Beispiel für ein künstliches Riff in North Carolina, USA. Die Überreste eines gesunkenen Schiffes bildeten hier einen Lebensraum in 16 Metern Tiefe. Bildquelle: RestReef

„RestReef“ heißt ein Forschungsprojekt der EU, das sich künstlichen Strukturen für die Ansiedlung dieser marinen Lebensgemeinschaften widmet. Beteiligt sind das spanische Ct Mármol, ein Technikzentrum für die Steinbranche dort, die portugiesische Taucherinitiative Justdive und die Universität von Dubrovik in Kroatien. Die Federführung hat die Universität von Porto. Da muss man die Frage stellen: Was haben diese Institutionen mit der Wiederherstellung von Riffen zu tun, die, so glaubten wir bisher, ein Phänomen der tropischen Meere sind?

Aber es gibt auch Riffe im Atlantik und im Mittelmeer. Zum Beispiel zieht sich ein Band von Gibraltar bis zu den Lofoten vor Nordnorwegen. Dort haben sich die Tiere an die niedrigen Wassertemperaturen angepasst.

Eine Sensation war vor einigen Jahren, als Wissenschaftler lebende Riffe vor Süditalien feststellen. Zuvor hatte man nur tote Strukturen aus großer Vergangenheit gekannt. Von diesen war übrigens ehemals die Besiedlung der Nordsee ausgegangen.

Anders aber als etwa im berühmten Barrier Riff oder im Golf von Mexiko, haben die Korallen des Nordens weniger leuchtende Farben und wachsen nur sehr langsam.

Unglaublich aber wahr: Manche haben abenteurliche Anpassungen an mehr als 100 m Tiefe entwickelt, wo kaum noch Licht von der Oberfläche ankommt. Auch dort noch funktioniert die Symbiose ihrer Polypen mit Algen (Zooxanthellen), als deren Ergebnis die Polypen gelösten Kalk aus dem Wasser herausziehen und in Form von Riffen ablagern.

Icon von RestReef.

Als Besonderheit des Nordens bekannt ist die Rote Koralle, aus deren fächerförmigen Strukturen Schmuckstücke hergestellt werden.

Hier wie dort sind diese Strukturen bedroht. Das Meer an der Küste ist verdreckt, trägt mancherorts große Düngerfrachten, und der Klimawandel erhöht die Wassertemperaturen.

Überall auf der Welt wurden schon Konzepte entwickelt, den riffbildenden Tieren mit künstlichen Strukturen unter die Arme zu greifen. Das können Steinbrocken sein, die in Küstennähe auf dem Meeresboden liegen und auf denen sich die Polypen festsetzen können. Am besten, wenn deren Außenhaut Unebenheiten, Brüche und Risse zeigt.

Noch mehr spricht für Naturstein zweiter Wahl als Riffmaterial: Sein ökologischer Fußabdruck ist minimal, denn, anders als etwa Elemente aus Beton, muss er nicht produziert werden. Außerdem liegt er in praktisch unbegrenzter Menge vor, nämlich als Abfall in jedem Steinbruch und als Bruch vor jeder Felswand.

Ökologischen Sinn macht das Ganze aber nur, wenn der Stein auch aus Küstennähe stammt.

Wie üblich bei solchen Projekten mit Förderung aus Brüssel, muss das Vorhaben mehr bringen: Erstens müssen verschiedene Länder aus der EU beteiligt sein, dies um den Gedanken der Gemeinschaft zu leben.

Zweitens soll eine Wirtschaftsförderung erreicht werden: Das geschieht hier, indem im Kern des Projekts Lernmodule über den künstlichen Aufbau von Riffen stehen, sodass interessierte Personen eine Qualifizierung erreichen können. Daraus sollen Arbeitsplätze entstehen, hier nicht nur im Meeresschutz, sondern auch im Tourismus.

Die Idee, Felsen vor der Küste zu platzieren, ist nicht neu. Greenpeace hatte vor der deutschen Ostseeküste und vor der britischen Nordseeküste schon Steine ins Meer werfen lassen, dies auch mit dem Ziel, die Schleppnetzfischerei zu stoppen.

Vor einigen Jahren war diskutiert worden, ob man mit Steinbrocken in bestimmten Größen Offshore-Windparks stabilisieren könnte.

New York City hat ein Programm, um in fünf Bezirken mit Steinen die Küstenlinie anzuheben.

RestReef

Ct Mármol

New York City coastal defense program