Notre-Dame de Paris löst sich 4 Jahre nach dem Brand Schritt für Schritt von den Stützkonstruktionen

Das Foto zeigt den Druckring in der Mitte des Gewölbes über dem Querschiff. Auf ihm wird der berühmte Vierungsturm La Flèche ruhen. Foto: Patrick Zachmann – Magnum / RNDP

In den Monaten seit Dezember 2022 wurden das 1. Gewölbe und die Unterkonstruktion für den Vierungsturm La Flèche wiederhergestellt

Zwei wichtige Schritte für die Wiederherstellung der Kathedrale Notre-Dame in Paris wurden in den vergangenen Monaten gemacht: im Dezember 2022 wurde das erste der bei dem Brand vom 15. April 2019 eingestürzten Gewölbe wiederhergestellt, und im Februar 2023 wurde eine Unterkonstruktion geschlossen, auf der der Vierungsturm (La Flèche) über dem Kirchenschiff wieder aufgesetzt wird. Im Inneren sind die Säuberungen an den Wänden weitgehend abgeschlossen, und vor der Kathedrale ist ein mobiles Zelt errichtet, in dem die Steinmetze an den Figuren arbeiten.

In der Cité de l’architecture in Paris gibt es bis zum 24. April 2023 eine Ausstellung über das Projekt und viele der Aspekte der Wiederherstellung.

Nach den Planungen soll am 15. April 2024, fünf Jahre nach dem Brand und als Teil der Feierlichkeiten zu den Olympischen Spielen, ein großes Te Deum in der Kathedrale stattfinden. Die endgültige Wiedereröffnung für Besucher ist für den 08. Dezember 2024 vorgesehen.

Die Wiederherstellung des ersten Gewölbes wurde von Jean-Louis Georgelin als „wichtiger Meilenstein“ bezeichnet. Georgelin, ehemaliger Armeegeneral, wurde von Präsident Emmanuel Macron zum Staatsbeauftragten ernannt, und bezieht sich damit auf die symbolische Wirkung, dass das Bauwerk sich langsam wieder von den stabilisierenden Gerüsten befreit und komplett auf eigene Statik übergeht.

Das Foto zeigt den Druckring in der Mitte des Gewölbes über dem Querschiff. Auf ihm wird der berühmte Vierungsturm La Flèche ruhen. Foto: Patrick Zachmann – Magnum / RNDP

Das Foto zeigt den Druckring in der Mitte des Gewölbes über dem Querschiff. Auf ihm wird der berühmte Vierungsturm ruhen. Als er im Flammenmeer zur Seite wegbrach und in die Tiefe stürzte, war für viele Beobachter das Ende der Kathedrale besiegelt.

Seine Name ist La Flèche (Der Pfeil). Er stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde von dem Architekten Eugène Viollet-le-Duc konzipiert. Die filigrane Spitze ist wichtig für die Gesamtwirkung des massigen Gebäudes: Sie stellt den gewaltigen Türmen beiderseits des Haupteingangs ein leichtes aber optisch wirkungsvolles Gegengewicht in der Mitte des Bauwerks gegenüber.

Südfassade mit La Flèche, Blick vom Panthéon.  Foto: Simdaperce / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Die Wiederherstellung soll nach dem Original wieder aus Holz erfolgen. Bei der Höhe von 26 m braucht man dafür besonderes Material: wir haben unten zu 2 Videos verlinkt, in denen der Weg von 8 Eichen aus einem Wald bei Bercé (Sarthe) auf die Baustelle verfolgt wird: die ausgewählten Bäume waren 22 m (7 Stockwerke) hoch und trotzdem außergewöhnlich schlank, weil sie über Jahrhunderte in einem engen Wald heranwuchsen und von den Nachbarbäumen vor dem Wind geschützt wurden. Eine Expertin lobt in dem Video die Qualität des Materials: die Fasern seien über die ganze Länge schnurgerade gewachsen, was dem Holz eine außergewöhnliche Haltbarkeit gebe.

Das folgende Foto zeigt die Verladung dieser gewaltigen Streichhölzer für den Transport in das einzige Sägewerk in Frankreich, das solche Bäume bearbeiten kann.

Das Foto zeigt die Verladung der Eichenstämme für La Flèche.

In einem anderen Video werden Zahlen zum Gesamtverbrauch an Holz genannt: insgesamt wurden 1260 Eichen in Privat-, Gemeinde- oder Staatswäldern gefällt. Alle Beteiligten sahen das Mitmachen an dem Projekt als nationale Aufgabe.

Für den Ersatz der verbrannten Steine beziehungsweise die Wiederherstellung der beschädigten werden etwa 1000 m³ benötigt. Sie stammen aus 9 Brüchen, die aber nicht mehr die originalen Abbaustätten sind. Auch beim Stein wurde nur das beste Material ausgewählt.

In das so genannte Skulpturenatelier unter dem Zeltdach auf dem Vorplatz der Kathedrale sind inzwischen Teams von Steinmetzen eingezogen, die die beschädigten Skulpturen von den Wänden der Kathedrale reparieren beziehungsweise neu schaffen.

Im Inneren ist die Reinigung und gleichzeitige Restaurierung der 42.000 m² Wandflächen weitgehend abgeschlossen. Das gilt für das Hauptschiff und die Seitenschiffe sowie für die 24 Kapellen. Neben den Steinmetzen sind Wandmaler, Schmiede, Tischler und Glasmaler im Einsatz, um nur einige zu nennen. Auch die Orgel wird saniert, ebenso die Marmorintarsien im Boden, obwohl sie nicht beschädigt worden waren.

Schon werden in einzelnen Teilen des gewaltigen Gebäudes die Gerüste abgebaut.

Plakat der Ausstellung. © Médiathèque du patrimoine et de l’architecture / Dist. RMN – Grand Palais

Ausstellung

Noch bis zum 24. April 2023 findet in der Cité de l’architecture et du patrimoine in Paris die Ausstellung „Notre-Dame de Paris. Des bâtisseurs au restaurateurs“ (Notre-Dame de Paris. Von den Baumeistern zu den Restaurateuren) statt. Sie entfaltet ein Tableau mit vielen Aspekten, angefangen von Fragen der Konstruktion und der Bauweise bis hin zu „der Großzügigkeit von 340.000 Spendern aus 150 Ländern… die bereits in der Nacht des Brandes mobilisiert wurden“, wie es auf der Webpage heißt.

Und weiter: „Im Herzen von Paris und in zahlreichen Werkstätten in ganz Frankreich findet ein außergewöhnliches menschliches Abenteuer statt: Gesellen, Handwerker, Architekten, Ingenieure und Forscher sind alle mobilisiert, um das Bauwerk wieder zum Leben zu erwecken. Diese Männer und Frauen reihen sich in die lange Reihe der Baumeister ein, die die Geschichte dieses Weltkulturerbes geprägt haben… Außerdem ist die Ausstellung eine Gelegenheit, die Entwicklung der Techniken kennenzulernen, die auf Baustellen des Kulturerbes eingesetzt werden.“

Wetterhahn von der Turmspitze von Notre-Dame. Foto: Franck Renoir / Cité de l’architecture

Rebâtir Notre-Dame (französisch)

Videos zur Wiederherstellung der Gewölbe (französisch 1, 2)

Ausstellung „Notre-Dame de Paris. Des bâtisseurs au restaurateurs“ (französisch)
 


See also:

(13.03.2023)