Peter‘s Corner: Die Krise bei Keramik und Engineered Stone bietet der Natursteinbranche beste Marktchancen, allerdings nur wenn der Kunde besser über das Thema Pflege und Reinigung von Stein informiert wird

Peter Becker, Chefredakteur von Stone-Ideas.com.

Die Lage ist für die Keramikbranche dramatisch. Denn: Die Energiekosten sind um das Zehnfache gestiegen, wie der Präsident des italienischen Verbands Confindustria Ceramica, Giovanni Savorani, bei einer Veranstaltung zur Eröffnung der großen Branchenmesse Cersaie in Bologna im September 2022 sagte.

Dazu kommen gestiegene Preise für das Rohmaterial.

Nach dem aktuellen Stand der Dinge geht nicht nur um Marktanteile, sondern sogar um die Existenz mancher Produzenten: eine Keramik, die nicht bei über 1000 Grad gebrannt ist, hat nicht die besonderen Eigenschaften einer Keramik, und Erdgas (oder Methan) als Energieträger wird deshalb gebraucht, weil man nur mit Kohlenstoff ein reines Weiß etwa für Fliesen oder Waschbecken bekommt.

Engineered Stones oder Quarzkomposite lassen sich genauso nur mit Wärme und zusätzlich noch mit Druck herstellen.

Aufgrund dieser Tatsachen zu hoffen, dass da ein offenes Feld für die Steinbranche wie vom Himmel fällt, wäre naiv. Denn in China, Indien oder Thailand gibt es keine Energiekrise.

Im hochpreisigen Marktsegment ergeben sich nur dann Chancen für die Steinbranche, wenn sie sich die Marketing-Argumente der Konkurrenz zu eigen macht. Die Keramikindustrie hat immer ganz bodenständig argumentiert: ihre Materialien seien völlig problemlos in der Pflege und Reinigung. Das gilt auch für Engineered Stones, die übrigens nie billiger waren als Naturstein.

Die negative öffentliche Meinung zu Pflege und Reinigung von Naturstein ist DIE Schwachstelle der Branche.

Das hatte eine Studie des Deutschen Natursteinverbands (DNV) schon 2018 gezeigt: damals hatte man Architekten befragt, was für sie zugunsten beziehungsweise gegen Naturstein als Bodenbelag sprach. Positiv bewertet wurde in den Antworten besonders die Schönheit des Materials, negativ genannt wurden Preis und Pflege.

Hier muss die Natursteinbranche nacharbeiten und dem Kunden bessere Informationen an die Hand geben. DNV-Präsident Hermann Graser äußerte sich entsprechend auf der Euroroc-Generalversammlung auf der Marmomac.

Der Zeitpunkt ist günstig: im Moment gibt es neben der Energiekrise auch ein verstärktes Kundeninteresse an natürlichen Materialien und an heimischen Sorten.

Die Corona-Pandemie hat außerdem gezeigt, dass der Verbraucher Marmor, Granit & Co als krisenfeste Wertanlage sieht. Steine scheinen in der Wahrnehmung der Bürger wie Edelmetall dazustehen: sie bringen zwar auf kurze Sicht keinen spekulativen Gewinn, aber ihr Wert bleibt sicher und nimmt auf lange Sicht zu, etwa indem eine Immobilie mit Natursteinbad oder -küchenarbeitsplatte sich teurer verkaufen lässt.

DNV-Studie

(10.10.2022)