Raffaello Galiotto und Margraf: Kollektion „Frammenti“ (Fragmente) 2024

„Peloponneso“, Quarzit Polaris Gold (Brasilien), 225 x 63,5 x 50 cm.„Peloponneso“, Quarzit Polaris Gold (Brasilien), 225 x 63,5 x 50 cm.

Ausgehend von antiken Ruinen lässt der Designer zusammen mit der Firma neue Formen entstehen, wie es sie bisher in Naturstein nicht gab

Auf den ersten Blick schien es uns auf der Messe Salone del Mobile 2024, als hätte Raffaello Galiotto in seiner neuen Kollektion „Frammenti“ den Klimawandel zum Thema gemacht: selbst die Steine schmelzen angesichts der steigenden Durchschnittstemperaturen, könnte man als Aussage sehen. Aber Galiotto, Vordenker jener Kreativen, die die Möglichkeiten von CNC und Seilsägen bei der Arbeit mit Naturstein ausloten, lässt sich kaum von aktuellen politischen Themen zu etwas anstiften. Ihm geht es eher um die ganz weit gespannten Bögen in Kunst und Kultur.

So war diesmal der Ausgangspunkt seiner Überlegungen die Antike. Er findet dort plastische Formen, die in unserer Architektur noch heute wichtige Rollen spielen: etwa die Säule mit den Kanneluren oder die Kapitelle der Tempel.

Aber statt nun angesichts des Vergangenen und teilweise Verlorenen je nach aktueller Stimmung in Bewunderung oder in Melancholie zu verfallen, formt Galiotto seinerseits die klassischen Formen um – und lässt sie fließen, als hätte ein Riese eine Säule verdreht oder das Kapitell auseinandergezogen, oder als wären Teile einer Säule weich geworden und ausgelaufen.

„Palladio“, Marmor Fior di Pesco Carnico® (Italien), 310 x 115 x 76 cm.„Palladio“, Marmor Fior di Pesco Carnico® (Italien), 310 x 115 x 76 cm.

„Frammenti“ (Fragmente) nennt er die Kollektion und öffnet damit ein weites Feld fürs Nachdenken. Zum Beispiel: sind die fließenden Übergänge zwischen den festen Teilen einer Skulptur und den aufgelösten Formen eigentlich die Schwachpunkte solch eines Objekts oder gerade seine Stärken, weil sie neue Entdeckungen im Umgang mit dem Millionen Jahre alten Material eröffnen? Was eigentlich ist das Kennzeichen der Natursteine: ihre extreme Haltbarkeit oder gerade die Tatsache, dass man mit den geeigneten Werkzeugen mit ihnen so unendliche Möglichkeiten hat?

Im Jahr 2009 hatte Galiotto schon einmal ähnliche Fragestellungen aufgeworfen, als er, ausgehend von der Renaissance-Architektur von Andrea Palladio, Objekte für einen fiktiven Palast des Dogen von Venedig erfand. Das war damals in Kooperation mit dem Steinverband im Chiampotal (Consorzio Marmisti Chiampo) geschehen und die Ergebnisse waren auf der Messe Marmomacc gezeigt worden.

Der Chiampo-Verband ist leider inzwischen in der Versenkung verschwunden, aber Galiotto arbeitet schon eine ganze Weile mit der Firma Margraf aus dem Chiampotal zusammen. Margraf hat die exklusiven Steine für Frammenti zur Verfügung gestellt und bearbeitet. Die Firma betreibt ein eigenes „Innovation-Lab“, wo neue Oberflächen und mehr entwickelt werden.

„Corinthio“, Marble Notre Dame (Vietnam), 135 x 91,5 x 190 cm.„Corinthio“, Marmor Notre Dame (Vietnam), 135 x 91,5 x 190 cm.

Die Steine sind der Quarzit Polaris Gold aus Brasilien sowie die Marmore Fior di Pesco Carnico® aus Italien und Notre Dame aus Vietnam. Ihre Adern geben den Objekten eine ganz spezielle dramatische Wirkung. Dazu passt der Slogan von Margraf: „It’s in Our Veins“ (Wir haben’s in unseren Adern).

Raffaello Galiotto

Margraf

Fotos: Margraf

Raffaello Galiotto, Margraf: „Frammenti“.

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(05.07.2024)