Die österreichische Bahngesellschaft ÖBB setzt in ihrem neuen Mobilitätszentrum im Touristenort Lienz den Naturstein Dorfergrün aus der nahen Umgebung als prägendes Material ein

Der Gneis Dorfergrün im neugestalteten ÖBB-„Mobilitätszentrum“ in Lienz, Österreich.

„Eine neue Qualität“ soll der modernisierte Bahnhof im österreichischen Touristenort Lienz haben, verspricht die nationale Bahngesellschaft ÖBB. Dazu gehören nicht nur einige neue Services, die unter dem Namen „Mobilitätszentrum“ zusammengefasst werden. Auch optisch wurde die gesamte Anlage bestehend aus Bahnhofsgebäude, Bahnsteigen sowie einer Gehweg- und Radwegunterführung aufgewertet.

Ein Naturstein aus der Umgebung „prägt das Bild der Unterführung wesentlich“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Die Fotos, die uns die ÖBB zur Verfügung gestellt hat, beweisen das: für eine öffentliche Wegeanlage wirkt die Passage geradezu nobel, und auch die Eingangshalle des Bahnhofs profitiert von der Wertigkeit, die der Naturstein ausstrahlt.

Das Gebäude geht übrigens auf einen Bau aus dem Jahr 1871 zurück.

Der Gneis Dorfergrün im neugestalteten ÖBB-„Mobilitätszentrum“ in Lienz, Österreich.Der Gneis Dorfergrün im neugestalteten ÖBB-„Mobilitätszentrum“ in Lienz, Österreich.

Bei dem Naturstein handelt sich um den Gneis Dorfergrün, der bei Hinterbichl am Eingang des Dorfertals gewonnen wird. Die Entfernung nach dort beträgt circa 30 km, vom CO2-Fußabdruck eine günstige Distanz, ungeachtet der Höhenunterschiede. Die Gegend liegt am Fuß der Bergmassive von Großvenediger (3657 m) und Großglockner (3798 m).

Der Stein besticht mit seiner kräftigen grünen Farbe und den weißen Adern. Er wird seit 1995 auf etwa 1400 m über Meeresniveau abgebaut. In einem um 400 m höher gelegenen Steinbruch weiter aufwärts im Dorfertal wird der dunklere Tauerngrün schon seit den 1960ern gewonnen.

Beide Steinbrüche betreibt die deutsche Firma Lauster Steinbau GmbH mit Sitz in Stuttgart.

Der Bahnhofsvorplatz im Mobilitätszentrum Lienz.Vogelperspektive auf das neu gestaltete Mobilitätszentrum Lienz.

Entstanden ist der Dorfergrün im Zuge einer Gesteinsumwandlung (Metamorphose) aus einem vorherigen Basalt. Vollzogen hat sich der Vorgang vor vielen Millionen Jahren unter einem Meer der Urzeit, wo große Hitze und großer Druck das ursprüngliche Material in ein neues umwandelten. An die Oberfläche kam der Gneis mit der Auffaltung des Tauernfensters, dies wiederum über einen Zeitraum von vielen Millionen Jahren.

Lienz liegt auf etwa 600 m Höhe über dem Meeresspiegel in einer Art von Becken, wo 3 Gebirgstäler zusammenkommen. Einzelne Punkte der Gemeinde erreichen 2000 m über Meeresniveau.

Lauster Steinbau

Lienz

Fotos: ÖBB / Brunner Images

See also:

(21.09.2022)