Die Botschafterin Norwegens, Anne Kari Hansen, im Garden of Gratitude in Südkores Hauptstadt Seoul.

23 Stelen aus Granit mit jeweils 6,25 m Höhe stehen im Zentrum des Gartens der Dankbarkeit (Garden of Gratitude) in Südkoreas Hauptstadt Seoul. Sie erinnern an die Nationen, die im Rahmen eines Aufrufs der Vereinten Nationen in den Koreakrieg eingriffen und entweder militärische, medizinische oder humanitäre Hilfe schickten. Aus den Spitzen der Stelen reichen nachts zu bestimmten Stunden Laserstrahlen in den Himmel. Darunter gibt es ein Zentrum mit Multimedia-Erinnerungen. Das Mahnmal wurde im Mai 2026 eingeweiht.

Ziel der Anlage ist, die Dankbarkeit der koreanischen Nation für die Hilfe von außen und gleichzeitig einen Appell für Frieden und Freiheit auszudrücken. Ein anderes Thema ist die Solidarität zwischen den Nationen.

Als symbolische Geste sind in den Granit der Stelen Steine aus den jeweiligen Unterstützerstaaten integriert. Aktuell gibt es Steine aus sieben Ländern: Aus Norwegen zum Beispiel kam ein Block Larvikite, den die Firma Lundhs geliefert hat. Aus Deutschland wurde nicht Stein geschickt, sondern ein Teil der Berliner Mauer, mit dem an das Ende des (Kalten) Krieges 1989 und an die Vereinigung von Ost- und Westdeutschland erinnert werden soll. Die Niederlande haben in Ermangelung an Steinbrüchen ein Set Keramikfliesen beigesteuert.

Nach dem 2. Weltkrieg hatten die Besatzungsmächte USA und Sowjetunion das Land entlang des 38. Breitengrades geteilt. Von 1948 an gab es zwei koreanische Staaten. 1950 überfiel der Nordteil den Süden und überrannte fast das gesamte Land. Die Vereinten Nationen riefen ihre Mitglieder zur Unterstützung des Südens auf. Militärische Hilfe schickten neben den USA auch Australien, Belgien, Kanada, Kolumbien, Äthiopien, Frankreich, Griechenland, Luxemburg, die Niederlande, Neuseeland, die Philippinen, Südkorea, Thailand, die Türkei und Großbritannien. Medizinische oder humanitäre Hilfe schickten Dänemark, Deutschland, Indien, Italien, Norwegen und Schweden. Deutschland beteiligte sich mit einem Lazarett.

Die norwegische Stele im Garten of Gratitude.

Es handelte sich um einen der vielen Stellvertreterkriege zwischen Kommunismus und Kapitalismus: Nordkorea wurde von der Sowjetunion und China unterstützt, Südkorea von den USA. 1953 gelang es, die Kampfhandlungen zu beenden; einen Friedensvertrag gibt es bis heute zwischen den beiden Ländern nicht.

Im Garden of Gratitude auf dem Gwanghwamun Square sind die 23 Stelen entlang einer 50 m langen geraden Linie mit jeweils 1,20 m Abstand platziert: An dem einen Ende steht die Stele Südkoreas, am anderen die der USA. Dazwischen folgen die Unterstützernationen, dies in der Reihenfolge, in der sie in den Krieg eingriffen.

Im Vorfeld hatte es heftige Kritik an dem Mahnmal gegeben. Teils war sie politischer Art und richtete sich gegen den ehemaligen Oberbürgermeister Oh Se-hoon als Initiator. Einige fanden das Mahnmal unnötig, weil es in Südkorea bereits eine Erinnerungsstätte an den Koreakrieg gibt. Andere kritisierten die Form der Stelen: Sie sei kriegerisch und setze den Befehl „Präsentiert das Gewehr“ visuell um.

Die Idee der Verwendung von Licht war durch eine Ausschreibung unter den Bürgern gefunden worden.

Im Vorfeld hatte es eine Weile Überlegungen gegeben, eine Fahnenstange mit 100 m Höhe und der koreanischen Nationalflagge auf den Platz zu stellen.

Der Garden of Gratitude. Foto: Seoul Metropolitan Government

Das Zentrum unter dem Platz versucht mit multimedialen Mitteln, diese Botschaft zu vermitteln. Eine der Inszenierungen ist ein Wasserfall aus Licht, der über Skulpturen niedergeht. Mit KI inszenierte Fotos erzählen von den Soldaten, ihren Heldentaten und zeigen ihre Uniformen. An einer Wand sind Live-Bilder vom Times Square in NYC zu sehen.

Der Gwanghwamun Square war über viele Jahrzehnte eine heruntergekommene Stadtbrache mit einer Schnellstraße mit 16 Spuren im Zentrum. Sie wurde seit 2004 mit großem Aufwand neugestaltet.

Links und rechts von den Stelen stehen die monumentalen Denkmäler von König Sejong und Admiral Yi Sun-sin. Sejong der Große regierte im 15. Jahrhundert; unter seiner Herrschaft wurde das Alphabet für die Nationalsprache geschaffen. Admiral Yi Sun-sin ist ein Kriegsheld aus dem 16. Jahrhundert.

Seoul Metropolitan Government

Lundhs

Fotos: norwegische Botschaft, Seoul