Brasiliens Natursteinexporte haben das Jahr 2020 trotz der Coronakrise mit einem nur geringen Rückgang überraschend gut überstanden

Der Quarzit Cristallo Pink.

Wieder einmal waren es verarbeitete Produkte aus Quarziten und ebensolche aus Marmor sowie Speckstein, die gute Erträge brachten

Vielleicht war die Exportbilanz von Brasiliens Natursteinwirtschaft im Jahr 2020 trotz der erzielten -2,65% nach Wert und -0,36% nach Tonnage doch nicht so schlecht. Chid Chiodi vom Beraterbüro Kistemann & Chiodi Assessoria e Projetos jedenfalls trägt diese Zahlen in seiner Statistik Informe 1/2021 für den landesweiten Dachverband Abirochas mit einem positiven Grundtenor vor.

Und er führt gute Gründe für seine gute Stimmung an: erstens war 2020 das Jahr mit Corona und gab es woanders zweistellige Einbrüche, und zweitens könnten sich die Gesamtzahlen noch verbessern, weil die Dezemberwerte immer mit Verzögerung bei ihm eingehen – so könnte der bisher erzielte Exportwert von 987,4 Millionen US-$ letztendlich doch noch die magische Schwelle von 1 Milliarde überspringen.

Chiodi hofft, dass das Land endlich aus dem Tal der Tränen während der Jahre 2014 bis 2018 herausgekommen sein könnte. Damals hatten die Exporteure nur Rückgänge zwischen (-)5,3% und (-)13,3% erwirtschaftet, wobei nur 2017 mit (-)2,7% eine Art von Ausnahme gewesen war.

2019 aber waren die Summen mit +1,94% erstmals wieder positiv gewesen und man hatte mit 1.012.059,91 US-$ die magische Schwelle endlich wieder übersprungen.

Chiodi resümiert also, dass trotz aller Folgen der Pandemie das Jahr 2020 gar nicht so schlimm für Brasiliens Natursteinexporteure gewesen sein kann.

Das lohnt die Suche nach den exakten Gründen. Die liegen zum einen in Brasiliens Steinsorten, und zum anderen im Produktniveau:
* wie schon 2019 haben sich die Quarzite als Renner herausgestellt – mit diesen Sorten hat Brasilien beinahe eine Alleinstellung auf dem Markt, und vor allem kann es die aktuell so beliebten weißen bis grauen Sorten (und genauso natürlich auch bunte Varianten) liefern;
* außerdem gab es bei diesen Quarziten einen hohen Anteil an verarbeiteten Produkten. Das heißt: in diesem Fall hat Brasilien es geschafft, mit dem Material zuzüglich einer Verarbeitung Geld zu verdienen, nicht bloß mit dem Rohstoff.

Aber Chiodi ist bekannt für seine nüchterne Analyse, und so nimmt er seine Freude gleich wieder zurück: denn bei diesen Quarziten gab es eine Steigerung auch beim Export von Rohblöcken, und zwar um 50%!

Das Cover von Abirochas Informe 1/2021.

Er kommentiert das deutlich: diese Rohblöcke „sind eine Konkurrenz für unser eigenes Made in Brasil“, denn sie gehen vor allem nach Italien und China – „das sind unsere wichtigsten Konkurrenten auf unserem wichtigsten Markt, den USA“.

Ein ähnliches Dilemma hatte das Land schon vor etwa 10 Jahren erlebt, damals mit seinen exotischen Graniten. Diese gibt es nur in Brasilien! Aber nie hatten die Firmen, der Verband und die staatliche Exportförderung sie zu einer eigenen Marke machen können – vielmehr waren sie vor allem als Rohblöcke an andere Länder verkauft worden und von dort verarbeitet auf die Märkte zurückgekommen.

Wir erinnern uns noch an das Zähneknirschen in einem Bericht Chiodis, als er aus dem Mittleren Osten zurückkam und dort auf den Fußböden in Shopping Centern brasilianische Steine Made in China gesehen hatte.

Zurück zu der Bilanz. Neben den Quarziten erbrachten auch Marmor und Speckstein in verarbeiteter Form gute Ergebnisse, ebenso Sorten von Quarz.

Wobei Chiodi hier selber auf eine Schwäche seiner Analysen hinweist: die Statistik von Brasiliens Behörden, die er nutzt, unterscheidet nicht wirklich zwischen Halbfertigprodukten (Rohpatten) und Endprodukten.

Wie schon so oft schreibt Chiodi Brasiliens den Exportfirmen auch in dieser Jahresstatistik wieder ins Stammbuch, sich stärker um Endprodukte bemühen. „Oberhalb der Exportschwelle von 1 Milliarde US-S wird sich Brasilien nur dann festsetzen können, wenn es den Anteil von höherwertigen Produkten am Gesamtexport erhöht.“

Abirochas Informe 1/2021 (portugiesisch)

See also:

(29.03.2021)