Die EU will mit ihrem „Green Deal“ die Wirtschaft nachhaltig und gleichzeitig im weltweiten Vergleich stärker machen. Wandmalerei in Mailand.

Es geht um eine Darstellung der Firmenpolitik in Sachen Umwelt und Soziales

Nachhaltigkeitsberichte (Sustainability Reports) sind ein Thema, das auch auf die kleinen und mittelgroßen Unternehmen der Steinbranche zukommen wird. Nicht, dass sie selber solche Bestandsaufnahmen ihres Wirtschaftens hinsichtlich Umweltauswirkungen oder Umgang mit den Mitarbeitern zu erstellen haben. Aber wer als Zulieferer etwa für große Baufirmen agiert, wird ihnen mitsamt seinen Steinlieferungen schon bald solche Informationen liefern müssen.

Grund für unsere Berichterstattung ist, dass von 2026 an der Kreis der Firmen in der EU mit einer solchen Berichtspflicht ausgeweitet wird. Rechtliche Grundlage ist die Direktive zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (Corporate Sustainability Reporting Directive, CSRD).

Vereinfacht ausgedrückt, betrifft sie aber nur die wirklich Großen unter den Firmen. Nach Schätzungen beläuft sich deren Zahl EU-weit über alle Branchen auf maximal 50.000 Unternehmen.

Weil aber indirekte Rückwirkungen auch auf die kleinen und mittelgroßen Betriebe zu erwarten sind, behandeln wir das Thema hier.

Denn die Großen werden Angaben zur Nachhaltigkeit von ihren Zulieferern verlangen. Fachleute sprechen vom Trickle-Down-Effect (Durchsickerungseffekt).

Und: Auch für Finanzfirmen gilt, dass sie für die Vergabe von Krediten solche Berichte Angaben von den Kreditnehmern brauchen.

Die beste Vorstellung bekommt man, wenn man solche Berichte durchblättert, wie es sie schon von großen Unternehmen gibt (siehe Links unten).

Im Fall von börsennotierten Unternehmen umfassen die Berichte üblicherweise:
* Ein Mission-Statement der Chefebene mit Blick auf Umwelt und Soziales;
* vertiefte Darstellungen zum Beispiel zu CO2-Emissionen im Geschäftsbetrieb, Ressourcenmanagement (Wasser, Abfallmanagement, Rohmaterial), Artenvielfalt auf dem Firmengelände;
* Ausführungen zu den Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter oder Frauen- und Behindertenanteil an der Belegschaft;
* Engagement der Firma am Standort.

Aussagen zu den Menschenrechten am Arbeitsplatz werden vor allem von Lieferanten nach Nordamerika und Europa erwartet.

Man sieht: Es geht um die ganze Lieferkette. Soweit möglich, sollen die Aussagen mit Zahlen unterlegt sein. Die kann man den Umwelt-Produktdeklarationen (Environmental Product Declaration) für die jeweiligen Steine (EPDs) entnehmen.

Besonders wichtig im Nachhaltigkeitsbericht ist, dass ein Ausblick auf Ziele für die kommenden Jahre und den Weg dorthin gegeben wird.

Was tun?

Die meisten Angaben findet man einfach im Betriebsalltag, indem man alle Vorgänge auf ihre ökologische oder soziale Bedeutung hin überprüft: Jede neue Maschine, die angeschafft wird, hat heutzutage einen Energiespar-Effekt…

Diese Beobachtungen kann man mit Stichworten festhalten. Damit entsteht wie beiläufig eine Datensammlung, aus der man bei Bedarf einen Bericht erstellen kann.

Mit solch einer Selbstdarstellung zu den eigenen Standards in Sachen Umwelt und Soziales kann sich ein Unternehmen dann schmücken.

Hintergrund der Nachhaltigkeitsberichte und nun der Ausweitung auf mehr Firmen ist der „Green Deal“ der EU. Sein Ziel ist, die Wirtschaft bis 2050 klimaneutral zu machen und sie gleichzeitig wettbewerbsfähig zu halten.

Die Umsetzungsstrategie hatten wir schon in unserem Bericht über die „Taxonomie“ beschrieben: Nur die oberste Ebene der Wirtschaft, also die großen Firmen, bekommen gesetzliche Vorgaben, die sie zu erfüllen haben. Von ihnen aber sollen Impulse an die Zulieferer im In- und Ausland gehen.

Franken-Schotter

Franchi Umberto Marmi, Italien, börsennotiert

Margraf

Cosentino, Spanien, vor allem Engineered Stones

Polycor, Naturstein, Kanada: hat am Fuß seiner Webpage Berichte zu einzelnen Aspekten, etwa Moderne Sklaverei: Sustainable Minds Transparency Catalog

Mitarbeiter des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung haben für die Bertelsmann Stiftung das Thema in der Studie „Nachhaltigkeit im Mittelstand – Die CSRD als Chance oder Herausforderung?“ detailliert behandelt. Kostenloser Download

See also:

(16.09.2024)