Architekt Prasanna Baburao Morey vom Büro PMA madhushala: Projekt „Padvi“.  Architekt Prasanna Baburao Morey vom Büro PMA madhushala: Projekt „Padvi“.  Architekt Prasanna Baburao Morey vom Büro PMA madhushala: Projekt „Padvi“.

Ziel der Auftraggeber war, unter den klimatischen Gegebenheiten in Indien abgegrenzte und trotzdem offene Räume für eine vielfältige Nutzung zu schaffen

Höhlen in einem Hang waren das Vorbild für das Projekt „Padvi“ in Baramati im indischen Bundesstaat Maharashtra. Die Auftraggeber sind sozial sehr engagiert, unterstützen zum Beispiel Wanderarbeiter und geben deren Kindern Möglichkeiten zum Lernen. Gemeinschaftswohnen spielt in ihren Vorstellungen eine wichtige Rolle, gemeint als Möglichkeit, sich den Alltag zu teilen und sich dabei gegenseitig zu unterstützen. Der Architekt Prasanna Baburao Morey vom Büro PMA madhushala ließ sich auf die Vorstellungen der Auftraggeber ein – wann bekommt ein Architekt schon mal die Möglichkeit, dass mit seinem Bauen die Welt verändert werden soll?

Das Projekt wurde 2023 mit einem der All India Stone Architectural Award (AISAA) ausgezeichnet.

Die Höhlen, auf dem dritten Foto oben zu sehen, waren bei „Padvi“ die Inspiration für die Auftraggeber. „Padvi“ ist das indische Wort für das karge und einfache Leben der Menschen im Hinterland Indiens.

Das zweite Foto zeigt – in einem Zwischenzustand -, was der Architekt daraus gemacht hat: Es handelt sich um mehrere rechteckige Gebäude mit großen Fenstern, die auf mehreren Ebenen an einem Hang aufsteigen. Sie sind in das Gelände eingebettet, jedoch nicht wie Höhlen in den Berg eingegraben.

Das dritte Foto zeigt den Endzustand: Die einzelnen Gebäude sind unter Dächern verschwunden, die Treppe verbirgt sich unter Sonnenschutz. An der Mauer ganz vorne befindet sich ein Becken, das mit Wasser volllaufen soll und später in unserem Bericht noch eine Rolle spielen wird.

Architekt Prasanna Baburao Morey vom Büro PMA madhushala: Projekt „Padvi“.

Der Plan zeigt die Verteilung der Räume.

Architekt Prasanna Baburao Morey vom Büro PMA madhushala: Projekt „Padvi“.  Architekt Prasanna Baburao Morey vom Büro PMA madhushala: Projekt „Padvi“.  Architekt Prasanna Baburao Morey vom Büro PMA madhushala: Projekt „Padvi“.

Von der zentralen Treppe aus erschließen sich die Schlafräume, auch die gemeinsame Küche und eine Art von Dorfplatz, der ebenfalls treppenförmig angelegt ist.

Architekt Prasanna Baburao Morey vom Büro PMA madhushala: Projekt „Padvi“.

Er ist der Ort zum gemeinsamen Essen. Hier sollen die Bewohner und Gäste auch zusammenkommen, um zu lernen, politische Debatten zu führen oder künstlerischen Aufführungen beizuwohnen.

Architekt Prasanna Baburao Morey vom Büro PMA madhushala: Projekt „Padvi“.

Langfristig soll auch eine Bibliothek einen Platz in der Anlage finden.

Nachhaltigkeit war in vielerlei Hinsicht das Thema der Auftraggeber und des Architekten.

Architekt Prasanna Baburao Morey vom Büro PMA madhushala: Projekt „Padvi“.

Der Teich zum Beispiel, am Fuß des Terrains hinter der Grundstücksmauer, soll eine natürliche Kühlung bewirken, wenn der Wind über das Wasser streicht, bevor er durch die Anlage hangaufwärts weht. Das Wasser stammt aus saisonalen Regenfällen und wird von der Bergkuppe unter den Treppen in den Teich geleitet.

Durch die Überdachung ist dafür gesorgt, dass die Räume im Schatten liegen, und dennoch hinreichend Helligkeit in das Ensemble fallen kann.

Architekt Prasanna Baburao Morey vom Büro PMA madhushala: Projekt „Padvi“.  Architekt Prasanna Baburao Morey vom Büro PMA madhushala: Projekt „Padvi“.  Architekt Prasanna Baburao Morey vom Büro PMA madhushala: Projekt „Padvi“.

Die Betondecken über den Schlafzimmern bieten private Flächen.

Natürliche Kühlung entsteht auch durch die thermische Trägheit der dicken Natursteinmauern. Sie bewahren die Kühle der Nacht für den Tag.

Der verwendete Naturstein ist Basalt. Dass dieser Stein gewählt wurde, hängt wieder mit dem politischen Anspruch der Auftraggeber zusammen: Sie wollten das spezielle Knowhow zum Bauen mit Naturstein erhalten und dafür eine Nachfrage schaffen.

Offenbar hat das funktioniert: Manche der Arbeiter lernten das Handwerk erst in dem Padvi-Projekt – und haben nach der Fertigstellung daraus gleich ein Geschäftsmodell für sich gemacht.

Architekt Prasanna Baburao Morey vom Büro PMA madhushala: Projekt „Padvi“.  Architekt Prasanna Baburao Morey vom Büro PMA madhushala: Projekt „Padvi“.

Dabei beschränkte sich ihr Arbeiten nicht auf das passgerechte Zurechthämmern der Steine für die Trockenmauern. Zahlreiche Objekte für den Alltag seien geschaffen worden, schreibt der Architekt, und zeigt das Foto eines Waschbeckens aus Stein in moderner Form mitsamt Seifenspender.

Für die tragenden Mauern wurde teils Stein aufgearbeitet, der auf einer Baustelle nicht weit entfernt als Abfall übrig geblieben war.

Der Verbrauch von Ressourcen wurde auch dadurch reduziert, dass zum Beispiel für die Fensterrahmen recyceltes Teakholz zum Einsatz kam. Auf den Böden findet man IPS (Indian Patent Stone) als Belag. Man kann das Material mit Terrazzo vergleichen.

PMA madhushala

Fotos: Hemant Patil photography

Architekt Prasanna Baburao Morey vom Büro PMA madhushala.

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(16.12.2024)