Experiment mit Feuer zur Gewinnung von extrem schwer zu spaltendem Hornstein in Nordnorwegen. Archäologische Untersuchungen lassen vermuten, dass bereits in der Steinzeit sehr kleine, gegeneinander gelegte Feuer verwendet wurden, um Risse zu erzeugen und so Platten aus dem Gestein zu lösen. Der Hornstein wurde zur Herstellung kleiner Werkzeuge verwendet. Die Methode funktioniert auch heute noch. Fotos von Per Storemyr

In unserem Hauptartikel über das „Interlocking Stone House“ haben wir eine innovative Idee aus Indien für das Massivbauen mit Stein beschrieben. Die Steinplatten dafür wurden mit Hitze aus dem Fels gelöst. Per Storemyr, Geoarchäologe aus Norwegen, hat uns auf zwei Quellen hingewiesen, die wir unten ausgewertet haben. Er selbst hat für das Alte Ägypten die Methoden der Steingewinnung detailliert behandelt und in Norwegen Versuche zu dem Thema gemacht (Verlinkung siehe unten).

Im Wissenschaftsmagazin „Nature“ (January 17, 1895), stellt H. Warth lakonisch fest: „In Bangalore, in Südindien, ist die Gewinnung von Granitplatten mithilfe von Holzfeuer zu einer solchen Perfektion gebracht worden, dass es Zeit für einen Bericht ist.“ Er nennt zum Beispiel den Fall einer mit Hitze gewonnenen Steinplatte mit einer Maximallänge von 60 ft (18 m) und einer Maximalbreite von 40 ft (12 m) und erwähnt, dass deren Dicke über den größten Teil der Platte nur um einen Zoll (2,54 cm) variierte.

In „Mining History“ (Volume 13, No 1, Summer 1996) beschreibt Paul T. Maddock detailliert diese Steinbruch-Technik, die er 15 km nördlich von Bangalore beobachten konnte:
* Steinbruchzonen mit vielen Rissen lassen sich nicht kontrolliert mit Hitze brechen. Spezialisten treffen eine Auswahl.
* Dann wird mit einem stumpfen Meißel ein kleines Loch in den Stein getrieben. Meist beträgt die Tiefe um die acht Zentimeter. Am Ende bleibt der Meißel eingekeilt stecken.
* Dann wird über dem Loch mit dem Meißel ein kleines Feuerchen mit langsam brennenden Zweigen angefacht. Die Arbeiter regulieren den Brand penibel und nehmen das Feuer immer wieder weg, um das Loch von Asche zu befreien, damit die Hitze optimal ins Gestein eindringen kann.
* Das führt zu den Rissen.
* Das Feuer wird in Etappen in einer Richtung verlängert. Dass und wie die Risse im Gestein untendrunter mitwandern, lässt sich indirekt von oben verfolgen, indem die Spezialisten mit Hämmern leicht auf das Gestein schlagen und anhand der Vibration spüren, was unten vor sich geht. Hilfreich kann auch der Klang der Hammerschläge sein. Der Autor gibt einem solchen Klang die Beschreibung „Hohler Ring“.
* Zuletzt wird die gesamte Platte von den Seiten her mit Holzkeilen vom Untergrund gelöst.

Als beste Zeit für das Hitzebrechen nennt der Autor den frühen Morgen oder späten Nachmittag. Die Zeit des Monsuns sei besonders geeignet, weil sich dann die Risse erst tief im Stein bilden und so dickere Platten möglich werden.

Er hebt hervor, dass man diese Art des Hitzebrechens nicht mit dem bekannten Aufsprengen von Stein verwechseln dürfe, wie man es im Mittelalter in den Gruben für Silber und Gold praktizierte. Damals wollte man nicht Werksteine für die Weiterverwendung gewinnen, sondern den Fels in kleine Brocken zerlegen, sodass man ihn in die Verhüttung geben und so die wertvollen Minerale herauslösen konnte.

Abschließend nochmal ein Zitat aus „Nature“ aus dem Jahr 1895: „Diese (Stein-)Streifen und Platten sind so leicht zu gewinnen, dass man häufig Palisaden aus ihnen als Mauern sieht, und sie auch als Pfosten für Hütten, für Telegrafenstangen und für Geländer und Pfosten in Gärten verwendet werden.“

Merkmal dieser Art des Steinabbaus ist, dass es dafür Steinmetze mit besonderem Know-how braucht. Das reicht von der Beurteilung der Risse im Ausgangsstein bis zum Verfolgen des Riss-Wachstums unter dem Feuer.

Auch heute sind von anderswo besondere Fähigkeiten von Steinbrucharbeitern bekannt, etwa das Erkennen von Rissen im Rohblock anhand des Klangs. Sie basieren auf jahrelanger Erfahrung und haben nichts mit Mystik zu tun.

Per Storemyr (1, 2, 3)