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Wieso erzielen italienische Natursteinprodukte im Schnitt 1250 US-$ pro t, türkische jedoch nur 450 US-$ pro t?

Rückblick: Dr. Carlo Montani präsentiert auf der Marmomac 2016 diejenige Ausgabe des Buches (Nr. XXVII), die aktuell auf der Webpage des Verlages angeboten wird. Foto: Ennevi / Veronafiere

In Dr. Carlo Montanis Statistik-Jahrbuch „XXVIII Report Marble and Stones in the World 2017“ lassen sich Antworten auf viele Fragen finden

Statistiken sind wenig nützlich, wenn sie nur die Erfolge unter Beweis stellen. Haken wir also bei der Besprechung von Dr. Carlo Montanis aktuellem Statistik-Jahrbuch „XXVIII Report Marble and Stones in the World 2017“ im Schnelldurchgang diejenigen Tabellen ab, die einmal mehr die Leistungsfähigkeit der Natursteinbranche belegen:
* weltweit wurden im Jahr 2016 rund 296,4 Millionen t Naturstein in den Brüchen abgebaut (2015: 286,2 Millionen t). Die Zahl ist brutto, beinhaltet also auch den Abfall;
* der internationale Export erreichte 53.545 Millionen t (2015: 53.023 Millionen t);
* bis zum Jahr 2025 hält Dr. Montani ein jährliches Wachstum der Branche von 13% für möglich. Er begründet das mit dem Bauboom als Folge des weltweiten Bevölkerungswachstums und dem zunehmenden Interesse an natürlichen Materialien.

Auch die Rangliste der großen Player lässt sich schnell erledigen: die großen Fünf und ihr Anteil am Weltmarkt sind dieselben geblieben, wobei China sowohl in der Produktion als auch im Verbrauch nur noch auf jährliche Steigerungen im einstelligen Bereich kommt. Indien, derzeit auf Platz 2, könnte auf lange Sicht sowohl in Produktion als auch im Verbrauch den Spitzenplatz erreichen, mutmaßt Montani vorsichtig.

Quelle: „XXVIII Rapparto marmo e pietre nel mundo 2017 / XXVIII Report Marble and Stones in the World 2017“.

Greifen wir einen besonderen Aspekt in der langen Liste der Tabellen heraus, nämlich den Ertrag, den die Exporteure mit ihren Steinwaren erzielen: Italien liegt ganz vorn mit einem durchschnittlichen Preis von 1250 US-$ pro Tonne und weit abgeschlagen kommt am Ende die Türkei mit 450 US-$.

Achtung: die Rangfolge hier sagt nichts über die Bedeutung der einzelnen Länder für den Weltmarkt aus: Deutschland auf Platz 2 verkauft seine Waren zwar ebenfalls teuer ins Ausland, ist aber bei den Mengen nur ein Winzling.

Die spannende Frage ist, wie’s die Italiener (und genauso die Deutschen) schaffen, ihre Steinwaren so teuer zu verkaufen.

Einfach darauf zu verweisen, dass deren Produkte höheren Standards genügen, wäre arrogant. Man schaue sich nur die anderen Länder in Montanis Liste an.

Ein Aspekt ist, dass Italien den Markt für Luxusprodukte weitgehend exklusiv für sich hat. Dort werden gute Preise erzielt. Das ist aber nicht alles.

Die Antwort erkennt man beim Blick auf den Winzling Deutschland: es ist das „Made in Germany“, das die Preise und die Verkaufserlöse in die Höhe treibt. Im Fall von Deutschland ist die Steinbranche der Nutznießer des positiven Rufs, denn die deutsche Wirtschaft allgemein genießt; das „Made in Italy“ wird seit einigen Jahren gezielt als eine Verbindung der Steinprodukte mit Kultur, Geschichte und Lebensstil inszeniert.

Dieser Aspekt, nämlich Naturstein mit einem emotionalen Mehrwert unter die Leute zu bringen, taucht an vielen weiteren Stellen in Montanis Marktanalyse auf. „Marmor und Naturstein können gleichzeitig für ästhetische Werte und Funktionalität stehen, dies mehr als andere Materialien“, schreibt er, „sie gehören in die Sphäre der Kultur genauso wie in die der Wirtschaft“.

Einige weitere Aspekte in Kurzform:
* weltweit gibt es einen Trend hin zur Verwendung heimischer Materialien. Als Grund nennt Montani unter anderem die Tatsache, dass es nach Jahren der Investitionen in die Technik inzwischen praktisch überall professionelle Verarbeitungen gibt;
* erstmals wurden mehr Endprodukte als Rohmaterialien exportiert;
* der Abfall, der bei der Gewinnung und Verarbeitung entsteht beträgt nahezu 50% des Rohmaterials (in den oben genannten brutto 296,4 Millionen t stecken 151,4 Millionen t an Abfall; am Ende wurden aus der Gesamtmenge 85,6 Millionen t Steinprodukte hergestellt). Montani appelliert dringend an die Branche, schonend mit den Ressourcen umzugehen und mehr Verwendungen für die Reststücke zu entwickeln;
* Granit und Silikatgesteine erreichten erstmals einen Anteil am Weltmarkt von nahezu 40%;
* bei den Importstatistiken lohnt der Blick auf die Tabelle mit wenig beachteten Ländern wie Pakistan, Malaysia, Thailand oder Indonesien. Speziell erwähnt Montani Kirgisien;
* außergewöhnliche Wachstumsraten im privaten Wohnungsbau erzielten im Zeitraum von 2012 bis 2016 Australien und Südkorea.

Das Buch „XXVIII Rapparto marmo e pietre nel mundo 2017 / XXVIII Report Marble and Stones in the World 2017“ ist zweisprachig (Italienisch und Englisch), hat knapp 250 Seiten und ist bei Aldus Casa di Edizione, Carrara erschienen.

Leider gab es – trotz Nachfrage – bis Redaktionsschluss keine Hinweise auf der Webpage des Verlages, wie man das Buch beziehen kann.

Aldus Casa di Edizione

See also:

 

 

 

 

(12.12.2016)