Geschätzt bei den Touristen wird Norwegen auch für seine Scenic Routes (Malerische Strecken), die zu den natürlichen Sehenswürdigkeiten des Landes führen. Ein Zielort ist Sundshopen, das 2026 auf die Shortlist des Mies van der Rohe Awards der Europäischen Union kam: Es hat im Zentrum einen Steg, der in einen Binnensee führt, ergänzt um ein Toilettenhäuschen im Vorfeld. Die durch das Büro Rever & Drage neugestaltete Architektur zeigt, wie sorgsam sie mit ihrem Land umgehen.
Den Steg gibt es seit ewigen Zeiten und er diente den Bürgern der nahen Ortschaften, um dort zu fischen, mit den Booten anzulegen, Picknick zu machen oder einfach nur ins Wasser zu springen. Denn das Nass dort ist vergleichsweise warm, anders als im Nordatlantik, der nicht weit entfernt liegt.
Bei der Erneuerung des Steges haben die Planer sich sowohl bei den Materialien als auch bei der Gestaltung große Zurückhaltung auferlegt: Die Strecke mit 65 m Länge besteht im Unterbau aus zwei Reihen Holzbohlen mit großen Steinen dazwischen und obendrauf einer Lage flacher Steinplatten.
So hat man schon immer und überall auf der Welt solche Zugänge ins Wasser gebaut.
Damit das Material dauerhaft ist, wurde für die Verwendung im Wasser Aspenholz verwendet, an der Luft ist es Kiefernholz.
Die Steine hat man in der Umgebung gesammelt. Das gilt auch für die dicken Findlinge, die die Spitze des leicht abfallenden Stegs markieren. 20 solche Stücke hatte der damit beauftragte lokale Steinmetz mit einer Drohne in der Nähe identifiziert, dann vier davon ausgewählt, diese bearbeitet und im Wasser versetzt.
Der Weg zum Steg führt durch ein altes Wäldchen. Davor liegt der Parkplatz und ein Toilettenhäuschen, dieses mitten im Weg. Sein Material ist Aluminium, sodass die Trennung zwischen der Welt draußen und derjenigen am See markiert ist.
Der Zugang durch das Wäldchen ist schnurgerade und zeigt aus der Distanz schon die Wasserfläche. Von außen nach innen wird er schmaler, was die Spitze des Steges hervorhebt.
Entlang der Strecke kommt der Besucher an Bänken und Tischen vorbei.
Nachts gibt es am Toilettenhäuschen ein kleines Licht, sodass sich am See niemand verloren fühlen muss.
Die Architekten schreiben zu ihrem Arrangement, das unweit der Ortschaft Sømna liegt: „Zusammengenommen machen diese Elemente aus Sundshopen nicht nur einen wiederhergestellten Badeort, sondern eine wiederbelebte Landschaft – einen bescheidenen und doch vielschichtigen öffentlichen Ort, an dem die Rhythmen von Natur, Kultur und Design wieder miteinander verschmelzen.“
Fotos: Tom Auger






