School’s out – wie Betriebe Schulabgänger für eine Lehre im Steinmetzhandwerk gewinnen können

Die Nachwuchssicherung bei den Steinmetzen und Steinbildhauern ist heutzutage ein richtig großes Ding für die Betriebe.

Anregungen und Argumente für Gespräche mit jungen Leuten, die vor der Berufswahl stehen

Von Alfred Paschek, Berufsbildungswerk bbw

Um junge Menschen in der beruflichen Orientierungsphase für den Beruf des Steinmetzen und Steinbildhauers zu gewinnen, braucht es überzeugende Antworten nur auf wenige Fragen: Warum dieser Beruf? Warum dieser Betrieb? Die folgenden sieben Punkte mit weiterführenden Infos können Antworten geben für Situationen, in denen Sie mit dem potentiellen Nachwuchs ins Gespräch kommen – auf Veranstaltungen, in Schulen, in Ihrer Werkstatt oder sonstwo in der Öffentlichkeit.

FÜRCHTET EUCH NICHT!

Machen Sie deutlich, dass in ihrem Betrieb ein moderner Führungsstil gepflegt wird, dass gegenseitige Wertschätzung, Teamgeist und positive Stimmung einen hohen Stellenwert haben. Fördern-Fordern-Feedback heißt das Motto – es werden klare Lernziele vorgegeben und es wird auch gezeigt, wie diese erreicht werden können. Und natürlich darf sich jeder angesprochen fühlen. Alter, Geschlecht, Herkunft sind nicht entscheidend, sondern einzig das persönliche Engagement, die Freude an der Arbeit und die Bewährung in der täglichen Praxis.
Weitere Infos: Bericht über zeitgemäße Unternehmenskultur
https://www.stone-ideas.com/81003/positives-betriebsklima-steinmetz/

PREISET DEN STEIN!

Bringen Sie rüber, was Ihr Material, den Naturstein, so außergewöhnlich und attraktiv macht, beispielsweise seine Verwendungsmöglichkeiten, seine Eigenschaften, seine Vielfalt. Außerdem zeichnet sich Naturstein durch eine sehr gute Ökobilanz aus, ein wertvoller Pluspunkt, um sich zu aktuell viel diskutierten Themen wie „Nachhaltigkeit“ und „Klimaschutz“ zu positionieren.
Weitere Infos des DNV zur Umweltverträglichkeit von Naturstein:
https://www.natursteinverband.de/nachhaltigkeit.html

LOBET DAS WERK!

Ja, es gibt sie. Junge, talentierte Leute, die an Teppich-Etagen kein Interesse haben, dafür aber raus wollen, um abends zu sehen und zu spüren, was Sie mit ihren eigenen Händen geschaffen haben – auch darum geht es beim Beruf des Steinmetzen und Steinbildhauers! Obendrein sind bei dieser Arbeit auf reizvolle Weise ganz verschiedene Tätigkeitsfelder und Anforderungsprofile vereint, inklusive vielfältiger Weiterbildungsmöglichkeiten. Und nicht zuletzt ist die Verbindung von Tradition und Innovation, von moderner Technik und alter handwerklicher Kunstfertigkeit, ein ganz besonderes Merkmal, das nur wenige Berufe aufweisen können.
Weitere Infos: bbw- und BIV-Seiten Beruf & Karriere
https://www.bbw-steinmetz.de/ausbildung/struktur-der-ausbildung
https://cms.bivsteinmetz.de/beruf-steinmetz-in.html

FINDET ZUFRIEDENHEIT!

Dass eine handwerkliche Beschäftigung hohe Zufriedenheit schaffen kann, ist auch wissenschaftlich erwiesen (s. Link). Die Fabrikatmosphäre mit Fließbändern unter Leuchtröhren im Schichtbetrieb gibt es anderswo, genauso wie die immergleiche Monotonie von Verrichtungen, die ohnehin demnächst der Roboter übernehmen wird. Stattdessen wird dem Steinmetz-Azubi schon früh Verantwortung übertragen. Er erledigt keine isolierten Arbeitsschritte, sondern ist an allen Tätigkeiten aktiv beteiligt – von der Planung über die Herstellung bis zum Kundenkontakt. Vermitteln Sie, dass Steinmetzarbeit ganzheitliche Arbeit ist, die Zufriedenheit schafft.
Weitere Infos: Studie u.a. zur Berufszufriedenheit im Handwerk
https://www.handwerk.com/studie-belegt-handwerker-sind-stolz-und-zufrieden

Es ist schwer, unter den vielen Jugendlichen mit ihren vielen Moden den richtigen Bewerber herauszufinden.

NEHMT EURE ZUKUNFT IN DIE EIGENE HAND!

Für diejenigen, die besonders die Sache mit dem „Goldenen Boden“ interessiert: im Handwerk gibt es die Möglichkeit, sich mit einem Meistertitel bereits in relativ jungen Jahren selbständig zu machen und ein Unternehmen zu führen. Junge Leute im Handwerk beginnen also mit dem Geldverdienen viel früher als beispielsweise ihre akademisch ausgebildeten Altersgenossen. Und: Im Moment stehen im Handwerk die Chancen besonders gut, einen Betrieb zu übernehmen. Das wird auch in den kommenden Jahren so bleiben. Denn laut einer Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks wollen in den nächsten fünf Jahren gut 18 % der Firmeninhaber ihren Betrieb an einen Nachfolger übergeben. Überhaupt werden wegen des zunehmenden Fachkräftemangels gut ausgebildete Fachkräfte gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt haben. Betonen Sie, dass man auch im Handwerk Karriere machen kann.
Weitere Infos: Betriebsnachfolge – Chancen und Herausforderungen im Handwerk
https://www.zdh.de/fachbereiche/gewerbefoerderung/betriebsnachfolge/

BEWAHRET DAS ALTE!

Marmor, Stein und Eisen bricht… Was der Schlager schon wusste, können Steinmetze aus dem Bereich Restaurierung und Denkmalpflege nur bestätigen: das steinerne Kulturerbe bedarf – soll es erhalten bleiben – permanenter Zuwendung. Dabei verfügt einzig die Berufsgruppe der Steinmetze und Steinbildhauer sowohl über die praktischen Fähigkeiten als auch über die theoretischen Kenntnisse, alle wesentlichen Tätigkeiten für den Erhalt dieser Kulturgüter auszuüben. Und die Gefährdung von Baudenkmälern und historischen Werken steigt: durch Massentourismus, chemische und biologische Belastungen sowie die stetig sich verschärfenden Folgen des Klimawandels. An Arbeit wird es hier in Zukunft nicht mangeln.
Weitere Infos: Forschungsergebnisse der EU zu Auswirkungen des Klimawandels auf das kulturelle Erbe
https://cordis.europa.eu/article/id/28819-save-our-statues-scientists-warn-of-climate-changes-impact-on-cultural-heritage/de

ERSCHAFFET DAS NEUE!

All jenen, denen das zu konservativ klingt, die lieber neu machen und selbst gestalten, sei gesagt: Auch Ihr seid hier richtig! Auf der Basis einer anspruchsvollen, fachlich breiten Ausbildung auf der Höhe der Zeit eröffnen sich – je nach persönlichen Vorlieben, individueller Lebensplanung oder wirtschaftlichen Erfordernissen – vielfache berufliche Entwicklungs- und Aufstiegsperspektiven, um dieses Traditionshandwerk auf unterschiedlichen Geschäftsfeldern in die Zukunft zu führen. Denn kluge Entwürfe und qualitativ hochwertige Produkte aus Naturstein werden auch morgen gefragt sein.

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(25.03.2021)