Skaten in feinster Umgebung – kaum ist die Terrasse der Neuen Nationalgalerie in Berlin wiederhergestellt, gibt es schon Ärger mit den Rollbrettfahrern, die dem hellgrauem Granit zusetzen

Skaterin vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin im Winter. Foto: <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Natürlich könnte man zum Beispiel den Berlin-Marathon auch irgendwo im Grunewald oder am Stadtrand abhalten statt in der Innenstadt, nur – schöner ist‘s schon auf einer Strecke durch das Brandenburger Tor.

Das Bedürfnis nach besonderen Schauplätzen und nach Spektakel vor großem Publikum gilt auch für die Jüngeren unter den Sportlern, zum Beispiel die, die es mit dem Skateboarden haben. Und so kommt es, dass auf der Terrasse rund um die soeben erst restaurierte Neue Nationalgalerie in Berlin die Rampen und Stufen schon deutliche Schäden am Naturstein aufweisen.

An manchen Tagen kurvten 100 junge Leute auf ihren Brettern um den Glasbau, berichtete Der Tagesspiegel – das ist eigentlich nicht neu, denn schon lange zieht es die internationale Skaterelite zur Selbstdarstellung an den markanten Ort nur ein paar Schritte vom Potsdamer Platz entfernt.

Neu ist nur, dass die Architekturikone mitsamt dem direkten Umfeld in sechsjähriger Sanierung in ihrem Erscheinungsbild minutiös nach den ursprünglichen Plänen von Mies van der Rohe wiederhergestellt und erst Ende August 2021 wiedereröffnet wurde.

Nun gibt es nach nur 3 Monaten schon deutlich sichtbare Schäden am hellgrauen Granit, der die Terrasse ziert: teils sind die Kanten der Steine abgerundet, vielfach sind sie schwarz vom Abrieb der Rollbretter.

Die Neue Nationalgalerie mit ihrer Terrasse aus der Luft (vor der Sanierung). Foto: Jan Dalbéra / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Mitte November 2021 hat die Direktion des Hauses deshalb ein Skateverbot verhängt, und das Thema ging durch die Presse.

Freundlich und friedlich ist die Stimmung bisher. Unter den Argumenten konnte man schon lesen, dass Kunst und Skateboarden „nicht nur gut zusammenpassen, sondern eigentlich sogar zusammengehören“ und deshalb Mies van der Rohes Architekturkonzept der Verknüpfung von drinnen und draußen mit den Rollbrettfahrern erst seine Verwirklichung erfahre.

Derweil werden Kompromisse gesucht. Die Befürworter haben eine Petition auf change.org „für den Erhalt der Skatekultur an der Neuen Nationalgalerie“ gestartet. Der Tagesspiegel hatte in seinem Bericht einen von ihnen zitiert, der sich „festgelegte Zeiten (vorstellen konnte) oder dass nur bestimmte Bereiche um die Galerie befahren werden dürfen“.

Da er wohl selbst ahnte, dass die internationalen Fans des Skatens auf solche Regeln nicht viel geben würden, fügte er gleich eine Alternative an: „Ich denke, wir könnten in der Community auch genug Geld sammeln, um alle paar Jahre die Kanten zu erneuern.“

Fest steht: die Terrasse rund um die Neue Nationalgalerie ist ein Leckerbissen für die Skater: das Ambiente aus hellgrauem Striegauer Granit ist edel, es gibt reichlich Rampen und Stufen zum Ausprobieren kreativer Ideen, es finden sich immer Zuschauer, und nicht zuletzt ist die Terrasse aus der Umgebung herausgehoben, so dass man dort schnell das Gefühl der ganz großen Bühne bekommt.

Schließlich: Naturstein scheint auch gut zu befahren zu sein. Wir hatten schon häufiger Berichte veröffentlicht, die darauf schließen lassen.

Change.org

Ein Video mit Denny Cham, einem angehenden Star der Szene in Deutschland, zeigt neben Erfahrungen aus dem Leben des jungen Mannes Skater am Kulturforum mit der Neuen Nationalgalerie in Berlin.

See also:

(30.11.2021)