Eine Vorhersage über die wirtschaftliche Entwicklung im kommenden Jahr ist 2026 noch weniger als normalerweise seriös machbar: Zu groß ist die politische Instabilität in vielen Regionen der Erde und zu wenig sind die Aktionen der großen Player vorhersagbar.
In Bezug auf die Steinbranche aber haben sich einige Tendenzen inzwischen zu wirklichen Megatrends gemausert. Sie sind so stark, dass man ihre Entwicklung auch in Einzelaspekten skizzieren kann.
Bei allen geht es um „grüne“ Belange, angefangen vom umweltfreundlichen Abbau in den Brüchen über die Vermeidung von Abfall in der Verarbeitung bis hin zu Energie aus erneuerbaren Quellen.
Wir wollen uns einer anderen Stimme aus diesem Gesamtkonzert widmen, nämlich dem Massivbauen mit Naturstein. Gemeint ist damit die Verwendung von Stein als tragendem Material für Wände oder Decken, nicht mehr nur als Material für die Bekleidung von Fassaden, Wänden oder Böden.
Hier entsteht ein riesiger neuer Markt für Naturstein – exakter formuliert: Es kommt der Markt wieder mit der Verwendung von Stein als tragendem Baumaterial, wie ehemals für Tempel, Burgen oder Rathäuser. Diesmal ist der Grund für die Nachfrage der niedrige ökologische Fußabdruck des Materials.
Das Thema ist in Europa schon weit vorangekommen. Die Messe in Xiamen widmet im März 2026 dem Thema einen Vortrag.
Bisher wurden folgende Formen des Massivbauens entwickelt:
* Wände aus kleinen Blöcken, so wie man es aus einem Baukastensystem kennt;
* Vorspannung: Kombination von Steinblöcken mit Stahlseilen, die gespannt werden;
* Verzahnung: verschiedene Formen von Steinblöcken oder -platten, die ineinandergreifen;
* Stone Bricks: Bausteine in Form der altbekannten Mauerziegel, die aufgrund der farblichen Varianten der Steine viele Designvarianten ermöglichen.
Alles in allem sind es alte Ideen, bei denen jedoch findige Firmen, Ingenieure und Handwerker die Möglichkeiten moderner Planung und Ausführung ausnutzen.
Ein besonderer Einzelaspekt ist dabei die Tatsache, dass Naturstein hier wie ein gewöhnlicher Baustoff verwendet wird.
Dass darin keine Gefahr für das Image der exklusiven Sorten besteht, hatten wir bereits häufiger diskutiert. Wir weisen auf die Taschenbücher hin, die dem noblen gebundenen Buch keinen Abbruch getan haben.
Im Gegenteil, und das ist die Debatte, die wir hier anstoßen wollen: Wie eigentlich können die Lieferanten von exklusiven Sorten an dem Boom für massives Bauen teilnehmen, ohne dass sie das Luxus-Image ihrer Steine beschädigen?
Wir haben die Antwort nicht. Aber sie scheint uns höchst bedeutsam für die Steinfirmen zu sein.
Denn besonders in den Brüchen der exklusiven Sorten entstehen bei der Gewinnung große Mengen an Abfall. Der ist eigentlich als Stein voll funktionsfähig, muss aber ausgesondert beziehungsweise zu Schotter verarbeitet werden, weil seine Oberfläche nicht die Farbe oder Strukturen zeigt, die die Verbraucher und ihre Architekten gerade bevorzugen (oder früher bevorzugt haben).
Wenn es gelingt, für solches Material eine Verwendung am Bau zu finden – wie gesagt: ohne das Image der A-Klasse zu beschädigen – steht den Steinbruchfirmen ein gewaltiges Reservoir an Rohblöcken zur Verfügung, die schon halbfertig sind und nur noch auf Verwendung warten.
Weitere Megatrends für die Steinbranche bleiben:
* Wie bisher Stein als Dekorationsmaterial für Fassaden, Wände oder Böden, denn – Naturstein ist einfach schön;
* Produktdesign mit Naturstein. Die Möglichkeiten hier sind nicht einmal ansatzweise ausgereizt. Wirklich erfolgreiche Designarbeiten gibt es bislang nur für den super-exklusiven Marktbereich. Wir stellen auch solche Neuigkeiten kontinuierlich in unserer Rubrik „Produktdesign“ vor.
* Kreislaufwirtschaft ist ein weiteres spannendes Thema, das das Potenzial für einen Megatrend in sich hat. Naturstein ist wegen seiner hohen Lebensdauer hier sehr gut aufgestellt.
Noch eine Anmerkung: Massivbauen ist kein Markt für die Exporteure. Denn wenn Stein über große Strecken transportiert werden muss, geht sein niedriger ökologischer Fußabdruck verloren.
