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Professor Johannes H. Schroeder ist im Alter von 79 Jahren verstorben

Sich immer voll ins Zeug legen: Johannes H. Schroeder bei einer Führung im Museumspark Rüdersdorf. Foto: Dr. Gerda Schirrmeister

Nicht nur beruflich ein Fan der Gesteine, spielte er auch eine wichtige Rolle im Zusammenkommen der Geologen aus beiden Teilen Deutschlands

Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Wenn ein alter Mensch stirbt, ist das, als ob eine Bibliothek verbrennt.

Das gilt in besonderem Maße für Professor Johannes H. (Herbert) Schroeder, und das nicht nur wegen seines Fachwissens, sondern auch wegen seiner Begeisterung für die Wissenschaft und einer schieren Freude an den Gesteinen.

Dabei war es immer sein Anliegen, dass vorhandenes Wissen nicht in Vergessenheit geraten dürfe: So sah er nach der Wende in Deutschland früh die Gefahr voraus, dass das Ergebnis der jahrzehntelangen Forschungen der Kollegen aus dem Osten fortan hintan gestellt werden könnte, und so setzte er einmal mehr sein Können als Netzwerker ein.

Er brachte die Geologen aus beiden Teilen Deutschlands zusammen, unter anderem im Verein der Geowissenschaftler Berlin-Brandenburg und in vielen weiteren Initiativen, etwa dem Netzwerk „Steine in der Stadt“.

Dafür wurde er im Jahr 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse geehrt.

Schon seit einigen Jahren hatte er sich aus seinen prägenden Rollen in diesen Initiativen zurückgezogen und die Nachfolge bestellt.

Der Lebensweg von Johannes H. Schroeder war bunt und, wie es sich für einen Wissenschaftler geziemt, nicht auf das Heimatland beschränkt. Er war Sedimentologe und auch Meeresgeologe, und bewährte sich als Forschungstaucher unter anderem am Great Barrier Reef.

In Afrika und sogar in der Antarktis war er unterwegs, nachdem er von der George Washington University in der US-Hauptstadt den Doktortitel bekommen hatte.

Seit 1978 war er Professor an der TU Berlin, und eines seiner privaten Steckenpferde waren die Natursteine an Gebäuden. In den zahlreichen Büchern mit Spaziergängen zu Steinen in deutschen Städten fügte er den Beschreibungen vor Ort, für die er immer wieder die Kollegen aktivierte, seine eigenen Erklärstücke über die großen Zusammenhänge hinzu, etwa zum Kreislauf der Gesteine und zum Recycling, das die Natur hier über die für Menschen unvorstellbaren Zeiträume von Millionen von Jahren verwirklicht.

Neben solcherart anschaulich Geschriebenem war er auch ein Meister der Show der unauffälligen Art. Wenn etwa bei Führungen draußen oder bei Podiumsdiskussionen drinnen das Publikum besonderes Interesse zeigte, lief er gern zu großer Form als witziger Alleinunterhalter auf.

Gelegentlich erzählte er dann auch die Episode, wie er überhaupt zur Geologie kam.

Denn als Kind wuchs er in Schleswig-Holstein auf, aber „dort gibt es in Sachen Stein nur Findlinge und damit ist basta“, wie er einmal sagte. Jedoch war die Familie groß, und sie hatte ihren Ursprung in Sinzig in der Eifel, und also fuhren die Nordlichter sommers zu den Verwandten an den Rhein. „Begeistert erkundete meine Mutter mit uns 5 Kindern die Region“, schrieb Schroeder in jenem pdf-Stadt-Spaziergang, den er in späten Jahren extra für Sinzig erstellt und seinem Ururgroßvater Gustav Bunge und Mutter Ruth gewidmet hatte.

Was also konnte der Bub da auch tun, außer die Angewandten Geowissenschaften als Beruf zu wählen? merkte er gerne mit der ihm üblichen feinen Selbstironie an.

Johannes H. Schroeder ist am 27. März 2018 im Alter von 79 Jahren verstorben.

In seiner Todesanzeige heißt es: „Wer mit ihm danken möchte, spende für das Schulprojekt ,denkmal aktiv’ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. IBAN: DE71 500 400 500 400 500 400; BIC: COBADEFFXXX; Zweck: denkmal-aktiv – J. H. Schroeder“.

Netzwerk „Steine in der Stadt“

(06.04.2018)