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Budri auf dem Salone del Mobile: Naturstein wie ihn die Natur nicht kennt

Budri, Gwenael Nicolas: „Marmor Natvm“.Budri, Gwenael Nicolas: „Marmor Natvm“.

Auf der Messe in Mailand spielte die italienische Firma zusammen mit dem Designer Gwenael Nicolas durch, wie weit man mit Inlays gehen kann

Aus Natursteinsicht war der Höhepunkt der diesjährigen Möbelmesse Salone del Mobile in Mailand (09.-14. April 2019) der Stand der italienischen Firma Budri. Die ist bekannt für Ideen, die bis zum Horizont gehen und gerne auch darüber hinaus reichen. Auch Grenzüberschreitungen mit Marmor gehören zu ihrem Repertoire.

Diesmal war, zusammen mit dem Designer Gwenael Nicolas, das Thema „Marmor Natvm“ (Geburt des Steins), wie uns Alessandra Malagoli sagte, zusammen mit Ehemann Gian Marco Budri Chefin und Vordenkerin der Firma.

Mit „Zerteilen und neu Zusammensetzen“ könnte man das Thema im übertragenen Sinne auch auf den Punkt bringen.

Das klingt unproblematisch. Aber am Stand von Budri auf dem Salone ging es richtig zur Sache.

Budri, Gwenael Nicolas: „Marmor Natvm“.Budri, Gwenael Nicolas: „Marmor Natvm“.

Da gab es zahlreiche Inlays, wie man sie noch nicht gesehen hatte: Platten für Tische oder Konsolen, in die kleine Steinsplitter eingefügt waren oder Spiegel mit Tropfen aus Stein.

Man kann sich kaum vorstellen, wie die Spezialisten der Firma das bei der Vielfalt der Schnipsel hinbekommen haben. Klar ist lediglich, dass es viel Zeit kostet und dass sich das im Preis niederschlägt.

Natürlich sind die wirklich Reichen die Zielgruppe von Budri. Jedoch: anders als viele andere italienische Firmen macht das Unternehmen keine spektakulären Objekte, die nur der Dekoration dienen und mit denen man lediglich angeben kann, sondern Alltagsgegenstände der ganz besonderen Art.

Bei einem Tisch (siehe Fotos oben) ging das Einsetzen der Inlays in die Platte so weit, dass er nun eine Stahlplatte darunter hat, die das Marmorpuzzle trägt. Rund 3 Wochen habe man daran gearbeitet, so Alessandra Malagoli im Gespräch ganz nebenbei.

Budri, Gwenael Nicolas: „Marmor Natvm“.

Als kleines Schmankerl gab es an auf dem Stand eine Wand, wo eine Übersicht der Schnipselformen zusammengestellt war. Klasse, das.

Budri, Gwenael Nicolas: „Marmor Natvm“.

Bei anderen Tischen waren geometrische Formen zusammengefügt. Hier wurde auf höchsten Niveau mit den Strukturen im Stein gespielt.

Budri, Gwenael Nicolas: „Marmor Natvm“.Budri, Gwenael Nicolas: „Marmor Natvm“.

Damit nicht genug: eine lange Wand am Stand war mit einem weißen Marmor mit schwarzen Adern verkleidet ebenso der Fußboden. Was soll das Besondere denn daran sein? mag man sich fragen.

Ganz einfach: die kompletten Adern waren ein Inlay. Das war Naturstein wie ihn die Natur nicht kennt, sozusagen.

Muss man das machen? Darf man das?

Zu verstehen sind die innovativen Inlays nur, wenn man sich ihnen von der Seite der Kunst nähert. Denn Budri macht, wie gesagt, Kunst, und weil die Beteiligten wirklich große Künstler sind, steckt in den Objekten auch eine Botschaft.

Diesmal hat Budri – zusammen mit dem japanisch-französischen Designer Gwenael Nicolas – zwei Themen aufgegriffen, die in der Natursteinwelt auf der Straße liegen. Wir interpretieren jetzt:

* Bei dem einen geht es um einen neuen Umgang mit dem edlen Material. Bisher war es in der Branche so, dass man aus einem Rohblock das gewünschte Objekt herausholte und dass das, was übrig blieb, Abfall war. Die Arbeit der Bildhauer macht es anschaulich: am Ende ist aus dem Rohblock ein Kunstwerk geworden – mit einem Haufen Steinschnipsel drumherum.

Die aktuelle Diskussion geht darum, ob man nicht auch Gegenstände auf den Markt bringen kann, bei denen zum Beispiel ein Objekt aus dem anderen hervorgeht und man Material (und Energie) spart. Angestoßen hat sie Raffaello Galiotto, Industriedesigner aus Italien.

Budri nun hat sich diesem Thema von der künstlerischen Seite angenommen, und die Schnipsel wiederverwendet, um daraus etwas ganz Neues entstehen lassen – einen Stein, den es so in der Natur nicht gibt.

* Bei dem anderen Thema geht es um die Konkurrenz seitens neuer Kunststeine wie Engineered Stones oder Quarzkompositmaterialien. Heftig wird in der Branche zum Beispiel darüber diskutiert, ob man diese Stoffe überhaupt als Aussteller auf die Steinmessen lassen soll.

Budri stellt die Diskussion einfach auf den Kopf und macht aus Naturstein etwas, was zweifellos noch Naturstein ist, und dennoch von Menschenhand kommt. Ganz kurz ausgedrückt: Kunststein? – Können wir auch!

Budri, Gwenael Nicolas: „Marmor Natvm“.

Der Vollständigkeit halber wollen wir noch erwähnen, dass es am Stand auch eine Präsentation von Natursteinschmuck und die Inszenierung eines entsprechenden Verkaufsraums gab.

Budri

Fotos: Budri / Peter Becker

Budri, Gwenael Nicolas: „Marmor Natvm“.Budri, Gwenael Nicolas: „Marmor Natvm“.

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(27.05.2019)