In den virtuellen Showrooms der 2. Generation werden beim Verkaufen von Naturstein künftig auch die Möglichkeiten der Erweiterten Realität eine Rolle spielen

Burak Alimoğlu, groß in echt und klein als Avatar auf dem Bildschirm am Stand auf der Messe Marble Izmir 2022.

Auf der Messe Marble Izmir 2022 präsentierte die türkische Firma Alimoğlu den Prototypen ihres „Metaverse“

Unaufhaltsam ziehen neue Technologien auch in das Verkaufen von Naturstein ein:
* es fing an vor ungefähr 15 Jahren, als die ersten digitalen Badplaner auf den Markt kamen;
* der nächste Schritt waren Helmbrillen (Head Mounted Display): hier verbleibt der Kunde nicht quasi draußen vor einem Bildschirm, sondern wird in eine Erweiterte Realität (Augmented Reality, AR) hineingezogen – auf der Marmomac im Jahr 2017 zeigten die spanische Firma Levantina und die griechische Stone Group International, wie spannend damit ein Besuch in einem Steinbruch sein kann. Gleichzeitig präsentierte der italienische Hersteller Intermac Brillen mit einem besonderen Gestell, wo Anleitungen für die Reparatur einer Maschine aus der Ferne eingeblendet werden können;
* zuletzt hat die Pandemie die virtuellen Showrooms enorm vorangetrieben.

Aktuell kommt nun die 2. Generation dieser digitalen Verkaufsräume auf den Markt. Die vorgenannten Technologien werden miteinander verknüpft. Auf der Messe Marble Izmir 2022 zeigte die türkische Firma Alimoğlu ihren Prototypen dazu.

Mancher mag das als wieder einmal kurzlebiges Spektakel abtun. Burak Alimoğlu aber, Juniorchef bei der Firma und treibende Kraft der Idee, war bei unserem Besuch am Messestand auf solche Vorbehalte vorbereitet: auf seinem Handy zeigte er uns ein Video von seinem zweijährigen Sohn, der zuhause auf dem Boden sitzt, eine Helmbrille übergezogen hat und mit größtem Vergnügen in einem virtuellen Wasserbecken herumplanscht.

„In 2 Jahren wird jeder das haben wollen“, umriss Alimoğlu die Perspektive, „wir entwickeln hier das Verkaufen der Zukunft.“

„Metaverse“ hat er sein Projekt getauft. Der Name erinnert an das neueste Vorhaben von Mark Zuckerbergs Firma Meta, jenem Konzern, zu dem Facebook, Instagram und einige mehr gehören. Wir haben unten ein Video verlinkt, in dem Zuckerberg eine gute Stunde lang das Konzept erläutert.

Zwei Aspekte stehen bei der neuen Generation von Showrooms im Mittelpunkt:
* die Besucher ist quasi live im Showroom und kann dort aktiv etwas tun;
* er kann sich von einem virtuellen Firmenvertreter durch die Ausstellung leiten lassen – wie in der Realität ist ein direktes Kundengespräch möglich.

Zwar sind die Avatare noch sehr eckig und unbeholfen. Aber es wird schon an fotorealistischen Abbildern der handelnden Personen gearbeitet: Möglich wird einmal sein, neben der Gestik auch die Mimik des Gegenübers zu zeigen. Zuckerberg diskutiert das in seinem Video ab Minute 1:01:26.

Wie wichtig dabei die vielen Ebenen der Körpersprache sind, hat uns ja die Pandemie gelehrt.

Dazu ein weiterer Aspekt, der besonders für Messen ein große Rolle spielt: für ein reales Verkaufsgespräch macht sich der Verkäufer zurecht, legt ein Kostüm an und Schminke auf oder zieht Schlips und Kragen über. Für diese Ebene der Kommunikation gibt es im virtuellen Showroom ein wirklich weites Feld: In Zuckerbergs Video wird das Thema am Beispiel einer aufgetakelten Influencerin ab Minute 39:50 behandelt.

Jedoch: für dieses Eintreten in die Erweiterte Realität braucht es die Helmbrille (vorerst zumindest). Wie kommt sie zum Kunden?

Alimoğlu will sie an die Händler vor Ort oder an regelmäßige Kunden verschicken.

Mitgeliefert per Netz wird dabei für jeden Kunden „sein“ Showroom: wer Blöcke kaufen will, sieht Blöcke (und kann sie virtuell im Raum drehen); wer sich für Endprodukte interessiert, bekommt diese vorgeführt. Wir zeigen in einem späteren Bericht dazu den virtuellen Showroom der deutschen Firma Draenert, die einen etwas anderen Weg geht.

Nicht zuletzt, noch eine technische Option für die virtuelle Welt: Hologramme.

Hat Burak Alimoğlu noch mehr Neuigkeiten in petto, vielleicht für jenseits der nächsten Jahre?

Natürlich, denn er ist ein Technikfreak und hat für die Entwicklung seines Metaverse gleich die Firma RGBKOD gegründet, die das Ganze entwickelt und später einmal verkaufen wird.

Was Naturstein angeht, betont er, dass das Anfassen des Materials unbedingt zum Verkaufen dazugehört. Man kann das Phänomen auf jeder Messer erleben, wo Profis genauso wie Laien die besonders schönen Steinplatten nicht nur optisch bewundern, sondern immer auch berühren, beinahe streicheln, und so haptisch zu erfassen suchen.

Alimoğlu verweist auf Datenhandschuhe, allgemeiner: auf die Wearables. Er meint, dass in der 3. Generation der virtuellen Showrooms auch das virtuelle Berühren Teil des Verkaufserlebnisses sein wird.

Alimoğlu Mermer

Video Mark Zuckerberg

See also:

(02.05.2022)