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Endgültig: der rote Marmor im Berliner U-Bahnhof Mohrenstraße stammt nicht aus Hitlers Reichskanzlei

Roter Marmor aus Thüringen schmückt die Wände im Berliner U-Bahnhof Mohrenstraße. Foto: IngolfBLN / Wikimedia Commons

Dokumente aus dem Archiv der Verkehrsbetriebe BVG räumen des hartnäckige Gerücht aus der Welt

Eine beliebte Schauerstory bei Stadtführungen durch Berlin ist, dass im U-Bahnhof Mohrenstraße der rote Marmor an den Wänden aus Hitlers Neuer Reichskanzlei stamme. Denn es handelt sich um ein für Metro-Stationen ungewöhnlich prachtvolles Material und der Standort der Reichskanzlei lag nur um die Ecke. Allerdings: die Geschichte stimmt nicht, wie die Berliner Zeitung berichtet hat.

In Wirklichkeit handelt es sich um Marmor (genauer: Dolomitmarmor) aus Thüringen, jedoch ist dessen Weg in den Berliner U-Bahnhof interessant. Detailliert dargelegt wird die Episode in den Verkehrsgeschichtlichen Blättern (Ausgabe 1/2016), basierend auf Dokumenten im Archiv der Verkehrsbetriebe BVG.

Ziel der DDR war es, den heutigen U-Bahnhof Mohrenstraße möglichst repräsentativ zu gestalten. Damals trug die Station nämlich den Namen von Ernst Thälmann, ehemals Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).

Zuvor hatte sie Kaiserhof geheißen. Sie lag direkt am Regierungsviertel aus preußischer Zeit und trug den Namen eines der luxuriösesten Berliner Hotels.

Im August 1950, zum 6. Jahrestag der Ermordung Thälmanns im KZ Buchenwald, sollte sie im neuen Gewand mit rotem Marmor aus Thüringen fertig gestellt sein.

Auch die Säulen sind mit Marmor verkleidet. Foto aus dem Jahr 2003: Jcornelius / Wikimedia Commons

Jedoch kam man im VEB Marmorwerk Saalburg mit dem Parteiauftrag nicht nach, war man doch damit ausgelastet, denselben Stein für das Planetarium in Stalingrad bereitzustellen.

Probleme gab es auch mit der Qualität des Materials. Die teils kuriosen Details sind ausführlich in den Verkehrsgeschichtlichen Blättern beschrieben.

Die Fehlinformation, der Marmor habe aus Hitlers Staatskanzlei gestammt, entstand nach dem Ende des Krieges, als Gebäude in der Stadt als Steinbruch für Neubauten genutzt wurden. Es war laut Bericht in der Berliner Zeitung das Nachrichtenmagazin Der Spiegel, der das Gerücht schwarz auf weiß verbreitete.

In Wirklichkeit fand Marmor aus der Neuen Reichskanzlei unter anderem am Sowjetischen Ehrenmal in Treptow Verwendung.

Verkehrsgeschichtliche Blätter

Natursteinwerk Saalburger Marmor

(10.04.2016)