Nach Cäsars Ermordung verursachte ein Vulkanausbruch in Alaska eine weltweite Wetteranomalie, die zum Ende der Römischen Republik beitrug

Der Okmok erhebt sich als breiter Schildvulkan 1073 m über dem Meeresspiegel mit einer 10 km breiten Caldera, die während des Ausbruchs im Jahr im Jahr 43 vor Christus geformt wurde. Foto: NASA Earth Observatory, U.S. Geological Survey, Joshua Stevens

Für ein paar Jahre gab es im Mittelmeerraum Missernten, Hungersnöte und soziale Unruhen

Ein Vulkanausbruch im Jahr 43 vor Christus hat womöglich zum Untergang der Römischen Republik beigetragen. Die große Überraschung: Es war der Vulkan Okmok, der damals das Wetter im Mittelmeerraum durcheinanderbrachte, und er befindet sich in Alaska.

In der Zeit um Julius Cäsars Tod im Jahr 44 vor Christus, so kann man in historischen Quellen nachlesen, war es ungewöhnlich kalt. In der Mittelmeerregion gab es Missernten, Hungersnöten, Seuchen und soziale Unruhen. Dass an dieser Wetteranomalie ein Vulkanausbruch schuld war, haben Historiker schon lange vermutet, doch wann und wo sich ein solcher Ausbruch zugetragen hatte und wie stark dieser war, ließ sich bis dahin nicht sagen.

Nun aber liefert eine in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) erschienene Studie Antworten auf diese Fragen: Zu Beginn des Jahres 43 vor Christus brach der Vulkan Okmok auf den Aleuten-Inseln vor Alaska in einer gewaltigen Explosion aus. Die Explosion schleuderte schwefelhaltige Gase und Asche über 30 km hoch in die Atmosphäre und hinterließ einen Sprengkrater mit einem Durchmesser von 10 km.

Die Folgen waren global. Kleinste Schwefelsäure-Tröpfchen verblieben über 2 Jahre lang in der Atmosphäre – und sorgten in der nördlichen Hemisphäre für eine der kältesten Phasen der vergangen 2500 Jahre.
Auf entsprechende Belege stieß ein Wissenschaftlerteam aus 6 Ländern in einem Eisbohrkern aus Grönland. Geochemische Analysen der im Eis eingefrorenen Asche zeigen zweifelsfrei den Fingerabdruck des Vulkans Okmok in Alaska und machten es möglich, das Ereignis im Computer zu simulieren.

Nach diesen Simulationen war es auf der Nordhemisphäre im Sommer und Herbst der Jahre 43 und 42 vor Christus durchschnittlich 3 Grad Celsius und möglicherweise bis zu 7 Grad kälter als normal. In ganz Südeuropa war es zudem extrem feucht: Die Sommerniederschläge lagen zwischen 50 und 120 Prozent höher als gewöhnlich, und im Herbst regnete es gar viermal so viel wie üblich.

Dementsprechend schlecht fiel die Ernte aus.

Die Leidtragenden dieser Wetterextremen waren unter anderem die Armeen der Mörder von Cäsar und seiner Anhänger, die sich in einem blutigen Bürgerkrieg gegenüberstehenden. Der antike Geschichtsschreiber Plutarch berichtet ausführlich darüber.

Die Caldera des Vulkans Okmok auf den Aleuten, mit den Vulkanen Vsevidof und Recheshnoi im Hintergrund. Die zu Alaska gehörende Inselkette der Aleuten zählt zu den aktivsten Vulkanregionen der Erde. Foto: Kerry Key, Scripps Institution of Oceanography

Ebenso gravierend war der Vulkanausbruch für den Norden Afrikas. Dort verschob sich der Sommermonsun in den Süden, und in Ägypten blieb die jährliche Sommer-Flut des Nils vollständig aus. Das wirkte sich verheerend auf die Getreideproduktion aus: In historischen Quellen wird von Nahrungsmittelknappheit und Hungersnot berichtet, was Königin Kleopatra davon abhielt, Italien mit dringend benötigtem Getreide zu versorgen.

In der Folge kam es in Ägypten zum Niedergang des ptolemäischen Königreichs.

In Rom kehrten erst mit der Kaiserzeit wieder stabile Verhältnisse ein, und das römische Reich wurde sogar zur Weltmacht.

Die Antike war eigentlich eine Warmzeit. Die Alpenpässe waren schneefrei, was Hannibal bei seinem Angriff mit Elefanten auf Rom nutzte. Später konnte Cäsar dem Reich in umgekehrter Richtung die neue Provinz Gallien hinzufügen. Nordafrika war die Kornkammer, aus der das Römische Reiche sein Getreide bezog.

Kaiser Augustus war der 1. Herrscher der neuen Epoche. Er machte aus dem Rom der hölzernen Gebäude eine Weltstadt in Marmor.

Quelle: Universität Bern

Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)

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(05.07.2020)