert, wie die Firmen „nach praktikablen Alternativen“ suchen: „Die italienischen Unternehmen setzen daher alles daran, ihre Lieferketten zu diversifizieren, indem sie sowohl die Bestellmengen bei anderen Lieferanten aus Europa erhöhen als auch nach neuen Quellen in anderen Regionen suchen.“

Allerdings gehe hier in der Praxis die Herausforderung weit darüber hinaus, bloß andere Quellen zu finden: „Um Rohstoffe von woandersverwenden zu können, müssen die keramischen Mischungen verändert werden. Dazu sind die Ingenieure der italienischen Keramikunternehmen durchaus in der Lage…“, heißt es und der Satz geht mit einem Versprechen weiter: „…wobei die Qualität, für die die italienische Keramikprodukte bekannt sind, erhalten bleibt.“

Zusammenfassend heißt es zum Schluss: „Mit diesem Memorandum möchten wir das unbedingte Engagement der italienischen Keramikindustrie bekräftigen, ihre in- und ausländischen Kunden zu versorgen und trotz der gegenwärtigen Schwierigkeiten die Beziehungen zu ihren Partnern zu stärken, die sie in vielen Jahren gemeinsamer Anstrengungen aufgebaut hat.“

Confindustria Ceramica

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(15.04.2022)