Marmor Griotte unie.

Die Königliche Akademie Belgiens (Académie Royale de Belgique) hat eine Neuausgabe des Buches „Pierres et Marbres en Wallonie. Reconnaissance et Genèse“ (Natursteine und Marmor aus Wallonien. Beschreibung und Entstehung) herausgebracht. Erschienen ist es in der Reihe „Akademie für die Hosentasche“ (L’Académie en Poche) und gibt eine Übersicht über die Geologiegeschichte des Landes und über die zahlreichen Natursteinsorten. Denn Belgien zählte von der Antike bis in die 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den großen Playern auf den Steinmärkten weltweit und lieferte Materialien zum Beispiel für Hochhausfassaden in Manhattan.

Wohlgemerkt: Die Rede ist hier allein von der Region Wallonien mit ihren Mittelgebirgen – in Flandern ist alles flach und geht die Landschaft in die Niederlande über.

Das Buch mit rund 140 Seiten kann auch als pdf heruntergeladen werden. Das hilft interessierten Lesern, die nicht des Französischen mächtig sind, bei der Übersetzung durch eine Maschine, und macht es auch möglich, anhand der Publikation die beschriebenen Steinspaziergänge in Brüssel und Lüttich und zu einigen Steinbrüchen auf dem Land abzulaufen.

Petit-Granit du Bocq vor dem Palais Royal.

„Jeder Belgier hat – oder hatte – in seinem Haus heimische Steine und Marmor“, lautet der erste Satz des Buches. Das mag dem Außenstehenden als übertrieben erscheinen, aber bei einer Reise durch Wallonien erkennt man schnell, dass es stimmt. Die alten Bauernhäuser haben massive Mauern aus Stein oder zumindest schmückende Details aus den heimischen Sorten, und auch bei Neubauten pflegen die Architekten die kulturelle DNA des Landes.

„Ein Dorf ohne Steinbruch ist nicht wirklich wallonisch“, zitieren die Autoren eine renommierte Stimme aus dem Land.

Carrière (Steinbruch) de la Warche.Neben Zwecksorten wie dem Petit Granit oder gar einem Steinzeit-Feuerstein gehörten auch viele farbige und exklusive Marmorsorten zum Lieferprogramm des Landes – man findet sie in den Palästen beim Nachbar Frankreich, zum Beispiel in Versailles.

Die Namen der Autoren stehen für den kompetenten Blick aus verschiedenen Perspektiven:
* Frédéric Boulvain ist emeritierter Geologieprofessor und Mitglied der Akadémie;
* Capucine Bertola ist Geologin, arbeitet beim Verband Pierres et Marbres de Wallonie und kennt das Thema auch aus Verbrauchersicht;
* Anne-Christine Da Silva lehrt Sedimentologie und Geologie an der Universität Lüttich und forscht dort zu den geologischen Zeitskalen, die über Jahrmillionen dauern.

Ehemaliger Steinbruch für die Arkose de Waimes (Sandstein).

Drei Ausflüge werden beschrieben: zu Brüchen in Wallonien, an die Grenze zu Lothringen, und zur geologischen Wand im Wald von Comblain-au-Pont, wo die geologischen Skalen an einem Hang aufsteigend ausgelegt sind.

Bei den Stadtführungen in Brüssel und Lüttich geht es unter anderem ums Straßenpflaster dort. „Obwohl Asphalt ab den 1950er Jahren zum bevorzugten Material wurde, dauerte es nur wenige Jahrzehnte, bis Natursteinpflaster im historischen Zentrum Brüssels wieder eingeführt wurde, um ein stimmigeres Gesamtbild im öffentlichen Raum zu erzielen“, heißt es dazu.

Académie Editions

Eine Übersicht über Naturstein aus Belgien aus Verbrauchersicht gibt die Veröffentlichung des Verbands Belgian Natural Stone. Das Buch ist auch auf Englisch verfügbar.

Fotos: Verband