Natursteinmesse in Fortaleza, Brasilien: endlich mal ein Vortragsprogramm, das über die bloße Präsentation von Firmenprodukten hinausging

Wir zeigen einige der Steine aus ganz Brasilien, die auf der Messe präsentiert wurden. Firma Multigran: Quarzit „Azuli“.Firma Multigran: Quarzit „Sonata Blue“.

Die Referate reichten von speziellen Themen aus Brasiliens Steinbranche über Stein auf dem Friedhof oder in der Stadtplanung bis hin Konflikten mit Mitarbeitern im Steinmetzbetrieb

Unsere Fotos zeigen einige der Steine aus ganz Brasilien, die auf der Messe präsentiert wurden.

Die Fortaleza Brazil Stone Fair (FBSF), die Steinmesse im Norden Brasiliens, erlebte in diesem Jahr ihre 6. Ausgabe (09. – 11. November 2022). Sie hat sich ein erkennbares Profil zugelegt, und dazu gehört auch ein Programm von Vorträgen während der 3 Messetage. Der Unterschied im Vergleich zu vielen anderen Messen ist, dass nicht einfach nur Firmenvertreter am Mikrofon ihre Produkte präsentieren, sondern Fachleute einen Überblick zu bestimmten Themen geben. In Fortaleza reichte die Spannweite von speziellen Aspekten aus Brasiliens Steinexporten über technische oder architektonische Fragen bis hin zu Personalführung in Steinmetzbetrieben.

Wir geben einige der Vorträge in Kurzform wieder und nennen die anderen.

Über die Gegebenheiten für Natursteinexporte aus dem Bundesstaat Ceará referierte Carlos Alberto Alves Nuno von der lokalen Hafengesellschaft Tecer. Etwa 60 km von Fortaleza entfernt ist in Pecém in den letzten Jahren eine moderne Anlage für die Abfertigung von Schiffen mit großem Tiefgang entstanden. Dazu gehört auch eine Freihandelszone, in der sich Firmen ansiedeln sollen, um die Blöcke aus dem Hinterland zu verarbeiten und zum Beispiel nach Norden in die USA oder nach Nordosten nach Nahost oder Europa zu schicken.

Ein Thema in seinem Vortrag waren neue Gerätschäften, mit denen Blöcke von bis zu 45 t in einen Container geladen werden können. Damit lasse sich der Stauraum in den stählernen Boxen besser ausnutzen, dies insbesondere für Blöcke mit Größen außerhalb der Norm, so Alves Nuno: „Wir hatten schon Fälle, wo wir 59 Blöcke in 30 Containern unterbringen konnten – normalerweise hätten wir für jeden Block einen Container gebraucht.“

Firma Quartzblue.

Eine weitere Neuheit in Pecém ist, dass „wir Papierrollen und Steinblöcke verheiratet haben“, so die blumige Beschreibung. Gemeint ist damit, dass man bei Papiertransporten aus Ceará nach China Steinblöcke zulädt, so dass das Schiff tiefer ins Wasser eintaucht und sich besser steuern lässt. Dabei liegen die Steine nicht unten im Laderaum, sondern oben auf den Papierrollen, dies ohne sie zu beschädigen.

Was die Entfernung zu den Märkten im Norden angeht, könne man kurze Wege anbieten, so Alves Nuno: mit regelmäßigen Verbindungen von Pecém etwa nach New York wäre der Hafen dort in 5 Tagen zu erreichen.

Firma <a href="https://santonio.com.br/"target="_blank">Santo Antonio</a>: Quarzit „Gabana“.Firma <a href="https://mineracaolougon.com.br/"target="_blank">Mineração Lougon</a>: Quarzit Exótico „Cosmopolitan“.

Rogério Ribeiro vom Exportverband Centrorochas stellte das Projekt „It’s Natural – Brazilian Natural Stone“ vor. Es wurde mit Finanzmitteln der Apex-Exportförderung ins Leben gerufen und setzt darauf, die Vielfalt und Besonderheit der rund 1200 Steinsorten des Landes als international bekannte Marke zu platzieren.

Solche Sorten sind etwa die exotischen Granite, die wie Gemälde der Natur daherkommen, oder neuerdings auch die Quarzite, bei denen kräftige Farben und Strukturen mit einem gläsernen Unterton verbunden sind.

„Geodiversität“ ist das Schlüsselwort der Kampagne. Ziel ist dabei auch, vom Export von Rohblöcken wegzukommen und höherwertige Endprodukte oder wenigstens Unmaßplatten ans Ausland zu verkaufen. Als neue Zielländer mit Priorität hat Centrorochas – in alphabetischer Reihenfolge – Australien, Indien, Mexiko, Polen und die Vereinigten Arabischen Emirate im Blick (neben den traditionellen Schwerpunkten China, Italien und USA). Auf einer 2. Ebene folgen Deutschland, die Türkei, das Vereinigte Königreich und Vietnam.

Die besondere Herausforderung dabei besteht darin, „dass die Verbraucher im Ausland unsere Steine noch gar nicht kennen“, so Ribeiro nüchtern.

Firma Dois Irmãos: Kalkstein „Pedra Cariri“.

Um Naturstein in der Stadtplanung ging es beim Vortrag von Araciene Pessim, Chefin des Architekturbüros Aquielastone und der Steinfirma Gramobras. Auch im Inland in Brasilien gibt es weiße Flecken im Bewusstsein der Öffentlichkeit um die Verwendung von Naturstein, obwohl etwa zum Beispiel Roberto Burle Marx mit den Schlangenlinien im Pflaster der Copacabana oder Oscar Niemeyer mit den Marmorfassaden der Regierungsbauten in Brasilia weltbekannte Arbeiten vorgelegt haben.

Pessim berichtete von zahlreichen neuen Projekten der Stadtgestaltung etwa aus Salvador, Florianópolis oder Sobral, wo die Städte ihr Erscheinungsbild aufwerten und sich dafür dem Naturstein zuwenden. Wir werden einige der Vorhaben detaillierter vorstellen.

Firma Imarf: Quarzit „Elegance“, gebürstet.Firma Imarf: Quarzit „Elegance“, poliert.

Weitere Vortragsthemen waren:
* Kunst auf den Friedhöfen (Panorama da Arte Tumular): Professor Viviane Comunale, Universität São Paulo,
* Charakterisierung und Zerfall von Stein: von der Gewinnung bis zur Verwendung (Caracterizazão e degradações da Pedra: da Extração à Aplicaçõ): Professor Antonio Gilberto Costa, Universtät Minas Gerais,
* Wechsel von der Fassade zum Schaufenster (Migrar da Fachada para Vitrine): Xisto Medeiros, Veneza Construções e Planejamento,
* Konflikte im Steinmetzbetrieb (Como gerenciar conflitos na marmoraria): Katiane Passos, Nordeste Mármores, Conexão Stones,
* Peter Becker, Stone-Ideas.com: Über die Steinbranche im Jahr 2068 und was die Kreislaufwirtschaft den Steinfirmen an Chancen bietet.

Fortaleza Brazil Stone Fair

See also:

(09.12.2022)