Die Ausstellung „Dschingis Khan und die Welt der Mongolen“ zeichnet ein neues Bild vom mongolischen Weltreich, das sich einst von China bis zur Donaumündung erstreckte: Es hatte eine hohe Kultur, eine moderne Verwaltung und bezog seinen Reichtum aus einem weiten Handelsnetz. Marco Polo war einer der ersten Westler, die das Land um 1300 bereisten. Die Ausstellung zum 800. Todestag von Dschingis Khan ist noch bis zum 18. April 2027 in der James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel zu sehen.
Das bisherige Bild von diesem Weltreich ging auf eines der traumatischen Ereignisse aus der Vergangenheit Westeuropas zurück: Nach Eroberungen der Fürstentümer der Kiewer Rus und des Königreichs Ungarn standen sich im Jahr 1241 ein fernöstliches und ein europäisches Heer vor der heutigen polnischen Stadt Liegnitz (Legnica) gegenüber.
Die Schlacht wurde am 09. April ausgetragen, und die Westeuropäer gingen hoffnunglos unter, dies weil die Gegner sie mit einer ungewohnten Kriesgführung konfrontierten: Die deutsch-polnischen Truppen waren nach Art der Ritterheere schwer gepanzert und auf den Nahkampf eingestellt; die Mongolen aber griffen auf ihren wendigen Pferden in schnellem Tempo an, überschütteten die Gegner mit ihrem Pfeilen, kehrten im letzten Moment in einer vorgetäuschten Flucht um und überzogen selbst beim Reiten rückwärts die Gegner mit ihren Geschossen. Später wurde diese Art des Bogenfeuers „Mongolischer Schuss“ genannt, heißt es im Katalog zur Ausstellung.
Die militärische Strategie der Mongolen wird manchmal mit einer Treibjagd verglichen: Sie stießen vor, zogen sich zurück, um den Gegner zu zermürben, zu zerstreuen und am Ende einzukesseln (Katalog S. 106).
Für die Belagerung von Städten führten sie schweres Gerät mit.
Nach dem Abzug der Mongolen war eine Region oftmals entvölkert: Wer nicht in die Sklaverei verkauft wurde, war getötet worden.
Dass diese militärische Taktik so wirkungsvoll war und dass die Mongolen damit während Jahrhunderten den asiatischen Raum erobert hatten, hängt mit ihrer Herkunft zusammen: Als Volk der Steppe wuchsen sie auf dem Rücken der Pferde heran und lernten das Bogenschießen aus jeder nur denkbaren Bewegung.
Auf den großen Angriff nach Westeuropa hatte Ögedei Khan (1227–1241), Nachfolger von Dschingis Khan, etwa 130.000 Reiter und fünfmal so viele Ersatzpferde geschickt. Dahinter stand das ausdrückliche Bewusstsein der Mongolen, „durch die Kraft des ewigen Himmels“ einen göttlich legitimierten Anspruch auf die Weltherrschaft zu haben.
Nach der Schlacht bei Liegnitz stand ihnen der Rest des Kontinents offen, denn sowohl vom Papst als auch vom Kaiser erwartete niemand ernsthafte Gegenwehr – doch die Mongolen zogen plötzlich ab, weil Ögedei Khan verstorben war und einer ihrer Heerführer Thronaspirant war und nach Hause zurückkehren musste.
Dschingis Khan (wahrscheinlich 1162 – 1227) war der entscheidende Bauherr des Riesenreiches. Er glänzte nicht nur in Eroberungszügen, sondern entwickelte auch eine moderne Verwaltung:
* Dazu gehörte die neue Hauptstadt Karakorum am Orchon-Fluss am Fuß des Khangai-Gebirges, die als Zentrum des Reiches fungierte;
* als Mittel für eine effektive Kommunikation ließ er die mongolische Schrift entwickeln;
* die Jassa, eine Sammlung von Rechtssprüchen, wurde überall angewendet und sorgte für Rechtssicherheit;
* mit dem Papiergeld, das er aus China übernahm, entstand eine einheitliche Währung;
* ein enges Netz von Poststationen wurde eingerichtet, wo auch Händler Quartier machen konnten;
* die Khane förderten den Handel, sodass sie kontinuierlich Steuern erheben konnten. Damit wurden sie frei von dauernden Kriegszügen als Einnahmequelle.
Als „Pax Mongolica“ wurden die Maßnahmen bezeichnet. Mit ihr entstanden günstige Bedingungen für wirtschaftliche und kulturelle Blüte sowie für Innovationen.
Die Ausstellung präsentiert die neuesten Forschungsergebnisse aus jahrzehntelangen archäologischen Grabungen. Neu sind vor allem die Erkenntnisse, wie stark die Mongolen die europäische Kultur beeinflussten.
Zu sehen sind in der Ausstellung archäologische Schätze, von denen zuvor viele noch nie außerhalb des Kernlandes zu sehen waren. Sie geben Einblicke in die Lebenswelt, politischen Strukturen und kulturellen Verflechtungen des Reiches und werden durch Leihgaben aus Polen, Rumänien, Stralsund, aus weiteren Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin sowie der Staatsbibliothek zu Berlin ergänzt.
Eine Gemeinsamkeit mit den Herrschern in Westeuropa zeigen einige Ausstellungsstücke: Auch die mongolischen Herrscher legten Wert darauf, ihre eigenen Leistungen in Botschaften an die Nachkommen zu verewigen, und gravierten deshalb mehrsprachige Texte in Steinstelen ein.
Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Ghenggis Khaan National Museum (Ulaanbaatar) und der Mongolian Academy of Science statt und wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds, das Kulturministerium der mongolischen Regierung sowie die MIAT Mongolian Airlines.
Dschingis Khan und die Welt der Mongolen
James-Simon-Galerie, bis zum 18. April 2027





