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„Naturstein keramisch interpretiert“ und andere fantasievolle Produktbezeichnungen

Logo von Euroroc.

Kann die Steinbranche etwas gegen den Namensklau durch Keramik und Engineered Stone tun? Eine Recherche zum Stand der Dinge

Es geht um Verbraucherschutz, der in der Europäischen Union (EU) ein wichtiges Gut ist. Im letzten Jahr gab es gleich zwei markante Urteile dazu: Im Dezember untersagte der Europäische Gerichtshof (EuGH) einer chinesischen Firma, ihr Computer-Tablet „Mi Pad“ mit diesem Namen in Europa auf den Markt zu bringen. Die Verwechslungsgefahr mit Apples iPad sei zu groß, so die Richter.

Im Juni hatte das höchste Gericht der 28 Staaten Warenbezeichnungen wie „Soja-Milch“ verboten: Milch komme vom Tier, und insofern würde der Verbraucher bei einem Produkt aus Sojabohnen allzu leicht meinen, es sei aus echter Milch hergestellt. Aus demselben Grund seien auch Warennamen wie „Veggie Cheese“ (vegetarischer Käse) nicht zu erlauben.

Darauf aufbauend hatte im September die italienische Confindustria Marmomacchine vor dem Dachverband der europäischen Natursteinverbände (Euroroc) den Vorschlag eingebracht, zu überprüfen, ob man mithilfe des EuGH-Urteils verbieten könne, dass keramische Fliesen unter Bezeichnungen wie zum Beispiel „Marmor“ oder sogar „Marmor Arabescato“ verkauft werden.

Wohlgemerkt: es ging Flavio Marabelli, der die Initiative vortrug, nicht darum, diese Produkte als solche vom Markt zu verdrängen. Ziel war, den Namensklau zu verhindern und – bildlich gesprochen – dafür zu sorgen, dass bei einem Produkt, auf dem Marmor drauf steht, auch Marmor drin ist.

Euroroc hat entsprechende Recherchen in Auftrag gegeben und geht davon aus, dass bis zum Frühjahr eine juristische Bewertung der Chancen für solch ein Verbot vorliegt.

Wir haben in einer Recherche verschiedene Aspekte zu dem Thema zusammengetragen.

Materialkopien sind eine Begleiterscheinung der technischen Entwicklung. Ein ganz aktuelles Beispiel ist ein veganes Leder des US-Startups mit dem schönen Firmennamen Modern Meadow (Moderne Wiese): das Grundmaterial wird von Hefezellen produziert. Es trägt den Markennamen Zoa und wird als „Bioleather“ (Bioleder) angepriesen.

In der Keramikindustrie gibt es mit der hochauflösenden Drucktechnik Kopien beinahe aller Materialien, zum Beispiel Holz, Beton, Metall, um nur einige zu nennen, und eben auch Naturstein.

Gegen solche nachgemachten Stoffe kann man nichts tun. Gegen den Namensklau jedoch kämpfen Natursteinverbände schon länger. Dies aber nur auf nationaler Ebene.

Ein Weg ist dabei die Geschützte Ursprungsbezeichnung: kürzlich hat die Bretagne ihren „Granit Breton“ schützen lassen. Nun gilt, dass importierte Granite oder auch solche aus anderen Regionen des Landes nicht unter dieser Bezeichnung in Frankreich auf den Markt gebracht werden dürfen.

In Deutschland gibt es eine Liste der heimischen Natursteine. Die darin genannten Steinnamen sind dadurch ebenfalls geschützt, allerdings nur für Deutschland.

Über die Situation in Spanien werden wird in Kürze berichten.

Die italienische Euroroc-Initiative geht nun aber weiter: zum einen will sie erreichen, dass der Namensklau in allen EU-Ländern verboten wird. Zum anderen geht es nicht nur um die Namen einzelner Sorten, sondern auch um den Schutz der Materialbezeichnungen wie „Marmor“ oder „Granit“.

Die Begründung orientiert sich am EuGH-Urteil zur Soja Milch: so wie jener Name verboten wurde, weil Milch immer vom Tier kommt, soll auch die Bezeichnung „Marmor“ für ein Keramikprodukt verboten werden, weil Naturstein von der Natur und nicht vom Menschen kommt.

Schauen wir einmal nach, welche Arten von Namensklau es gibt.

Die auffälligste Variante ist die Übertragung eines bekannten Naturstein-Namens auf ein anderes Material. Als Beispiel nennen wir den Engineered Stone „Nero Marquina“ der Firma Neolith. Das Material wurde übrigens im Jahr 2017 mit einem der renommierten Red-Dot-Awards ausgezeichnet. Die Jury formulierte in der Begründung vorsichtig: „Als Inspirationsquelle für die zeitlose Gestaltung der Sinterstein-Oberfläche Nero Marquina dient spanischer Marmor.“

Moncibec: Katalog „Pietre naturali“.

Manche Firmen benennen ganze Kollektionen nach Naturstein. So hat das italienische Keramikunternehmen Monocibec einen kompletten Katalog mit der Bezeichnung „Pietre Naturali“.

Andere Hersteller von Materialkopien sind bei ihrer Namensgebung zurückhaltender und stellen nur einen Anklang an das Original her: Mitunter heißt es, ein Material habe „Steinoptik“.

Gelegentlich gibt es Verbindungen von Begriffen: Caesarstone hat zweien seiner Quarz-Kunststeine die Namen „Statuario Maximus“ beziehungsweise „Calacatta Nuvo“ gegeben.

Bei dem Engineered Stone Silestone der Cosentino Group gibt es die Sorten „Marquina“, „Statuario“ und „Calacatta Gold“.

Richtig fantasievoll sind mitunter die Angaben zu den Farben: „Muschelkalk“ liest man gelegentlich als Beschreibung für den Farbton einer Keramikfliese.

Bei einem Hersteller haben wir die sehr originelle Formulierung „Naturstein keramisch interpretiert“ gefunden.

Dabei geht es auch anders. Viele Hersteller von Keramiken oder Engineered Stone haben für ihre Produkte ganz eigene Namen kreiert.

Cosentino bringt den neuen Kunststein Dekton nur mit eigener Namensgebung auf den Markt. Damit soll wohl auch deutlich gemacht werden, dass, laut Firmenangaben, das Material dem Naturstein überlegen ist.

myPad < > iPad

Modern Meadow

Soja Milch

Granit Breton

Euroroc

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(14.01.2018)