Khalid Al Salehi, Generaldirektor der Madayn-Behörde für Industrieentwicklung, Oman; Lubna Al Harthi, Direktorin der Exportabteilung im Wirtschaftsministerium. Fotos: Oman News Agency

Die Arabische Halbinsel, für die kommenden Jahrzehnte wahrscheinlich die Region weltweit mit den höchsten wirtschaftlichen Wachstumsraten, erregte gleich zweimal besondere Aufmerksamkeit auf der Marmomac 2025:
* Das Sultanat Oman, klein von der Bevölkerungszahl (4,8 Millionen, davon rund die Hälfte indische Immigranten, Zahlen laut Wikipedia) und vom Staatsgebiet (309.500 km²), präsentierte sich als neuer Natursteinlieferant für den globalen Markt;
* Saudi-Arabien, das größte Land auf der Arabischen Halbinsel (36,7 Millionen Einwohner, 2,147 Millionen km²) war Thema einer Studie im Auftrag von Marmomac und Veronafiere, die das Marktpotenzial des Landes für Lieferungen von hochwertigen Natursteinprodukten untersuchte.

Die Länder der Arabischen Halbinsel (Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, Katar, Vereinigte Arabische Emirate, Oman, Jemen) mit den Nachbarn. Quelle: Wikimedia Commons

Omans Ambitionen zeigten sich daran, dass der unauffällige Stand auf der Messe in Verona gleich von vier Regierungsorganisationen getragen wurde, darunter das Ministerium für Wirtschaft und Industrie sowie das für Energie und Bergbau. Khalid Al Salehi, Generaldirektor der ebenfalls beteiligten Madayn-Behörde für Industrieentwicklung, hielt ein Referat in Halle 10 der Messe und nannte Zahlen zum Potenzial des Landes. Wir zitieren aus einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Oman News:
* Insgesamt bietet das Sultanat in diesem Jahr ein Handelspotenzial von 4,6 Milliarden Omani Rial (umgerechnet etwa 11,96 Milliarden US-$). Allein im Bereich Naturstein entwickele seine Behörde derzeit 69 Projekte mit einem Potenzial von 71 Millionen OMR (184,65 Millionen US-$): „Unser Interesse in Verona war, neue Investitionen aufzutun, strategische Partnerschaften mit internationalen Firmen zu bilden und die günstige strategische Lage Omans publik zu machen“, so Khalid Al Salehi.

Der Stand des Sultanats Oman auf der Marmomac 2025. Foto: Oman News Agency

Das Land liegt am südöstlichen Rand der Arabischen Halbinsel und hat eine lange Küstenlinie am Indischen Ozean, von dem aus sich die Schiffslinien nach Asien, Südostasien (Indonesien, Malaysia, Singapur) und Australien/Neuseeland erschließen.

Auch die Direktorin der Exportabteilung im Wirtschaftsministerium, Lubna Al Harthi, betonte die Bedeutung, die das Land seinen farbigen und dekorativen Marmorsorten beimisst. Sechs führende Firmen wurden am Messestand präsentiert: Al Nasr Marble, Al Ajmi Marble, Al Shanfari Marble, Al Asriyah Marble, Al Hilal Marble und Muscat Leading Marble.

Thema auf der Marmomac war auch, dass das Sultanat ein Ziel für Lieferungen von Maschinen und Werkzeugen für die Naturstein-Gewinnung und -Verarbeitung ist.

Italiens Steinbranche nimmt Saudi-Arabien und die UAE stärker in den Blick

2024, im Vorfeld der Marmomac, hatten die Marktforscher von Nomisma allgemein die Marktchancen für das Made in Italy in den USA und in Kanada untersucht. Bei der aktuellen Untersuchung zur Arabischen Halbinsel ging es nur um Naturstein – mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE) als Zielländer. Denn: „Obwohl die italienischen Exporte der Steinbranche hauptsächlich in die Länder der Europäischen Union und Nordamerikas gehen, ist der Anteil des Nahen Ostens in den letzten fünf Jahren um +30 % gestiegen, wobei sich die Arabische Halbinsel heute als absolut strategischer Markt bestätigt“, wie es in der Studie heißt. Einen kurzen Auszug auf Italienisch kann man auf der Webpage des Marktforschungsinstituts lesen.

Verwiesen wird auf das „nachhaltige Wachstum und ein hohes Pro-Kopf Einkommen dort“. Das gilt neben den beiden genannten Ländern auch für Bahrain, Kuwait, Oman, Katar und Jemen. Es bewirke eine „stetig steigenden Nachfrage, insbesondere im High-End-Bereich“.

Bei den Saudis werde dieser private Konsum durch aktuelle, staatliche Vorhaben wie die Weltausstellung Expo 2030, die FIFA-Weltmeisterschaft 2034 oder Megaprojekte wie NEOM und Qiddiya verstärkt.

Insgesamt haben laut Studie die Länder der Arabischen Halbinsel im Jahr 2024 Natursteinprodukte „im Wert von 1,3 Milliarden Euro“ importiert. Den Löwenanteil davon (47 %) kauften die Saudis, an zweiter Stelle (33 %) lagen die UAE. Relativ gering war der Anteil von Investitionsgütern (10 %) und Maschinen (7 %); drei Viertel machten „Produkte aus natürlicher Verarbeitung“ aus. Gemeint ist damit wahrscheinlich vor allem Naturstein.

Der Import von Rohblöcken war „marginal“.

Emanuele Di Faustino, Abteilungsleiter bei Nomisma, zieht als Fazit: Die genannten Faktoren auf der Arabischen Halbinsel, verbunden mit einem anhaltenden Bevölkerungswachstum, würden „die Nachfrage nach hochwertigen Materialien ankurbeln“, und das Made in Italy könne dort „eine führende Rolle spielen“.

Apropos Bevölkerungswachstum: In Saudi-Arabien waren in der Generation der heutigen Großeltern 5 – 10 Kinder pro Frau normal. Heute sind es 2 – 5.

Oman News

Nomisma (italienisch)