Screenshot aus dem Video.„Interlocking Stone House“ von Play Architecture.

„Stone Insight“: Gewinnung von Werkstein-Platten mit Hitze

„Chapdi“ ist das Zauberwort bei diesem Haus in massiver Natursteinbauweise im südindischen Bundesstaat Karnataka. Das Wort bedeutet in der lokalen Umgangssprache Steinplatte und benennt in diesem Fall eine Konstruktion, bei der Granitplatten mit den Maßen 3650 x 750 x 100/125 mm nebeneinandergestellt die Wände bilden und obendrauf ein begehbares Flachdach ebenfalls aus Steinplatten liegt.

Chapdis werden in Karnataka seit langen Zeiten für viele Zwecke verwendet, etwa für Bürgersteige oder um Wasserrinnen anzulegen – die Idee aber, mit ihnen ein ganzes Haus zu errichten, stammt von dem Architekten Senthil Kumar Doss und seinem Büro Play Architecture.

Wobei die Herstellung dieser Platten wiederum ein ganz besonderes Thema ist, das wir in einem separaten Text aus unserer Reihe „Stone Insight“ behandeln: Die Platten werden nämlich im Steinbruch durch die Hitze kleiner Feuer vom Fels gelöst. Das Verfahren ist uralt, braucht aber besonderes Know-how.

Bei dem „Interlocking Stone House“ (Haus mit verbundenen Steinen, OHHO Residence), um das es hier geht, bestehen die Wände nur aus Granitplatten und -pfeilern. Die erste Herausforderung besteht darin, sie im Boden zu verankern. Dazu werden die Pfeiler in eine Art von Steinkästen im Boden gestellt. Um sie an Ort und Stelle zu halten, werden die Kästen mit Findlingen gefüllt. Ein Video zeigt die Details.

Die Wände werden zwischen den Pfeilern platziert und greifen mit einem Verbundsystem ineinander. Damit sie aufgrund ihres großen Gewichts nicht im Boden einsinken, stehen sie wiederum auf 30 cm breiten Steinen.

Es gibt zwei Arten von Pfeilern, je nachdem, ob an ihnen zwei oder vier Platten zusammenkommen.

Das Dach besteht aus steinernen Balken und wiederum Platten. Die Balken messen 3650 x 200 x 100 mm.

Ein Estrich von 25 mm Dicke sorgt dafür, dass kein Regenwasser nach unten durchdringt. Auf dem Estrich liegt eine Schicht mit 10 cm Ziegelbruch und Kalkschüttung. Als Letztes kommen weiße Keramikfliesen, die die Wärmeeinstrahlung der Sonne reflektieren.

Das Dach ist über eine Steintreppe erreichbar und kann als Garten begrünt und benutzt werden.

„Interlocking Stone House“ von Play Architecture. 
„Interlocking Stone House“ von Play Architecture.

Das Gebäude hat eine Grundfläche von 36‘ x 36‘ (9,1 m x 9,1 m). Diese ist nach traditioneller indischer Bauweise in 9 Quadratflächen aufgeteilt, in deren Mitte ein Innenhof mit Garten liegt.

Das Haus liegt auf einem Grundstück mit 4000 SqFt (~ 360 m²) Gesamtfläche. Die Gegend am Rand der Hauptstadt Bangalore wird als „malerisch“ beschrieben. Sie grenzt an den nationalen Zoo.

„Interlocking Stone House“ von Play Architecture.

Auf der Rückseite des Gebäudes gibt es einen Teich, der das Regenwasser sammelt und in das Becken der Gemeinde weiterleitet. Hier bestehen die Außenwände rund um das Grundstück aus Gabionen, die einen Luftzug durch das Gelände fördern. Sie sind mit Bruchmaterial vom Bau befüllt.

Das Projekt wurde mit dem „Best Use of Stone Award“ beim World Architecture Festival 2024 ausgezeichnet. Den Preis hatte der türkische Steinverband IMIB gesponsort.

Play Architecture

Fotos: Play Architecture

„Interlocking Stone House“ von Play Architecture.„Interlocking Stone House“ von Play Architecture.„Interlocking Stone House“ von Play Architecture.„Interlocking Stone House“ von Play Architecture.„Interlocking Stone House“ von Play Architecture.„Interlocking Stone House“ von Play Architecture.Das Projekt wurde auf dem World Architecture Festival 2024 mit dem „Best Use of Stone Award“ ausgezeichnet. Unser Foto zeigt von links nach rechts Periyasamy P (Projektarchitekt), Vivek Marimuthu (Bauherr) und Senthil Kumar Doss (Play Architecture) bei der Zeremonie.