Atelier Régis Roudil. Wohnanlage Pèiros.

Beinahe berühmt ist die Wohnanlage Pèiros nicht weit von Marseille dafür, wie der Architekt mit einigen der Abfälle am Bau umgegangen ist: In allen Berichten in Architekturmagazinen wird nämlich jene Mashrabiya gezeigt (siehe Fotos oben), die aus steinernen Bohrkernen zusammengesetzt ist. Diese sind dadurch entstanden, dass die Gebäude in einer Erdbebenzone liegen und senkrechte Bohrungen für seismische Verstärkungen durch die Wände geführt werden mussten. Daraus ist nun ein geometrisches Schmuckstück für das Fenster im Erdgeschoss geworden. Es gehört zu den Gemeinschaftsräumen der Anlage und ist leider nur ganz aus der Nähe zu sehen.

Atelier Régis Roudil. Wohnanlage Pèiros.Atelier Régis Roudil. Wohnanlage Pèiros.

Die Architektur kommt vom Atelier Régis Roudil mit Sitz im nahegelegenen Aix-en-Provence, das sich durch einen besonderen Umgang mit dem Baumaterial auszeichnet: Zum einen soll das Material die Gegend widerspiegeln, zum anderen soll es sorgsam verwendet werden.

Hier haben die Architekten sich für einen Massivbau aus regionalem Kalkstein entschieden. Es ist der Pierre de Vers-Pont-du-Gard, der aus weniger als 100 km Entfernung stammt, und weil Naturstein das prägende Material dieser Architektur ist, trägt die Anlage den Namen Pèiro, was auf provençalisch „Stein“ bedeutet.

Die Stadtkerne der Ortschaften in der Umgebung bestehen weitgehend aus Gebäuden aus Stein. Die Wohnanlage Pèrio liegt in der Ortschaft Gignac-la-Nerthe im Département Bouche-du-Rhône.

Das zweite Material hier ist Holz, genauer: Douglaskiefer, das mit seiner gelblichen Farbe dem Stein gleicht.

Atelier Régis Roudil. Wohnanlage Pèiros.

Das aber ist in Wirklichkeit einer der vielen Kompromisse, die der Architekt schließen musste, und von denen er in den Architekturzeitschriften offen spricht: Eigentlich wäre die Zypresse oder eine Art der Almkiefer das Holz der Gegend gewesen – „aber man muss halt auch die Wirtschaftlichkeit bedenken“, räumt er ein, und lässt durchblicken, dass ihm zunächst auch das Durchbohren der Steinblöcke zwecks Erdbebensicherheit leid getan habe.

Außerdem: das Holz der Douglaskiefer für die Loggien und Balkone an den Fassaden wird sich im Lauf der Zeit grau färben, und dann nimmt es doch eine der Farben an, die man aus der Provence kennt. Grau, nicht gelb, wäre auch jener Kalkstein (Calcaire Gris du massiv de la Nerthe) gewesen, den es direkt in der Nähe gibt.

Das dritte Material ist Beton. Daraus ist der 90 cm hohe Sockel der Gebäude errichtet.

Atelier Régis Roudil. Wohnanlage Pèiros.

Atelier Régis Roudil. Wohnanlage Pèiros.Atelier Régis Roudil. Wohnanlage Pèiros.

So wie die Mauern aus kleinen Steinblöcken errichtet sind, so sind die Gebäude selbst als rechteckige Blöcke gestaltet. Der Kleinere steht allein. Er ist über die Zugangstreppe mit den beiden anderen, aneinander gebauten größeren Gebäuden verbunden.

Markant wiederum ist die Gestaltung der Fassaden auf der Süd- und Ostseite: Dort gibt es Loggien beziehungsweise Balkone aus Holz.

Als es in der Planungsphase um die Verwendung von Naturstein für Massivwände ging, gab es bei den Bauherren zunächst Bedenken vor hohen Kosten. Die Erfahrung lehrte die Entscheidungsträger eines Besseren.

Und: „Die Bewohner sind sehr zufrieden mit der Wohnatmosphäre“, ist in den Architekturmagazinen zu lesen. Als Grund dafür wird vor allem der Stein genannt, der „sich so angenehm anfasst und im Sommer für erträgliche Temperaturen sorgt“.

Die Steinblöcke sind 32 cm dick und von 30 cm bis 100 cm hoch. Die Fugen sind mit Kalk verschlossen, um ein homogenes und gepflegtes Bild zu erreichen.

Atelier Régis Roudil. Wohnanlage Pèiros.Atelier Régis Roudil. Wohnanlage Pèiros.

Die Dachgeschosse sind für die Bewohner zugänglich. Auch das entspricht nicht der in der Region üblichen Bauweise mit Spitzdach und Ziegeln.

Rund um die Gebäude sollen Bäume gepflanzt werden und Nutzergärten entstehen. Jede Wohnung hat ihren Parkplatz, und in den Gemeinschaftsräumen gibt es Fahrradstellplätze.

Apropos Vermeidung von Bauabfall: die Steinblöcke wurden im Steinbruch gleich in denjenigen Größen aus dem Fels gesägt, die man brauchte.

Die Erdebenverstärkungen aus Stahl befinden sich in den Ecken der Gebäude und in den Gewänden der Fenster und Türen.
Das Projekt gewann einen der französischen Preise für Bauen mit Naturstein 2023 (Construire en Pierre Naturelle au XXIe Siècle“).

Atelier Régis Roudil

Gignac-la-Nerthe (französisch)

Atelier Régis Roudil. Wohnanlage Pèiros.