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Was das Lager so hergibt: Salvatori setzt mit der japanischen Kintsugi-Technik Bruchstücke uralter Platten neu zusammen

Salvatori: „The Lost Stones“.

Rund um die Marke „The Lost Stones“ gibt es allerlei Wortgeklingel aus der Designerkiste

Vor kurzem hatten wir in einem Bericht gefragt, wie eigentlich jener Mehrwert praktisch aussehen soll, der dem Naturstein per Design mitgegeben wird. Es gab dazu zahlreiche Leserkommentare, und gerade hat die Firma Salvatori ein neues Projekt vorgestellt, das eine ganz besonders exklusive Antwort auf unsere Frage gibt.

„The Lost Stones“ heißt die neue Marke, mit der Salvatori seine bekannte Produktreihe „Lithoverde“ weiterführt.

Salvatori: „Lithoverde“. Foto: Salvatori

Lithoverde war ehemals die Wiederverwendung von Abfall aus der Natursteinverarbeitung. Die Firma kam damit 2011 als erste auf den Markt.

Die neue und die alte Marke sind sich sehr ähnlich: bei beiden werden Bruchstücke zusammengeklebt und neu zugeschnitten.

Während es aber bei Lithoverde um das Verwerten einer Vielfalt an unterschiedlichen Abfallstücken geht, beschränkt sich Lost Stones auf die Bruchstücke einer einzigen Platte. Man habe im Firmenlager Stücke aus jenen Marmorsorten gefunden, wie sie für Mies van der Rohes Barcelona Pavillion, für die Kathedrale Notre-Dame oder im Jahr 1500 für die Petersbasilika benutzt wurden.

Nun aber geschieht das Zusammenkleben von deren Bruchstücken nicht mit einem x-beliebigen Harz, sondern nach Art der Kintsugi-Technik, mit der in Japan zerbrochenes Keramikgeschirr repariert wurde und wird. Der Designer Piero Lissoni hat sich davon inspirieren lassen.

Im Mittelpunkt der japanischen Technik steht, die Bruchlinie sichtbar zu halten, ja sogar deutlich zu überhöhen. Deshalb wird der Riss mit einem Harz aufgefüllt, das Pulver von Metallen enthält und zum Beispiel wie Gold aussehen kann.

Die Oberfläche der Platte wird anschließend geschliffen und neu poliert. Die Bruchlinien bleiben deutlich sichtbar.

Wie also wird hier der Mehrwert erreicht?

Zum einen schlicht durch die neu gewonnene Funktionalität der Platte.

Zusätzlich dazu hat Salvatori ein bisschen Spektakel drumherum inszeniert: der eigene Firmenname wird mit einem Designernamen gepaart, und es gibt einen Bezug zu einer exotischen Kulturtechnik.

Das Material bekommt durch das goldfarbene Harz noch einen besonderen Touch. Storytelliing gibt es reichlich, wenn die berühmten Bauwerke erwähnt werden.

Und schließlich wird auch noch ein ganz großer Bogen zur Begrenztheit der Ressourcen gespannt: mit dem Lost-Stones-Konzept wolle man „Stein nutzen, ohne wieder die Berge zerschneiden zu müssen“, heißt es in einem Firmenvideo.

Das Ganze gibt es nur als Limited Edition: „Wenn die vorhandenen Bruchstücke aufgebraucht sind, ist Ende“, informiert die Webpage.

So viel Emotionen in einem einzigen Produkt findet man selten.

Salvatori „The Lost Stones“

Video

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(08.05.2019)