Sal Orlando setzt seine kleinen Steinfiguren gerne aus farbigen Steinen mit kräftigen Adern zusammen

Sal Orlando: „Snail’s Pace“.

Der kalifornische Künstler bewegt sich auf einem für Bildhauer ungewöhnlichen Weg

Sal Orlando geht als Bildhauer einen anderen Weg als die meisten Künstlergenossen: Er fügt die meisten seiner Werke aus Steinstücken zusammen, addiert also einzelne Elemente zu einem Ganzen, anders als die übliche Arbeitsweise, bei der eine Form aus einem vorhanden Rohstück herausgearbeitet wird. Zusammen mit den vielfältigen Farben und Strukturen der vielen Steinsorten eröffnet ihm das eine ungeheure Palette an Gestaltungsmöglichkeiten, zusätzlich zu der jeweiligen Form, die er bei seiner Arbeit entstehen lässt.

Ist unser Eindruck korrekt, dass sich mehr und mehr Künstler auf diesem Terrain bewegen? Ist der Grund dafür, dass immer mehr Steine mit bunten Farben und exotischen Strukturen auf den Märkten auftauchen? Wir reden hier von den Onyxen und Marmoren aus dem Iran, der Türkei und China. Andere Sorten mit ähnlicher Wirkung, zum Beispiel wie die Granite und neuerdings Quarzite aus Brasilien, eigenen sich wohl weniger dafür, weil sie extrem hart sind.

Sal Orlando: „Underwater Scene“.

Sal Orlandos Arbeiten basieren wesentlich auf dem Effekt, dass er etwas mit den Steinen macht, das man ihnen nicht zugetraut hätte. Das schönste Beispiel ist der Clownfish, bekannt aus dem Kinofilm: das Rot kommt von einer Alabastersorte aus dem US-Bundesstaat Utah, das Weiß liefert ein Marmor aus der Türkei. Für die schwarzen Linien ist ein Harz hinzugefügt. Eine Politur lässt das Objekt leuchten, so wie es bei dem Fischchen in seinem Lebensraum im Riff ist.

Typisch auch für die anderen Tierchen oder die steinernen Blüten ist, dass sie mühelos daherkommen: wie ihre Vorbilder in der Natur scheinen sie wie von selbst entstanden zu sein – was bei den Originalen oft dazu führt, dass die Menschen sie wenig respektieren.

Sal Orlando: „Butterflawed“.Sal Orlando: „Calla Lilith“.

Bei einigen der Objekte von Sal Orlando aber kann man die Arbeit ahnen, die in ihnen steckt, etwa bei den Schmetterlingen mit dem feinen Stahlgerüst.

Gerne erweitert er die Möglichkeiten des Steins durch Technik, zum Beispiel künstliches Licht: „Ich spiele auch gerne mit Beleuchtung, indem ich dem Stein von innen heraus Licht gebe, so dass er nachts, wenn die anderen Kunstwerke zum Schlafen gehen, zum Leben erwacht“, antwortet er in einer Mail auf unsere Fragen.

Auch anderswo bedient er sich technischer Hilfe: die Flossen beim Clownfish sind mit Magneten angesetzt, wie er in einem Video auf der Webpage verrät: anders könnte er das Objekt kaum versenden.

Wichtig ist ihm auch, dass die Betrachter seine Skulpturen anfassen können. Seine Objekte hätten eine optische und eine taktile Komponente, schreibt er.

Sal Orlando: „Emergence“.

Sal Orlando ist ein typischer Quereinsteiger, dem das notwendige Können den Weg in die Kunst zunächst verstellte. Das kreative Schaffen habe ihn zwar immer fasziniert, aber „Ich tue mich schwer mit dem Zeichnen und Skizzieren und bin in dieser Hinsicht nicht besonders begabt“, heißt es in einer Randbemerkung in einer Mail.

So kam er nur durch Zufall und dann über weite Wege zu seinem künstlerischen Werdegang: bei einem Spaziergang an Strand von Catalina Island vor der Küste von Kalifornien habe er mal ein Stück Stein aufgehoben, und es nachher mit dem Taschenmesser geformt. Es war Speckstein, und der machte ihm dieses gestalterische Tun leicht.

Während der folgenden Tätigkeiten im Krankenhaus und im Immobiliengeschäft verlor aber er die Kreativität nie aus den Augen.

Sal Orlando: „Feminine Wile“.

Dann nahm er am California Sculptors Symposium teil, wo es einwöchige Kurse für Anfänger bis Könner gibt. „Ich habe keine formale Ausbildung in der Kunst. Ich habe es mir größtenteils selbst beigebracht, durch Versuch und Irrtum“, schreibt er ohne Zorn über die Mühe, die ihm abverlangt wurde.

Heute braucht er das Skizzieren nicht mehr, denn er fertigt seine Objekte ganz ohne Entwürfe oder Modelle, und bezeichnet sich deshalb als „direkten Bildhauer“.

Im Moment scheint er mit einer anderen Sache zu tun zu haben, denn das Verkaufen ist auch nicht sein Ding: „Meine Kunst füllt mein Haus und ich habe nicht viel Platz für mehr, haha“, lacht er per Mail. Er brauche jemand fürs Verkaufen, fügt er hinzu.

Sal Orlando

Sal Orlando.

(31.01.2024)