www.stone-ideas.com

Hama Lohrmann: Stein, Holz, Lehm oder Pflanzenteile draußen in der Natur für eine Weile in eine menschliche Ordnung bringen

Hama Lohrmann: Steine und Erdpigmente. Marokko 2017.

Der deutsche LandArt-Künstler hinterlässt bei seinen Wanderungen über Land Zeichen, die alsbald von Wind und Wetter wieder verwischt werden

Wenn Sie, Liebe Leser, bei einem Spaziergang durch eine abgelegene Landschaft auf ein auffälliges Arrangement von Steinen, Holzstücken oder Pflanzenteilen treffen, denken sie nicht, dass es schon wieder die Außerirdischen waren. Fragen Sie eher herum, ob Hama Lohrmann dort eine Wanderung gemacht hat.

Und machen Sie auf jeden Fall ein Foto. Denn die Arbeiten des deutschen LandArt-Künstlers sind auf Vergänglichkeit und auf Nicht-Besitzen ausgelegt.

Falls nämlich nicht Stein das Material war, sondern Holz, Lehm oder Pflanzenteile, kann es gut sein, dass nach kurzer Zeit das Ganze schon wieder verwischt ist.

Hama (Hans-Martin) Lohrmann, gelernter Zimmermann und ehemals Extrembergsteiger, macht gerne weite Gänge durch Gegenden, wo der Wanderer schnell in der Weite verschwindet.

Dort genießt er die Unberührtheit der Natur, man kann auch sagen: er genießt die Un-Ordnung der natürlichen Landschaft als Gegensatz zur Ordnung der Menschen. Das natürliche Chaos, besser: das scheinbare Chaos der Natur, wiederum inspiriert ihn dazu, Materialien, die herumliegen, aufzunehmen und temporär neu zu arrangieren, dass das reizvoll für das menschliche Auge wird.

Hama Lohrmann: helle Steine, dunkle Steine. Schottland 2016.

Einfache Formen wie Linien oder Kreise sind es meist, die er seinen „Anordnungen“ gibt. „Anordnung“ ist der von ihm selbst gewählte Begriff für seine Art von Kunst.

Im Regelfall braucht er nur einen Tag für eine Arbeit. Das auch deshalb, weil er am Nachmittag noch Fotos einer fertiggestellten „Anordnung“ machen muss. Diese Dokumentation ist für ihn der Abschluss eines Werks.

Alles Weitere übernehmen Wind und Wetter, Wärme und Kälte: „die vollständige rückführung der kunstwerke in die natürliche ordnung durch die natur ist ein teil meines künstlerischen konzeptes und bedarf meiner mithilfe nicht“, schreibt er in einer Mail.

Inzwischen hat er von Island bis in die Schweizer Alpen oder bis nach Asien vielerlei „Anordnungen“ ins Land gesetzt. Etwa 500 davon bestehen aus Steinen.

Die sammelt er immer vor Ort. Seltener schafft er sie heran, wenn er etwa entlang eines seiner Wege Vogelbeeren von den Büschen erntet oder Erdgpimente aufliest und mitnimmt.

Farbliche Gegensätze spielen bei seinen „Anordnungen“ eine große Rolle. Weil: Farben „können eine arbeit gut akzentuieren“, schreibt er.

Hama Lohrmann: Steine, Erdpimente. Goa 2005.

Botschaften will er nicht vermitteln – klar, vergängliche Werke wären dafür auch denkbar ungeeignet. Allenfalls ist es ihm ein Anliegen, den Betrachter zu Empfindsamkeit anzustiften oder zu Freude angesichts einer „Anordnung“.

Weniger zurückhaltend ist er, was die Abgrenzung gegenüber dem üblichen Kunstbetrieb angeht. Dessen ökonomische Verwertung der Werke von Künstlern mag er nicht wirklich – weshalb er seine Arbeiten ja auch weit draußen und nicht dauerhaft fertigt.

Jedoch macht er Kompromisse: im Dorf Bonstetten nahe seiner Heimatstadt Augsburg unweit von München hat er während 3 Jahren pro Jahr 3 Kunstwerke geschaffen. Die Gemeinde benutzt die 9 Beispiele von LandArt für ihr Marketing, und Hama Lohrmann macht gelegentlich selber Führungen.

Auch Arbeiten in Innenräumen findet man auf seiner Webpage.

In dem Beruf als Zimmermann arbeitet er „noch heute und auch gerne“ im Alleingang, wie er schreibt. „ökonomische sicherheit war bisher in meinem leben nicht so direkt im focus. kann sein, dass sich das noch rächen wird, aber sei´s drum“, merkt er an.

Auf der Webpage findet man unter aktuell > publikationen Sammlungen und Kalender mit Fotos seiner Werke.

Hama Lohrmann

Fotos: Hama Lohrmann

(02.02.2018)