„Axis Mundi“ von Nicolas Bertoux: ein Weihnachtsbaum aus Werkzeugen, die in den Marmorbrüchen verwendet wurden

Nicolas Bertoux: „Axis Mundi“, ein Weihnachtsbaum für Seravezza. Fotos: Nicolas Bertoux

Der Künstler hat in Seravezza unweit von Carrara eine Installation aus 111 Hydro-Kissen auf die Piazza Carduzzi gestellt

In Seravezza unweit von Carrara gibt es mitten im Ort einen Weihnachtsbaum, der sehr gut in die Gegend passt, weil er sehr ungewöhnlich ist: es ist die Installation „Axis Mundi“ des Künstlers Nicolas Bertoux, der mit seiner Arbeit die Welt der vielen Steinbrüche aus der Umgebung in das Städtchen an der Straße in die Marmorberge geholt hat.

Das Werk, ähnlich einer steilen Pyramide oder eben einem Tannenbaum mit dichten Ästen, ist aus 111 Hydo-Kissen zusammengesetzt. Sie wurden in den Steinbrüchen verwendet, um große vorgeschnittene Wände (Bänke) vom Fels zu trennen.

Bei den im Kunstwerk verwendeten Elementen handelt es sich um Kissen aus Eisen, die mit Wasser aufgeblasen werden. Neuerdings sind auch Kissen aus anderen Materialien im Einsatz, bei denen Druckluft die Kraft ausübt.

Nicolas Bertoux: „Axis Mundi“, ein Weihnachtsbaum für Seravezza.

Bertoux, der vor allem mit Marmor aus der Region arbeitet und sich die Rohblöcke grundsätzlich selber in den Steinbrüchen aussucht, bettelt dort auch immer um diese Werkzeuge, die nach einmaliger Nutzung meist ins Metallrecycling gehen.

Damit ist er ein Vorreiter in der Szene der Bildhauer: er nutzt nicht nur die Steine selbst künstlerisch, sondern auch die teils spektakulären Werkzeuge der Branche.

Mit dem Titel „Axis Mundo“ für die Installation spielt Bertoux auf alte Vorstellungen der Philosophen an, wonach die Welt eine Achse hätte, die durch einen Ort auf der Erde hindurchlaufen würde.

Das Christentum zum Beispiel lokalisierte die Weltachse in Jerusalem, genauer: am Berg Golgotha.

Häufig wurde die Achse auch als Weltenbaum dargestellt, und der Maibaum in süddeutschen Landen und genauso der Weihnachtsbaum geht auf diese uralte Tradion zurück.

Die Installation ist noch bis zum 07. Januar 2022 auf der Piazza Carduzzi in Seravezza zu sehen.

Nicolas Bertoux. Foto: Stefano BaroniNicolas Bertoux wurde in Frankreich geboren und begann seine Karriere als Innenarchitekt in Paris, bevor er sich ganz auf die Bildhauerei verlegte. Kerngedanke bei seinen Arbeiten ist, dass diese in ihre Umgebung integriert sind. Erreicht wird das, indem der Bildhauer sich vom Ambiente, der Kultur, der Geschichte und der Natur des jeweiligen Ortes inspirieren lässt.

Gemeinsam mit der Bildhauerin Cynthia Saw hat er in Seravezza die Fondazione Arkad gegründet. Dort werden in einer ehemaligen Marmorfabrik Kurse für Bildhauer und Seminare zur Zukunft der Bildhauerei angeboten. Darüber hinaus finden regelmäßig Ausstellungen und Veranstaltungen statt.

Nicholas Bertoux

Fondazione Arkad

Beschreibung Hydro Bags

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(14.12.2021)