Die Marmor- und Glasfassade der Capital One Hall in Tysons, Virginia minimiert die Wärmeeinstrahlung und optimiert den Lichteinfall

Capital One Hall von Hammel, Green and Abrahamson (HGA).

Die Architekten kamen vom Büro HGA (Hammel, Green and Abrahamson)

Über 2 Besonderheiten ist bei der Fassade der Capital One Hall in Tysons, Virginia zu berichten: ihre Außenhaut aus Naturstein und Glas ist wie der Balg eines Akkordeons gefaltet, und der verwendete Stein ist ein weißer Marmor. Mit Marmor an Fassaden hatte es in den letzten Jahrzehnten bei einigen bekannen Gebäuden Probleme gegeben, etwa der Finlandia Hall in Helsinki oder der Grande Arche de le Défense in Paris.

Bauherr in Tysons war der Finanzdienstleister Capital One, der zu den größten Banken in den USA zählt. Er hat im Fairfax County in Virginia, von Washington DC aus bequem mit der U-Bahn zu erreichen, einen Campus und darauf seine Firmenzentrale eingerichtet. Mittelpunkt dieses Campus‘ ist die neue Capital One Hall, die das Kulturzentrum für die rund 11.000 Firmenmitarbeitet und darüber hinaus für die Öffentlichkeit ist

Die Architekten kamen vom Büro HGA.

Capital One Hall von Hammel, Green and Abrahamson (HGA).

Eine der Herausforderungen war, dem Gebäude ein markantes Erscheinungsbild zu geben. Denn rundherum stehen Glastürme, die die Capital One Hall weit überragen.

Der Bauherr wollte weißen Marmor, und in einem langen Prozess fanden die Architekten eine Sorte aus Italien, bei der keine Probleme mit Verformungen zu erwarten sind.

Besonderheit bei der Auswahl war, dass es keine prinzipielle Festlegung auf das Wunschmaterial Marmor gegeben hatte: die Steinberater hatten als mögliche Alternativen weiße Kalksteine aus Italien beziehungsweise aus dem US-Bundesstaat Alabama sowie einen weißen Granit aus Brasilien ausgesucht, von denen gute Erfahrungen in ähnlichen Klimazonen wie Washington DC vorlagen.

Alex Terzich, technischer Designer und Fassadenspezialist HGA [technical designer and facade specialist at HGA architects] nennt die Gründe, weshalb man bis zuletzt eine der Alternativen in der Hinterhand hielt: „Wir wollten vermeiden, dass man ab einem Punkt gezwungenermaßen beim Marmor bleiben würde, einfach weil man sich vorher gegen die Alternativen entschieden hatte.“

Capital One Hall von Hammel, Green and Abrahamson (HGA).

Wir beschreiben den Prozess der Auswahl mit vielfältigen Tests in einem separaten Artikel im Rahmen unserer „Steindetail“-Serie https://www.stone-ideas.com/94123/marmorfassade-adjacent-grain-analysis-aga/.

Natürlich sollte das Gebäude eine möglichst hohe LEED-Zertifizierung erreichen. Ein Schritt dahin war wiederum die Gestaltung der Fassade: sie minimiert die Wärmeeinstrahlung in die Fenster, wobei gleichzeitig ein Maximum an Lichteinfall ins Gebäudeinnere gewahrt bleibt.

Die Außenhaut is unregelmäßig aus Marmorplatten und senkrechten Glasscheiben gefaltet.

Dafür simulierten die Architekten das Gebäude im Verlauf des Tageslichts und optimierten die jeweiligen Falten.

Für das große Gewicht der Steinplatten entwickelte Thornton Tomasetti zusammen mit Arup als Berater ein besonderes Tragsystem.

Sehr ungewöhnlich ist die Fassade, wenn man näher davorsteht – jedoch wirkt sie spannend, und der Betrachter fühlt sich eingeladen, das Gebäude zu betreten.

Capital One Hall von Hammel, Green and Abrahamson (HGA).Capital One Hall von Hammel, Green and Abrahamson (HGA).

Dort ist alles auf Kunst und Kultur zugeschnitten:
* das offene Atrium hat eine Kapazität für 500 Sitzplätze oder 1000 Stehplätze. Der Raum über 4 Stockwerke lädt ein zum Debattieren oder freien Denken. Seine Decke greift die Falten der Fassade auf;
* das große Theater bietet 1600 Stitzplätze mit einem Orchestergraben und einem Fly System;
* ein kleineres Black-Box-Theater bietet 225 Plätze für kleinere Aufführungen;
* auf dem Dach gibt es in 100 Fuß Höhe „The Perch“ (Die Vogelstange) mit einer Grünfläche und unter anderem einem Biergarten und Restaurant;
* ebenerdig sind Flächen für Geschäfte vorgesehen.

Währen die Materialien der Fassade (Marmor und Glas) kalt erscheinen, prägen warme Töne das Innere. Mit Walnussholz sind die Wände unter anderem im großen Theater verkleidet. Elemente aus Messing sorgen für die Akustik.

Im Eingangsbereich und auf einer Treppe findet sich der Marmor der Fassade wieder. Die Haupttreppe hat Stufen aus Terrazzo.

Das Gebäude hat eine LEED 2009 NC Gold Certification erreicht.

Capital One Hall von Hammel, Green and Abrahamson (HGA).

Gerade wird eine Minigolf-Anlage im Dachgarten installiert. Bis 2023 sollen nebenan 2 Türme für Büros und Geschäfte entstehen. Das Watermark Hotel als Nachbar wurde bereits fertiggestellt.

Hammel, Green and Abrahamson (HGA)

Capital One Hall

Fotos: Alan Karchmer

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(27.06.2022)