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Wie Hersteller von Keramik, Quarzkomposit und Engineered Stone den Namensklau praktizieren

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Die Frage, wie sich Titel wie „Marmor“ oder „Calacatta“ schützen lassen, wird weiter diskutiert / Reinemachen in der Branche?

Das Thema Namensklau geht weiter. Gemeint ist damit, dass sich keramische Produkte, Quarzkomposite und Engineered Stone als „Marmor“ oder sogar als berühmte Natursteinsorten wie „Calacatta“ bezeichnen. Über Möglichkeiten, zumindest in der EU juristisch dagegen vorzugehen, hatten wir berichtet (Links siehe unten).

Das spanische Cluster de la Piedra Natural hat eine Analyse der Situation zuhause erstellt, und Javier Fernandez hat uns diese auf englisch zugeschickt. Dort gab es 2002 ein Verfahren gegen den Namensklau, das der nationale Natursteinverband (Federación Española de Piedra Natural, FDP) angestrengt und gewonnen hatte.

Es lief vor der so genannten Autocontrol ab, einer Einrichtung gegen unlauteren Wettbewerb. Diese Organisation funktioniert als Selbstkontrolle der Werbebranche und behandelt auch Klagen, die von außen an sie herangetragen werden.

Seitdem hatte es kaum Fälle von Namensklau gegeben; nun kommen sie wieder gehäuft vor, so Cluster Piedra. Wie kann die Natursteinbranche dem DAUERHAFT entgegenwirken? war die Frage, um die es in der Analyse ging.

Aktuell sei der einzige Weg, wieder bei Autocontrol vorstellig zu werden, so das Fazit. Dauerhaft würde wohl nur eine Geschützte Ursprungsbezeichnung wirken, wie sie auf EU-Ebene für Naturstein im Gespräch ist. Allerdings ist nicht in Kürze mit solch einem Schutz zu rechnen.

Apropos Markenzeichen: fein raus sind die Produzenten des Marmors Macael (Mármol Macael) und des Pinacal Kalksteins (Piedra natural de Castilla y Léon, Pinacal). Sie haben das aufwändige Verfahren für solch eine Marken-Registrierung durchlaufen und die Namen ihrer Steine seit 2004 geschützt.

Unser Screenshot zeigt eine Studie aus dem italienischen Newsletter Apuo Versilia Produce: die rote Linie zeigt Engineered Stone und Quarzkomposit, die grüne Keramik und die blaue Naturstein.

Zahlen über die Märkte und den Anteil künstlicher Steinmaterialien liegen kaum vor. Unser Screenshot zeigt eine Studie aus dem italienischen Newsletter Apuo Versilia Produce. In der Ausgabe 102 wurde eine Analyse von Massimo Marcesini vom Forschungsinstitut ISR (Istituto di Studi e Ricerche) für die Exporte italienischer Firmen in die USA vorgestellt: die rote Linie zeigt Engineered Stone und Quarzkomposit, die grüne Keramik und die blaue Naturstein.

Neue Denkansätze

In der weltweiten Diskussion, wie die Natursteinbranche mit der immer stärkeren Konkurrenz durch Quarzkomposit und Engineered Stone umgehen soll, sind inzwischen ein paar neue Denkansätze aufgetaucht.

Ein Vorschlag ist, die Kunststeine von den Natursteinmessen zu verbannen. Wonasa-Präsident Baha Ali Şayakcı hatte sich kürzlich in diese Richtung geäußert.

Allerdings: immer mehr Natursteinfirmen produzieren selber Kunststeine. Daran tun sie sogar gut, denn es gibt auf dem Markt eine große Nachfrage danach.

Außerdem besteht mit solchen Materialien die Möglichkeit, Restmaterial aus den Steinbrüchen und der Produktion zu verwerten.

Das führt zu einem anderen Denkansatz, nämlich den Kampf gegen die Kunststeine generell aufzugeben und statt dessen mit ihnen eine Art von Steinfamilie zu gründen. Die Idee basiert darauf, dass Quarzkomposite und Engineered Stone zu mehr als 90% aus Natursteinmehl bestehen.

Dann aber müsste man logischerweise auch Glas in die Familie der Steine aufnehmen. Denn es besteht wie Granit aus Silizium. Außerdem würde der Namensklau weitergehen.

Wie Firmen den Namensklau praktizieren

Wir haben wieder ein paar Beispiele zusammengetragen, wie Keramik- oder Kunststeinhersteller bei der Benennung ihrer Materialkopien verfahren:

Der große Keramikhersteller Fiandre - ehemals: Graniti Fiandre - verwendet die Bezeichnung „Marble/Granite effect“.
* der große Keramikhersteller Fiandre verwendet die Bezeichnung „Marble/Granite effect“;

* ebenfalls von „Efetto Marmo“ spricht der Keramikhersteller Orsolini;

Panaria verwendet für seine Kollektion „Trilogy“ gleich zwei typische Attribute des echten Marmor und spricht vom „eternal charm of marble effect stoneware“.
* Panaria verwendet für seine Kollektion „Trilogy“ gleich zwei typische Attribute des echten Marmor und spricht vom „eternal charm of marble effect stoneware“;

* die Firma Porcelanoso hat eine Keramik namens „Calacatta Gold“ im Programm;

* die deutsche Firma Gutjahr nennt ihre Kunststeinmarke „Bella Marmor“;

* Pizarreño aus Chile hat Platten aus Faserzement namens „Marmolado“ und „Piedra“;

Die polnische Firma Ziel-Bruk hat Betonfliesen, die nach ihren Farben zum Beispiel „wapien“ (Kalkstein) oder „piascawiec“ (Sandstein) heißen.
* die polnische Firma Ziel-Bruk hat Betonfliesen, die nach ihren Farben zum Beispiel „wapien“ (Kalkstein) oder „piascawiec“ (Sandstein) heißen.

Neben denjenigen Herstellern, die ganz offen Namensklau betreiben, gibt es also auch solche, die vorsichtiger und kreativ damit umgehen.

Übrigens: das Thema ist auch für die Natursteinbranche selbst brisant und könnte ein Reinemachen im eigenen Haus mit sich bringen.

Es gibt einen echten Marmor aus der Türkei mit dem falschen Namen „Calacata“, geschrieben mit nur einem „t“ und ergänzt um die Zusätze „Oro“ beziehungsweise „Verde“.
Denn es gibt zum Beispiel einen echten Marmor aus der Türkei mit dem falschen Namen „Calacata“, geschrieben mit nur einem „t“ und ergänzt um die Zusätze „Oro“ beziehungsweise „Verde“. Wir zeigen einen Screenshot aus einer türkischen Fachzeitschrift.

Eine andere Variante sahen wir kürzlich auf der Messe in Izmir.
Eine andere Variante sahen wir kürzlich auf der Messe in Izmir.

Und: Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Importeure aus der EU Sorten aus fremden Ländern einführen und sie dann umgerubelt als angeblich europäische Materialien wieder auf den Markt bringen.

Schließlich: was manchmal nach Namensklau aussieht, ist vielleicht gar keiner: Mancher „Calacatta“, der aus China kommt, ist tatsächlich ein Original. Denn der Stein wurde als Rohblock ins Reich der Mitte transportiert und kommt verarbeitet von dort zurück.

Naturstein „keramisch interpretiert“

Cluster de la Piedra Natural, download

Geschützte Ursprungsbezeichnung

Apuo Versilia Produce

Wonasa-Präsident Baha Ali Şayakcı

(11.04.2018)