Neues von der Calçada Portuguesa: ein Buch zeigt Kunst mit den einzelnen Steinchen und ein Film die gepflasterten Plätze in Lissabon aus der Vogelperspektive

Foto aus dem neuen Buch von Ernesto Matos.

Hingegen ist die Initiative aus der portugiesischen Hauptstadt, das Pflaster zum Kulturerbe der Menschheit zu machen, noch nicht wirklich weiter gekommen

Das berühmte portugiesische Straßenpflaster, Calçada Portuguesa in der Landessprache, geht vermutlich auf die Jahre um 1845 in Lissabon zurück. Seitdem haben sich die Muster meist aus hellem Kalkstein und dunklem Basalt über die ganze Welt verbreitet, vor allem natürlich im Raum der Lusophonia, also der portugiesischen Kultur von Portugal über Brasilien und Angola bis Macau.

Endlich kommt wieder mal etwas Neues zu dem Thema, und es kommt von Ernesto Matos, der schon in zahlreichen Büchern die Geschichte dieses Kulturgutes beschrieben und zahllose Beispiele aus der ganzen mit Fotos dokumentiert hat: in seinem neuesten Buch betrachtet Matos aber nicht die kompletten Muster, sondern die einzelnen kleinen Steinchen.

Und weil Matos Matos ist, tut er das künstlerisch, unter seinem Künstlernamen „Er“, der sich auf Platon bezieht, und in seinem Eigenverlag „Mythus de Er“.

„In Excelsis Petris“ lautet der Titel des Buches. Mit dem Fokus auf den Steinchen als solche will er „die Bedeutung des Kleinen“ herausstellen, ohne welches „das Große nicht funktionieren könnte“.

So weit der philosophische Einstieg. Daneben geht es um Kunst, wie gesagt. So hat Matos Künstlerfreunde eingeladen, die Steine zu bemalen, sie mit Botschaften zu versehen, oder sie zu Kunstobjekten zusammenzubauen.

Foto aus dem neuen Buch von Ernesto Matos.

Daneben findet man Bilder, die Matos bei seinen Streifzügen über die Straßen und Plätze der Welt zusammengetragen hat: etwa seine Inszenierung eines Golfers beim Einlochen mitten in der Stadt (siehe Foto ganz oben) oder das Foto der Ameisen, die unter dem Pflaster ihr Nest gebaut haben. Für die Tierchen gilt sicher der alte Spruch aus der Studentenbewegung, dass unter dem Pflaster der Strand liegt.

Zahlreiche Texte gibt es dazu. Leider sind sie nur auf Portugiesisch.

Das Buch kostet 25 € (inklusive Porto) und kann bei Ernesto Matos per Mail bestellt werden.

Nichts Neues gibt es hingegen zur jener Initiative, die die Kunst der Calçada Portuguesa in den Rang eines Kulturerbes der Menschheit erheben will.

Zuletzt hatte im Jahr 2018 der Stadtrat von Lissabon beschlossen, 100.000 € für die Vorbereitung eines Antrags bei den Unesco-Welterbe-Gremien zur Verfügung zu stellen. Damit sollten Informationen über die Bedeutung des Pflasters für Portugals Hauptstadt und darüber hinaus zusammengetragen werden. Für eine Bewerbung sind solche Fakten auf wissenschaftlicher Basis notwendig.

Foto aus dem neuen Buch von Ernesto Matos.

Auf den entsprechenden Seiten der Unesco taucht das Straßenpflaster jedenfalls nicht eigenständig auf. Nur am Rande erwähnt wird es zusammen mit den charakteristischen Azulejo-Fliesen und der Fado-Musik in einem Antrag, mit dem Teile der Altstadt von Lissabon zum Weltkulturerbe werden sollen.

Übrigens sollten diese 3 Kulturgüter bei der Weltausstellung 2020 in Dubai eine Rolle im portugiesischen Pavillon spielen. Jedoch wurde die Expo wegen Corona um ein Jahr verschoben.

Allerdings: Der Getränkehersteller Red Bull, der seine Drinks gerne mit jugendnahem Sport in außergewöhnlichem Ambiente in Verbindung bringt, hat die Calçada Portuguesa entdeckt: er ließ im Jahr 2019 einen jugendlichen Meister des BMX-Radsports seine Kunst auf den schönsten Plätzen in Lissabon vorführen.

Eine Drohne filmte das Ganze oben, so dass man in dem Video von knapp 3 Minuten Länge die Pflaster endlich in kompletter Schönheit sehen kann.

Ernesto Matos (portugiesisch, Mail)

Red-Bull-Video

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(03.03.2021)