Die Stärken von Naturstein als Baumaterial sind bekannt: Es ist der geringe ökologische Fußabdruck, seine lange Lebensdauer und nicht zuletzt seine Schönheit. Bei der Erweiterung eines denkmalgeschützten Reihenhauses in London arbeiteten die Architekten noch einen weiteren Aspekt heraus: Stein macht das Weiterbauen möglich, das heißt: grob behauene Elemente können zu späteren Zeitpunkten vollendet werden. Davon später mehr.
Bei dem Projekt handelte es sich um ein Wohnhaus im Stil der georgianischen Architektur in Mile End im Londoner Bezirk Tower Hamlets. Es sollte modernisiert und erweitert werden.
Die Architekten kamen vom Studio Folk Architects in Zusammenarbeit mit dem Studio Charlotte Moore für Architekturkeramik.
Auf der Gartenseite mit dem Zugang zu dem Haus gab es einen tiefer liegenden Hof, der zuvor nur wenig genutzt worden war. Die Planer stellten auf eine Seite dorthin den Erweiterungsbau mit nur sieben Quadratmetern Grundfläche. In der sehr kompakten Einheit befinden sich nun ein Hauswirtschaftsraum, ein Spülbecken, ein WC und eine Garderobe.
Als Material für den Erweiterungsbau entschieden sie sich für Natursteinbricks, die die Firma Hutton Stone aus ihrem Sandstein zuschnitt. Die Planer konnten die Bauherren mit dem Argument von dem Material überzeugen, dass damit 75% weniger CO2-Freisetzung als bei herkömmlichen Ziegelsteinen verbunden ist.
Auch für die Fassadengestaltung boten die Stonebricks Vorteile: „Dadurch konnten wir für alle Außenelemente – einschließlich Wände, Pilaster und Stürze – einheitlich ein einziges Material verwenden, wodurch die Notwendigkeit entfiel, Fertigteilelemente farblich anzupassen, und sichergestellt wurde, dass die Fassade im Laufe der Zeit gleichmäßig altert“, schreiben die Architekten auf ihrer Webpage.
In einem Beitrag in der Zeitschrift „Architects Journal“ loben auch die Bauherren das Material: „Die Stonebricks waren sowohl eine wirtschaftliche als auch eine ästhetische Wahl. Jeder Ziegel hat seinen ganz eigenen Charakter. Wir lieben es, wie sich ihre Farbe im Laufe der Jahreszeiten subtil verändert.“
In der Zeitschrift wird auch der Aspekt des Weiterbauens angesprochen. Für die Stürze und Wandpfeiler wählten die Planer nämlich Steinelemente mit nur grob behauenen Oberflächen. Geplant ist, dass dort zu einem späteren Zeitpunkt Steinmetze kleine Kunstwerke aus dem Material herausarbeiten.
Mit der Idee beziehen sich die Architekten auf die Bauweise der alten Gotteshäuser in Europa: „Unser schrittweiser Ansatz wurde von der Tradition der Kathedralenarchitektur inspiriert, bei der grob behauene Steine verbaut wurden, in der Erwartung, dass Verzierungen hinzugefügt würden, sobald es Zeit und Mittel erlaubten.“




