Forschungsprojekt zur Biodiversität in Steinbrüchen und in Abbaustätten für mineralische Rohstoffe

Aus Sicht der Tiere und Pflanzen ist ein Steinbruch ein attraktiver Lebensraum, weil er ihnen Zonen mit vielfältigen Lebensbedingungen bietet.

Entwickelt werden soll ein Management, mit dem eine Vielfalt an Tieren und Pflanzen (Biodiversität) dort erreicht und gesichert werden kann

Steinbrüche stellen zwar große Eingriffe in die Landschaft dar, können aber sogar im Betrieb Hotspots der Biodiversität sein, und zwar speziell für Pionierarten, die woanders in unserer intensiv genutzten Umwelt keine Lebensräume mehr finden. Dafür aber braucht es ein Management, das das vielfältige Leben in einer aktiven oder stillgelegten Abbaustätte fördert. Ein Forschungsprojekt verschiedener Wissenschaftseinrichtungen gemeinsam mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) und Verbänden der Baustoffbranche will diese Methoden entwickeln.

In sieben Fallstudien untersucht das gemeinnützige Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), wie sich ein ganzheitliches Biodiversitätsmanagement und -monitoring in der unternehmerischen Praxis verankern lässt und wie sich bestimmte Maßnahmen auf die Artenvielfalt vor Ort auswirken. „Wir wollen erreichen, dass fachlich fundierte Vorgehensweisen für die gesamte Branche entwickelt werden“, erläutert Anneli Heinrich, Projektleiterin am IÖW. „Das ist wichtig, weil so weitere Unternehmen motiviert werden können, Biodiversität in ihrem Tagesgeschäft zu fördern.“ Erfahrungen und daraus abgeleitete Standards erleichtern den Umgang auch mit rechtlichen Bestimmungen.

Ein zentrales Anliegen des Forschungsprojektes ein systematisches Monitoring. Dazu wird ein Citizen-Science-Ansatz verfolgt, bei dem ehrenamtliche Naturbeobachter mit Unterstützung des NABU die Artenvielfalt in den Abbaustätten im Blick haben. Beobachtet werden ökologische Leitgruppen der Vögel, Amphibien, Schmetterlinge und Libellen, die leicht zu erfassen sind.

Zusammen mit dem Internetportal http://www.naturgucker.de soll so eine Plattform entstehen, auf der auch Online-Kurse zur Artenvielfalt in Abbaustätten angeboten werden können. „Der Schutz von Natur und Artenvielfalt kann nur gelingen, wenn wir alle Aspekte unserer Gesellschaft, inklusive der Industrie, biodiversitätsfreundlicher gestalten und Potenziale ausschöpfen. Und das können wir nur gemeinsam“, so Birte Brechlin vom NABU.

Der Titel des Foschungsprojekts lautet „Ganzheitliches Biodiversitätsmanagement in der Baustoffindustrie: Strategien und Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt im Kontext des Rohstoffabbaus (GiBBS)“.

Beteiligt sind
* das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW),
* das Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB, Museum Koenig Bonn),
* das Institut für Landschaftsökologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU),
* der Naturschutzbund Deutschland (NABU),
* der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (bbs),
* der Bundesverband Mineralische Rohstoffe (MIRO),
* der Bundesverband der Gipsindustrie.

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(26.07.2022)