Peter‘s Corner: die Marmomac liegt mit der digitalen Bearbeitung von Canovas Skulptur „Pace“ (Frieden) als Icon für ihre Werbekampagne wieder einmal kräftig daneben

Screenshot der Marmomac Webpage.

Update: Die Marmomac hat uns freundlicherweise auf einen Fehler in unserem Text hingewiesen: bei der Frauenbüste „Pace“, um die es hier geht, handelt es sich nicht um einen Teil jener Skulptur mit gleichem Namen im Museum in Kiev, sondern um eines der Werke aus der Reihe „Ideale Köpfe“ (Teste Ideali), die Canova nach den napoleonischen Kriegen für seine engsten Freunde und Gönner geschaffen hatte. Die 6 Büsten gelten als seine persönlichsten Arbeiten und als Ausdruck seines höchsten Schönheitsideals. Wir bitten, unsere Ungenauigkeit zu entschuldigen. Foto der Büste
 

Die Verantworlichen der Veronafiere haben bei der Auswahl der Icons für ihre Marmomac wirklich kein glückliches Händchen. War im Jahr 2021 die Entscheidung einfach nur ungeschickt und kindisch, den Teddy Boy als Bild in aller Werbung für die Natursteinmesse zu zeigen, ist die Entscheidung 2022 für eine digitale Bearbeitung des Gesichts der Marmorkulptur „Pace“ (Peace) ein grober Fehlgriff. Das Original stammt von Bildhauer Antonio Canova (1757-1822), dessen 200. Todestag in diesem Jahr begangen wird.

Man muss sich fragen: Was will uns der digitale Bearbeiter mit dem Zerschneiden des Gesichts in 3 Teile sagen? Wollte er damit Platz für die Blumen schaffen, die igendwie aus dem Objekt hervorzukommen scheinen? Wozu die Blüten und die Rosenblätter?

Und: indem er die Augenpartie freigesellt hat, bekommt das Gesicht den Ausdruck einer Maske, wie man sie ausgerechnet von antiken Kriegerstatuen kennt.

Schließlich das + als wichtiges Zeichen der Marmomac seit ihrer Umbenennung von Marmomacc in Marmo+Mac. Ein Beispiel: könnte man akzeptieren, dass Fiat das Logo seiner Automarke Michelangelos David anheftet?

Aber es ist mehr als nur eine Frage von Respekt.

Denn wer in diesen Zeiten den Frieden zum Thema macht, tut das immer mit Bezug auf den aktuellen Krieg Russlands gegen die Ukraine, gewollt oder ungewollt.

Das marmorne Original von Canovas „Pace“ steht im Nationalmuseum in Kiew und muss dort aktuell vor den Bomben der russischen Angreifer geschützt werden.

Canova „Pace“. Gipsabguss im Museum Canova. Foto: <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Auch in der Geschichte der Marmorskulptur geht es um Krieg, damals: um einen Angriff auf Russland.

1812 nämlich, als der russische Politiker und Diplomat Nikolaj Petrovič Rumyancev den Auftrag für die Friedensstatue an Canova vergab, lag ein Angriff Napoleons gegen das Zarenreich in der Luft. Frankreichs Kaiser zog ein gewaltiges Heer von geschätzt einer halben Million Menschen zusammen und verpflichtete seine Verbündeten zum Mittun.

Canova schrieb im Februar 1812 in einem Brief sinngemäß: Die Statue wird den Krieg nicht aufhalten, aber ich werde ein solches Werk schaffen, und wenn es auf meine Kosten sein müsste. Es handelt sich um eine Allegorie in Gestalt einer Frau mit Engelsflügeln. 1802 noch hatte er einen Auftrag von Napoleon angenommen, ihn als Friedensstifter darzustellen.

Im Juni 1812 setzte Napoleon seine Truppen gegen Russland in Marsch.

Nach dem Tod des Diplomaten Nikolaj Petrovič Rumyancev ging seine Kunstsammlung mit Canovas „Pace“ als Geschenk an das russische Reich und wurde zunächst in St. Petersburg und später in Moskau ausgestellt. Nikita Chruschtschow schenkte sie 1953 dem Khanenko National Museum in Kiew.

Wie man mit Canovas Skulptur umgehen kann, führt eine Ausstellung in Florenz im Museo Novecento vor. Dort wird ein Gipsabguss der Figur einigen kriegerischen Gestalten aus der Medici-Sammlung gegenübergestellt. Der Titel der Ausstellung ist „Die Kunst gewinnt über den Krieg“. Wir haben unsere Informationen über die Geschichte des Werks von deren Webpage, wo auch die Gipskopie gezeigt wird.

Übrigens: Canova hat zahlreiche andere Werke geschaffen, anhand derer er seinen meisterhaften Umgang mit Marmor unter Beweis stellte.

Marmomac, (17. – 20. September 2022)

Art Wins Over War (bis 18. September 2022)

See also:

(18.07.2022)