Inselberge sind nicht Berge auf Inseln im Meer, sondern Berge an Land, die wie Inseln aus – meist tropischen – Gebieten herausragen. Zahlreiche solcher alleinstehender Hügel findet man im Süden Brasiliens unweit der Atlantikküste. Das berühmteste Beispiel ist der Zuckerhut in Rio de Janeiro, der allerdings inzwischen in der Stadt liegt. Auch der Uluru (Ayers Rock) in Australien ist solch ein geologisches Phänomen.
Ein internationales Forscherteam hat nun eine Bestandsaufnahme der auf diesen Bergen in Südbrasilien vorkommenden Pflanzenarten gemacht. Ziel war auch, Wege für die Wiederherstellung der Natur in den ehemaligen Steinbrüchen zu finden.
Eine Schlüsselart für das Leben in diesen extremen Lebensräumen ist der Kapokbaum (Pseudobombax petropolitanum). Seine Wurzeln haken sich in winzigen Rissen im Gestein fest und tragen dazu bei, Erde und andere Ablagerungen auf den Felsen zu halten. Damit schaffen sie Mikroumgebungen, die die Ansiedlung anderer Arten begünstigen.
Was viele von ihnen verwerten, wird ausschließlich mit dem Wind oder dem Regen herangebracht.
Das Wachstum in diesen Ökosystemen beträgt meist nur wenige Zentimeter pro Jahr. Dennoch fanden die Forscher überraschend robuste Bäume: Sie können „bis zu 48 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar in oberirdischer Biomasse speichern, ähnlich wie saisonale Wälder, die an trockenen Standorten stehen und wenig produktiv sind“, heißt es in der Studie.
Eine Besonderheit unter den Überlebenskünstlern ist Wunderlichia azulensis. Sie gehört zur Familie der Korbblütler und wächst ausschließlich auf Felsen. Ähnlich wie der Kapokbaum zählt sie zu den bedrohten Arten.
Die Forschergruppe mit Mitgliedern aus Brasilien und Kanada besuchte vier Inselberge im Süden des Bundesstaates Espírito Santo in den Gemeinden Alegre, Cachoeiro de Itapemirim, Mimoso do Sul und Muqui.
Die Vegetation auf den Inselbergen ist waldähnlich und wird von kleinen Bäumen, Sträuchern und Palmen dominiert. An günstigen Stadtorten fanden die Forscher jedoch auch Exemplare mit Durchmessern von bis zu 116 Zentimetern und einer Höhe von 16 Metern.
„Viele dieser Pflanzen kommen nur in diesen Umgebungen vor, einige sind bereits vom Aussterben bedroht, vor allem aufgrund der Ausweitung der Natursteingewinnung“, warnt Dayvid Couto, Leiter der Studie. Die Ergebnisse wurden im April 2025 im Wissenschaftsmagazin Journal of Mountain Science veröffentlicht.
Am Ende der Studie werden Arten benannt, die bei einer Wiederherstellung geschädigter Zonen helfen könnten. Dabei geht es auch um Naturschutz über die Inselberge hinaus: Sie werden nämlich gerne von Tieren benutzt, die die fleischigen Früchte anderer Pflanzen dort als Nahrung schätzen.
Beteiligt an der Studie waren Wissenschaftler des Instituto Nacional da Mata Atlântica (INMA), der Universidade Federal de Minas Gerais (UFMG), der University of Québec at Chicoutimi (UQAC, Kanada) und der Universidade Estadual do Norte Fluminense (UENF),
Journal of Mountain Science: „Woody vegetation on tropical inselbergs: floristic-structural characterization and aboveground carbon storage“

