In der chinesischen Provinz Zhejiang sind 9 ehemalige Steinbrüche zu einer touristischen Attraktion geworden

Ein Band von 9 aufgelassenen Steinbrüchen in der Provinz Zhejiang in China.Ein Band von 9 aufgelassenen Steinbrüchen in der Provinz Zhejiang in China.

Die spektakulären Canyons und gewaltigen Höhlen sind Zeugnis der Industriekultur vergangener Jahrhunderte

Ein Band von 9 aufgelassenen Steinbrüchen ist seit kurzem die touristische Attraktion in einer wirtschaftlich schwachen und schwer zugänglichen Region in der Provinz Zhejiang in China. Dort wurde über rund 1000 Jahre Tuff abgebaut, und es sind dabei spektakuläre Einschnitte in die Berge und ebensolche Höhlen geschaffen worden. Sie bieten nun den Menschen dort eine neue Lebensgrundlage.

Das ist Industriekultur, wie man sie auch von woanders kennt: es werden Zeugnisse vergangener Zeiten erhalten und in eine neue Nutzung gebracht. Hier stammt das Konzept von der Architektin Xu Tiantian, Chefin des Büros DnA_Design and Architecture mit Sitz in Peking. Sie hatte bereits woanders in China mit ihrer Methode der „Architectural Acupuncture“ erfolgreich gearbeitet.

Die Behörden der Region förderten das Steinbruch-Projekt. Ziel war dabei auch, der Landflucht in China etwas entgegenzusetzen.

Noch bis zum 05. Mai 2022 wird in Berlin im Aedes Architecture Forum eine Ausstellung zu dem Projekt gezeigt.

Ein Band von 9 aufgelassenen Steinbrüchen in der Provinz Zhejiang in China.Ein Band von 9 aufgelassenen Steinbrüchen in der Provinz Zhejiang in China.

Die Fotos, die uns die Architektin zur Verfügung gestellt hat, lassen die Besonderheit dieser Steinbrüche ahnen: Teils handelt es sich um Canyon-artige Einschnitte in den Berg; sie sind mehrere 10 m hoch, aber nur wenige m breit. Ein anderes Beispiel ist eine gewaltige Halle, deren Dimensionen an eine Kathedrale erinnern.

Anders als in Steinbrüchen woanders hatte der Abbau hier nicht möglichst große Rohblöcke als Ziel, sondern Quader [ashlar] von – geschätzt – um die 50 cm Länge und 30 cm Höhe. Aus denen wurden in der ganzen Gegend im Kreis Jinyun in der Provinz Zhejiang die Häuser in Massivbauweise erstellt.

Ein Foto aus einem Video zeigt solche Gebäude.

Ein Foto aus einem Video zeigt solche Gebäude.

Diese Besonderheit der Steingewinnung stellte auch das aktuelle Projekt vor besondere Herausforderungen. Denn auch jetzt konnte man keine großen Maschinen in die Brüche holen – wie schon immer blieb das meiste Handarbeit, ausgeführt auch diesmal von den Einheimischen.

Inzwischen sind viele von ihnen zu Fremdenführern geworden oder arbeiten in der Gastronomie. Ein Wanderweg verbindet die 9 ausgewählte Steinbrüche von insgesamt rund 3000 in der Umgebung. Er führt rund um ein Dorf, in dem ein Informationszentren geplant ist. Auch soll ein Bildungszentrum zur Natursteinverarbeitung entstehen.

Nichts sehen die Touristen von den Maßnahmen, mit denen das Terrain für die neue Nutzung gesichert wurde. Aber die Luftaufnahmen zeigen, wie an der Oberseite der Canyons das Regenwasser abgeleitet wird oder wie eine Betonschicht mit Stahlnetz die oberste Felsschicht wetterfest macht.

Wo im Inneren der Brüche mit Betonwänden Sicherungen eingezogen werden mussten, übernehmen diese zwar die Struktur der Natursteinwände, unterscheiden sich aber deutlich in der Farbe.

Wo im Inneren der Brüche mit Betonwänden Sicherungen eingezogen werden mussten, übernehmen diese zwar die Struktur der Natursteinwände, unterscheiden sich aber deutlich in der Farbe.

Beteiligt an dem Konzept waren auch Experten der nahen Universitäten. Sie entwickelten das Konzept für die Beleuchtung.

Beteiligt an dem Konzept waren auch Experten der nahen Universitäten. Sie entwickelten das Konzept für die Beleuchtung – eigentlich ist im Fall der Canyons der Boden in Dunkelheit getaucht.

Es finden Konzerte statt, ja sogar Aufführungen chinesischer Opern, und diese stehen auch den Einheimischen offen.

Für die große Halle wurde ein Akustikkonzept erarbeitet, das die spezielle Oberfläche des Tuffs und dessen Reflektion ausnutzt. Dort finden Konzerte statt, ja sogar Aufführungen chinesischer Opern, und diese stehen auch den Einheimischen offen.

Regelmäßig wird in Performances die Knochenarbeit der Steinhauer nachgestellt.

Regelmäßig wird in Performances die Knochenarbeit der Steinhauer nachgestellt.

Von Plattformen aus können die Besucher die Sonnenuntergänge durch ein spektakuläres Loch in der Felswand verfolgen.

Zur Orientierung: Der Wanderweg mit den 9 Steinbrüchen liegt im Kreis Jinyun in der Provinz Zhejiang unweit des Xianju Nationalparks, der berühmt ist für seine bizarren Vulkanfelsen und den Tempel des Gelben Kaisers. In der Region stoßen die Eurasia- und die Pazifik-Kontinentalplatten aneinander. Der Ausgangspunkt der heutigen Landschaft wurde vor circa 120 Millionen Jahren geschaffen.

DnA_Design and Architecture

Aedes Architeture Forum

Fotos: DnA_Design and Architecture

Ein Band von 9 aufgelassenen Steinbrüchen in der Provinz Zhejiang in China.Ein Band von 9 aufgelassenen Steinbrüchen in der Provinz Zhejiang in China.Ein Band von 9 aufgelassenen Steinbrüchen in der Provinz Zhejiang in China.

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(29.04.2022)