Verkehrsberuhigung vom Feinsten: der Schweizer Ort Vercorin bringt mit farbigen Steinbrocken und Asphalt eine bunte und kontrastreiche Mischung statt einem grauen Pflaster auf den Gehweg

En-Dehors: Straßengestaltung in Vercorin, Schweiz.

Der Ruf nach heimischen Materialien führt im Straßenbau meist zu Pflastern mit den üblichen Mustern und Tönen grau in grau. Das ist schon gut so. Dass man man daraus aber sehr viel mehr machen kann, wenn man auch neue Materialien und neue Gestaltungsideen hinzunimmt, beweist der Touristenort Vercorin in der Gemeinde Chalais über dem Schweizer Rhonetal: dort haben die Landschaftsarchitekten graue Pflastersteine, bunte Steinplatten und schwarzen Asphalt auf eine wunderschöne Art und Weise zusammengebracht.

Man kann es auf den Satz bringen: sie haben die Geologie der Gegend in ihrer schönsten Form im Zentrum des Örtchens ausgerollt.

Arnaud Michelet und Romain Legros vom Büro En-Dehors landscape architects haben das Konzept entwickelt: die zentrale Straße im Ortskern blieb zwar asphaltiert und gerade, aber ihr Verlauf wurde vor den Wohnhäusern mit kleinen Halbinseln aus Stein optisch in einen kurvigen Verlauf gezwungen.

En-Dehors: Straßengestaltung in Vercorin, Schweiz. Foto: Baptiste CoulonEn-Dehors: Straßengestaltung in Vercorin, Schweiz. Foto: Baptiste Coulon

Wohlgemerkt: der Effekt ist rein optisch, es gibt auch keinen Niveauunterschied zwischen dem Asphalt und den Steinflächen.

Aber dennoch wurde der Durchgangsverkehr damit verlangsamt. So jedenfalls erste Erfahrungen seit der Fertigstellung 2021.

Denn: die Inselchen vor einigen Häusern sind optisch unübersehbar. Am Rand bestehen sie aus großen Steinplatten, die nicht nur unregelmäßige Formen, sondern auch auffallende Farben in das Gesamtbild einbringen.

Plan der Straßengestaltung (Ausschnitt).

Wahrscheinlich trägt die Farbe wesentlich zum Effekt der Verkehrsberuhigung und ohne Zweifel auch zur Verschönerung bei: da hat sich eine Gemeinde Schmucksteine für ihre Gassen geleistet, möchte man ausrufen.

Wie toll wird das erst bei Regen aussehen!

En-Dehors: Straßengestaltung in Vercorin, Schweiz.En-Dehors: Straßengestaltung in Vercorin, Schweiz.

Dabei sind es nichts als gewöhnliche Sorten (Tonschiefer und Phyllith beziehungsweise Kalkstein und Schiefer), die aus den nahen Steinbrüchen (Saxon/Sapinhaut beziehungsweise Saint-Léonard) stammen.

Jedoch wurden sie einzeln ausgesucht und von Hand zugeschnitten.

„Wir haben großen Respekt vor den Arbeitern in den Steinbrüchen und in der Steinverarbeitung und haben sehr viel von ihnen gelernt“, würdigt Romain Legros in einem Beitrag in der Zeitschrift Hochparterre das Knowhow der Steinleute vor Ort. Es bezieht sich auf die farbigen Adern, die in diesen Sorten sehr unkontrolliert verlaufen und die nur die Kenner der Materie in großen Stücken aus dem Fels herausholen können.

En-Dehors: Straßengestaltung in Vercorin, Schweiz.En-Dehors: Straßengestaltung in Vercorin, Schweiz. Foto: Baptiste Coulon

Auch die Straßenbauer steuerten ihr Wissen bei: unter den Steinblöcken liegt eine Fundamentschicht von 60 cm, um Setzungen vorzubeugen. Die Steine haben eine Dicke von 25 cm, und ihre Verankerung erfolgte mit einem 10 cm dicken, mit Drahtmatten verstärkten Verlegemörtel.

Die Oberflächen der großen Steinplatten blieben so, wie sie beim Spalten im Steinbruch entstanden.

Jedoch wurden sie so ausgewählt, dass sie den Weg der Fußgänger, Radler und Autofahrer nicht behindern würden. Fast 200 einzelne Brocken mit einer Länge zwischen 80 und 180 cm wurden verlegt.

En-Dehors: Straßengestaltung in Vercorin, Schweiz. Foto: Baptiste Coulon

Nach Fertigstellung animieren die Steinbrocken die Passanten auch zum Rätselspiel: denn teils verlängern sie Linien aus den Hausfassaden auf die Straße, teils sind sie wie Spiegelungen einzelner Brocken in einer Hauswand.

Nach dem 1. Bauabschnitt, der rund 1 Million Schweizer Franken gekostet hat, erfolgt bis 2027 der 2. Bauabschnitt auf angrenzenden Straßen und einem Platz. Für ihn ist dieselbe Summe veranschlagt.

En-Dehors

Epazium (französisch)

Fotos: En-Dehors / Baptiste Coulon

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(22.01.2023)