Elisa Valentina Botti: „The quarry as a Stage“.

Wenn ein aufgelassener Steinbruch umgenutzt werden soll, geht das mit einem Wegräumen der Maschinen und Werkzeuge einher. Die Architektin Elisa Valentina Botti hat für ihr Projekt „The quarry as a Stage“ (Der Steinbruch als Bühne) genau das Gegenteil gemacht und den in solchen Anlagen üblichen Derrickkränen eine wichtige Rolle gegeben: Einerseits tragen sie das aufgespannte Dach und die Zuschauerränge für das neue Theater am Hang, andererseits holen sie die ehemalige Arbeitsatmosphäre aus der Steingewinnung in die Gegenwart.

Elisa Valentina Botti: „The quarry as a Stage“.Elisa Valentina Botti: „The quarry as a Stage“.

Nun ja: Es ist nicht wirklich Gegenwart, es handelt sich nur um ein Konzept für die Neunutzung eines Steinbruchs im Schweizer Tessin. Elisa Valentina Botti hat die Idee in ihrer Diplomarbeit entwickelt; die Bilder sind Renderings.

Die Arbeit wurde mit der 1. Ausgabe des AMA Awards ausgezeichnet. Der wird von der Architekturfakultät der Università della Svizera Italiana (USI) vergeben. Das ist die einzige öffentliche Universität der Schweiz, deren Hauptsprache Italienisch ist. Die Fakultät unterhält eine Einrichtung für die Ehemaligen mit dem Titel AMA (Accademia Mendrisio Alumni).

Elisa Valentina Botti: „The quarry as a Stage“.

Im Mittelpunkt der Ausschreibung für den Preis stand „territoriale Architektur“, also das Bauen für die Seitentäler in dieser Alpenregion. Die Bewerber sollten ihrem Projekt einen Nutzwert für den jeweiligen Ort geben und dabei seine Besonderheit unterstreichen.

Der ehemalige „Zona Partus“-Steinbruch, den Elisa Valentina Botti ins Auge fasste, liegt im Onsernonetal über einem Dorf am Hang.

Das Kernproblem ist, dass die Abbaufläche aus dem Hang herausgeschält und nur schmal ist – wo soll man da die Sitzflächen für die Besucher hinstellen?

Elisa Valentina Botti mit dem Preis, einem Kunstwerk von Arcangelo Sassolino.

Elisa Valentina Botti wagte den großen Wurf: Sie platzierte die Sitzreihen vor dem Hang mit einer Anordnung in Form eines Amphitheaters, sodass jeder der Gäste eine optimale Sicht auf die Bühne hätte.

Über allem ist das Zeltdach aufgespannt. Die tragende Struktur dafür kommt von den Derrickkränen, die noch aus der Zeit des Steinabbaus stammen.

Ein Arm der Derrickkräne dient dazu, die Zuschauerränge zu tragen. Das Dach kann auf- und abgebaut werden.

Derrickkräne

Zu den Derrickkränen gibt es viel zu erzählen, was auch theaterreif ist und das wir bei Wikipedia nachgelesen haben: Technisch gesehen handelt es sich um einen Mast mit Ausleger, der drehbar ist. Der Erfinder war Thomas Derrick, ein Londoner Henker um 1600, der die Konstruktion entwickelte, damit er viele Verurteilte schnell hintereinander hinrichten konnte. Er selber kam zu seinem Beruf, nachdem er an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen war und mit Kumpanen hingerichtet werden sollte, sich aber kein Henker fand und er sich gegen Begnadigung auf den Job einließ. Am Ende seines Lebens hatte er rund 3000 Personen hingerichtet und wurde sogar in einem Gassenhauer besungen.

Das Onsernonetal zeichnet sich durch kleine Dörfer aus, die hoch am Hang liegen und auch im Winter viele Sonnenstunden haben. Es gibt dort zahlreiche typische Steinhäuser aus lokalem Gneis mit Holzterrassen, so Wikipedia.

Università della Svizera Italiana (USI)

Renderings: Elisa Valentina Botti

Poster des Wettbwerbs.