Auf den ersten Blick hat Naturstein nicht direkt etwas mit Radfahren zu tun. Anders wird das jedoch, wenn man die Tour de France und die Tour de France Femmes betrachtet: Zu deren Routen hat der französische Natursteinverband Snroc (Syndicat National des Industries de Roches Ornementales et de Construction) kurze Beschreibungen zu den Steinvorkommen in den jeweiligen Etappen erstellt. Nicht nur das, denn das Storytelling des Verbands ist großartig: Erzählt wird auch, welche Sehenswürdigkeiten aus den jeweiligen Sorten es dort und woanders gibt.
Daneben werden auch jeweils zwei Firmen genannt, die die Sorten unweit der Fahrstrecke abbauen und vertreiben.
Zum Beispiel: Gleich zum Beginn jener Etappe im Département Nièvre im Burgund gibt es nicht nur einen Hinweis auf den Pierre de Donzy, sondern auch auf das Dorf Apremont-sur-Allier, das als eines der schönsten Dörfer Frankreichs eine Berühmtheit ist. Kuriosität am Runde: Der Ort hat nur 66 Einwohner.
Zum Ende jener Etappe erreicht das Fahrerfeld (französisch: Le Peleton) schließlich Buxy, die Heimat des Steins gleichen Namens. Den findet man zuhauf in den historischen „Stadtzentren von Chalon-sur-Saône, Dijon und Toulon bis hin zu Architekturprojekten in London und Tokio“, schreibt der Verband.
Dabei haben die Verantwortlichen mit ihrem Marketing einfach das generelle Konzept der Tour auf Stein übertragen, nämlich im Verlauf der Route die Schönheiten des Landes zu zeigen und den potenziellen Touristen Lust auf einen Besuch zu machen.
Ein anderes Beispiel ist die Auvergne mit ihren ehemaligen Vulkanen und den Steinsorten dazu, oder sind die Pyrenäen mit ihren Sarrancolin-Marmoren, die wegen ihrer exklusiven Farben unter anderem in Versailles, der Opéra Garnier in Paris oder im Empire State Building verwendet wurden. Wir haben unten zu dem Buch „Marbres français – Voyage en polychromie“ von Françoise Naudet verlinkt, das diese Sorten genau beschreibt.
Wunderbar an den Beschreibungen des Verbands ist, wie kurz sie sind: maximal gibt es drei Absätze Text zu einer Etappe, ohne große geologische oder touristische Erörterungen.
Es ist wie bei der Tour selbst: Dort wartet man am Streckenrand, bis die Leute mit den schweren Motorrädern kommen und die Zuschauer von der Strecke zurückdrängen. Dann zischen die Ausreißer vorbei, schließlich wischt wie ein Hauch das Fahrerfeld dahin.
Am Fernseher oder bei Snroc hat man mehr von der Tour und von Frankreich.
Snroc (französisch)


