Detail der Bronzeskulptur „The Meeting Place“ des Künstlers Paul Day im Londoner Bahnhof St Pancras. Quelle: Wikimedia Commons / Patrice78500

Haben Sie, liebe Leser, schon einmal etwas von dem chemischen Element Indium gehört? Wahrscheinlich nicht, und dennoch haben Sie möglicherweise gerade ein wenig davon in der Hand: Der Touchscreen Ihres Smartphones nämlich trägt auf dem Glas eine dünne Beschichtung mit Indium, und dieser Stoff macht es möglich, dass sie über den Bildschirm wischen und damit Programme anklicken können.

Genauer gesagt: Die Beschichtung besteht aus super-dünnem Indium-Zinn-Oxid. Es ist durchsichtig, und wenn Sie eine Stelle auf dem Bildschirm berühren, ändert sich dort das elektrische Feld. Das können Sensoren messen, und das Programm Ihres Smartphones kann dieses Signal in die gewünschte Aktion umsetzen.

Das National Museum of Natural History Museum in der US-Hauptstadt Washington DC hat noch bis Ende 2026 eine unbedingt sehenswerte Ausstellung mit dem Titel „Cellphone: Unseen Connections“ über diese moderne Gerätegeneration.

Natürlich, Sie können die Ausstellung auch virtuell besuchen.

Das Museum, eine Abteilung der auf Wissensvermittlung fokussierten Smithsonian Institution, belässt es nicht bei technischen Beschreibungen, sondern analysiert auch die Bedeutung dieser Wundermaschinen der Gegenwart für die Welt:
* Globalisierung in Reinform: Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte haben alle Zeitgenossen dieselbe Gerätschaft in der Hand oder in der Hosentasche.
* In den ärmeren Ländern auf dem Globus katapultiert das Smartphone die Menschen in die Gegenwart der Industrieländer: Für arme Kleinbauern in der Sahelzone gibt es Informationen zu angepasster Landwirtschaft oder Online-Beratung zu Kleinkrediten. Woanders in Afrika können Kinder an Lernprogrammen teilnehmen, statt sich mit dem Angebot ihrer Dorfschule zu begnügen. Die Telemedizin spielt inzwischen eine wichtige Rolle in der Gesundheitsversorgung, und mehr.

Der Schweizer Künstler Horst Bohnet hat das „iStone – the smARTphone“ aus Granit geschaffen: absolut abhörsicher und ideal fürs Zeitsparen.

Aus der Sicht der Technikgeschichte betrachtet, heißt das: Das Smartphone erlaubt den armen Ländern einen Technologiesprung: Sie überspringen die Phasen Verkabelung und Mobiltelephon und landen mit einem Satz in der Ära des mobilen Computers und des Internets.

Viele solche Ansätze der Entwicklung sind in einem Bericht des Berlin-Instituts for Population and Development beschrieben. Ihr Erfolg beruht auch darauf, dass Afrika die jüngste Bevölkerung hat und dass Kinder bekanntlich keine Scheu vor diesen Geräten haben.

Zurück zur Ausstellung. Sie stellt provozierende Fragen wie „Was bedeutet das Handy für Dich?“

Anhand von 750 Objekten, einer Graphic Novel an den Wänden und zahlreichen Installationen werden die „Unbekannten Verbindungen“ aus dem Titel der Schau gezeigt, nämlich der Zugang zu Informationen oder zu Menschen an jedem anderen Ort des Globus. Auch die Auswirkungen der Geräte auf die Umwelt werden betrachtet.

Folglich nehmen die Materialien eine wichtige Rolle in der Ausstellung ein. Es sind mehr als 65 Minerale, die meisten von ihnen Stoffe, die in der Erdkruste nur in geringen Mengen vorkommen.

Im Podacst zur Ausstellung wird das Thema des Recyclings ausführlich diskutiert. An einer Stelle heißt es „Alles in Deinem Handy ist der Erde entnommen“, und an anderer Stelle wird das Eingebunden-Sein des Menschen in die Natur auf den Punkt gebracht: „Alles, was wir verwenden, wird entweder angepflanzt oder abgebaut.“

„Wir können bessere Nutzer sein und mehr Sorgfalt walten lassen“, lautet ein Appell.

Die aktuelle US-Regierung ist von solchen Statements wohl eher nicht begeistert, wie wir anhand der Meldungen auf unserem Smartphone vermuten.

National Museum of Natural History, Smithsonian Institution

Podcast

Berlin-Institut for Population and Development