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Projekt „Life in Quarries“: bedrohten Arten in aktiven Steinbrüchen Lebensräume geben

Screenshot aus dem Video „Life in Quarries“.

Mit wenig Aufwand können nahe bei aktiven Abbauzonen Rückzugsgebiete für Tiere und Pflanzen eingerichtet werden

„Mit begrenztem Aufwand können Steinbrüche eine entscheidende Rolle beim Schutz bedrohter Arten spielen“, ist einer der Kernsätze in einem Video über das Projekt „Life in Quarries“ in der belgischen Region Wallonien. Gefördert von der EU, haben sich dort Stein- und Schotterfirmen sowie Naturschützer und Wissenschaftler zusammengetan, um praktische Erfahrungen mit dem in dem Titel des Videos formulierten Ziel zu sammeln: die mineralischen Materialien sollen nicht nur auf umweltverträgliche Art und Weise gewonnen werden, sondern sogar mit umwelt-förderlichen Methoden.

Das Projekt begann im Jahr 2015 und läuft noch bis 2020. Erste Erfahrungen kann man schon auf der Webpage finden.

Alles in allem: die Erkenntnisse sind wenig spektakulär. Das ist kein Wunder. Denn die Tiere, um die es hier vor allem geht sind eher klein und unauffällig. Es handelt sich zum Beispiel um „Uferschwalbe, Eidechsen, Kreuzkröte und typische Algen“. Die sind vom Aussterben bedroht, weil ihre Lebensräume aus der heutigen Landschaft verschwunden sind.

Einige der empfohlenen Maßnahmen: für Kröten reicht manchmal schon eine Fahrrinne, in der für Frühjahr und Sommer das Wasser steht, damit sie ihren Laich ablegen können und der sich entwickeln kann. Anders gesagt: wenn der Bruchbetreiber mit der Baggerschaufel irgendwo außerhalb der aktiven Abbauzone im Boden kratzt, entsteht dort alsbald ein Pioniergewässer, in das diese Tiere einwandern und um das herum sich Pflanzengemeinschaften ansiedeln.

Worum es dann nur noch geht, ist, dass solche Rückzugszonen in Ruhe gelassen werden.

Das wiederum heißt nicht, dass man Schutzzäune drumherum hochziehen soll. Vielmehr reicht schon, mit ein paar dicken Steinbrocken eine Barriere zu errichten, die „ein unnötiges Betreten oder Befahren“ der Rückzugszone verhindert, wie es im Video heißt.

Ähnlich verhält es sich mit Geröllhalden. Die kann man irgendwo zusammenschieben und sich dann selbst überlassen.

Screenshot von der Webpage von „Life in Quarries“.

Das Projekt will solche Einzelaktionen zu einem „dynamischen Biodiversitäts-Management“ zusammenbinden.

Dieses Management wird auch nicht spektakulär sein: wenn etwa eine bisherige Rückzugszone künftig genutzt werden soll, kann man an anderer Stelle eine neue Zone einrichten und im Winter Pflanzen und Samen dorthin umsetzen.

Im Wesentlichen geht es um nicht viel mehr als Aufmerksamkeit und Rücksicht gegenüber den Belangen der Lebewesen um uns herum.

Klar ist dabei, dass den Mitarbeitern vor Ort die zentrale Rolle bei der Umsetzung der Maßnahmen zukommt. In den ersten beiden Jahren des Projekts haben deshalb 56 Beschäftigte an Weiterbildungen teilgenommen. „An 49 Orten gibt es jetzt Verantwortliche für Biodiversität“, so der Stand der Dinge 2015.

Wie aber soll erreicht werden, dass Tiere und Pflanzen in ein Steinbruchgelände einwandern? Im Regelfall geschieht das von alleine, da die Natur zahlreiche Mitfahrgelegenheiten bietet: etwa den Wind, das Gefieder von Wasservögeln oder auch Überschwemmungen durch Bäche und Flüsse. Wenn ein Einwanderer an Ort und Stelle geeignete Bedingungen findet, wird er sich ansiedeln und vermehren.

Wichtig ist auch, dass es so genannte „Trittsteine“ innerhalb eines großen Steinbruchs und in der Landschaft drumherum gibt. Gemeint sind damit zum Beispiel kleine Wasserstellen mit Gestrüpp drumherum, über die die Tiere bei ihren Wanderungen vorankommen können.

Das Projekt „Life in Quarries“ verfügt über ein Budget von 5 Millionen €. Davon kommen 56% von der EU, 21% von den Firmen, 20% von der Region Wallonien und 3% von weiteren Partnern. Eingebunden ist auch die Universität von Liège-Gembloux und die regionale Umweltorganisation Natagora.

Life in Quarries

Video

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(22.07.2019)